Limburg-Weilburg/Lindenholzhausen. Kürzlich wurde in der Pfarrkirche St. Georg zu Werschau die barocke Skulptur des "Guten Hirten" wieder an ihrem ursprünglichen Standort, dem Schalldeckel der Kanzel, aufgestellt ...
Bild: Barocke Bildnisse des "Guten Hirten" (von links): St. Jakobus Lindenholzhausen (Martin Volck, um 1736), St. Georg Werschau (Martin Volck, um 1744), St. Peter und Paul Villmar (Johann Theodor Thüringer, 1750), St. Anna Limburg (Martin Volck, 1753). fotos: bernold feuerstein/ullrich jung/leonhard höhler
LIMBURG-WEILBURG Den Hirten mit dem Schaf auf der Schulter gibt es gleich viermal in der Region
Das Hirtenmotiv gründet schon im Alten Testament und konkretisiert sich als Selbstbezeichnung Jesu Christi im Johannesevangelium.
Der Hirte mit dem verlorenen und wiedergefundenen Schaf auf den Schultern als älteste Christusdarstellung erscheint schon in den römischen Katakomben und wurde seither ein beliebtes und wiederkehrendes Motiv der christlichen Kunst. Über Jahrhunderte erscheint das Schaf über beide Schultern getragen, oft an Vorder- und Hinterläufen gehalten.
In der Region hat die Hadamarer Bildhauerschule im 18. Jahrhundert eine neuartige Darstellung hervorgebracht, bei der das Schaf nur auf einer Schulter des Hirten ruht und - mehr gestützt als gehalten - größere Bewegungsfreiheit erfährt. Als Erfinder dieser Ikonographie gilt der Hadamarer Bildhauer Martin Volck (1700 bis 1756), der um 1736 eine Skulptur des Guten Hirten in dieser Weise als Bekrönung des Kanzeldeckels für die Kirche St. Jakobus Lindenholzhausen fertigte. Für die 1744 erweiterte Kirche St. Georg in Werschau schnitzte er eine ganz ähnliche Figur, die ebenfalls auf dem Schalldeckel der Kanzel ihren Platz fand.
Wenige Jahre danach griff Johann Theodor Thüringer (1696 bis 1761) diese Innovation auf und schmückte 1750 den Kanzeldeckel der 1746 bis 49 neu errichteten Kirche St. Peter und Paul in Villmar mit einer gleichartigen Skulptur. Er bildete mit seinem Schwager Volck zeitweise eine Arbeitsgemeinschaft, unter anderem für die Jesuitenkirche St. Nepomuk in Hadamar. Noch einmal verwendet Volck sein Lieblingsmotiv im Jahr 1753 für die Kanzelrückwand der Limburger Hospitalkirche St. Anna, und zwar als Relief - die hochentwickelte Reliefkunst war neben den expressiv bewegten Figuren ein Merkmal der Hadamarer Künstler.
So haben Gläubige heute auf engstem Raum gleich viermal den Guten Hirten im Hadamarer Stil vor Augen - schwungvoll bewegt, mit dem wiedergefundenen Schaf auf nur einer Schulter ruhend.red
Hin
weis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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