Limburg-Lindenholzhausen. Im Rahmen seines Winterfestes ehrte der TuS Lindenholzhausen verdiente langjährige Mitglieder – eine Gelegenheit, sich an „damals“ zu erinnern, als die Fußballer noch in blau-weißer Armeeunterwäsche aufs Fußballfeld liefen ...

Bild: Volle Konzentration war beim Auftritt der Cheerleader gefragt - Foto: Johannes Koenig
„Oldies“ des TuS Lindenholzhausen erinnern sich an alte Zeiten Spitzenspiele in Armeeunterwäsche
„Das wir das Fußballspiel verloren haben, ist nicht schlimm, dass wir gegen einen Gesangsverein verloren haben, aber schon.“ An lange vergangene Zeiten erinnerten sich beim TuS-Winterfest in Lindenholzhausen Walter Stockmann und Bernhard Bleutge. Die beiden ehemaligen Fußballer gehören dem TuS bereits seit 70 Jahren. Und wie es sich für Fußballer aus dem Limburger Sängerdorf gehört, lockerten sie in den 50er- und 60er Jahren ihre Fahrten zu Auswärtsspielen mit diversen Gesangseinlagen auf.
„Einmal hatten wir nach einem 2:1-Sieg in Bad Schwalbach unsere schönsten Lieder angestimmt. Ein Zuhörer hielt damals einen Telefonhörer in unsere Richtung. Der Teilnehmer am anderen Ende der Leitung saß in Amerika und fragte nach dem Namen des Chors“, erzählte Stockmann mit einem Schmunzeln.
Nägel in Schuhe getrieben
Als 16-Jähriger war er 1946 in den Verein eingetreten. „Fußballschuhe gab es damals keine. Stattdessen spielten wir mit Straßenschuhen, an deren Sohlen wir Lederreste mit Nägeln gehämmert hatten. Das war dann der Stollenersatz.“ Eine Aktion, die zu Hause auf wenig Begeisterung stieß. „Mein Vater war erst 1947 aus der Kriegsgefangenschaft in Marokko zurückgekehrt. Da war dann ganz schön was los, wenn die damals noch mit Reichsmark gekauften Schuhe kaputt waren.“
Allerdings waren die Schuhe nicht das Einzige, was regelmäßig Schaden nahm. „Wir kamen montags oft mit offenen Ellbogen und Knien in die Schule. Denn die Plätze bestanden damals in der Mitte noch aus leichtem Kies. Lediglich auf der Seite wuchs etwas Gras. Rasenplätze wie heute hätten wir gerne gehabt“, ergänzte Bernhard Bleutge. Zu der damaligen Armut passte, dass es im ganzen Dorf nur drei bis vier Lederbälle gab.
Die Bälle verwaltete Betreuer Heinrich Rompel, der sie nur vor Spielen beziehungsweise fürs Training der Ersten und Zweiten Mannschaft herausrückte. „Der Mann lebte für den Fußball und investierte sein gesamtes Herzblut in den Verein“, erzählte Bleutge.
Immerhin war der TuS aber einer der ersten Vereine in der Region mit eigenen blau-weißen Trikots – diese verdankten die Spieler der Wehrmacht. „In Niederbrechen stand nämlich eine Lagerhalle mit Armeeunterwäsche. Da hat man sich bedient und die Frauen nähten die Unterwäsche zu Trikots zusammen.“
18:0 gegen Jubiläumsteam
Aber nicht nur kleidungstechnisch ging es Mitte der 50er Jahre aufwärts: Damals stieg die Erste Mannschaft in die Bezirksliga Wiesbaden auf. Die Gegner hießen dann Östrich, Eltville, Wiesbaden und Kastel. Sehr zu Walter Stockmanns Leidwesen hatte der damalige Ortspfarrer Johannes Schermuly aber für seinen Jahrgang Anwesenheitspflicht beim Mittagsgottesdienst angeordnet – da halfen nur regelmäßige Krankschreibungen ...
Nachsicht gab es zum Beispiel nur, wenn gegen den damaligen „Erzfeind“ Elz gespielt wurde: Da hatte selbst der gestrenge Harmony-Chorleiter Ferdinand Dermbach ein Einsehen und verlegte die Übungsstunde kurzerhand an den Sportplatz. Aber nicht nur gegen Elz, sondern auch gegen VfR 07 ging es immer heftig zur Sache. „Da war was los“, sagte Stockmann.
Lindenholzhausen war in der Zeit durchaus eine kleine „Fußballgroßmacht“: So stand es bei einem Jubiläumsspiel bereits zur Pause bereits 18 zu Null, sodass das Spiel kurzerhand abgebrochen wurde, um den Gastgebern die Feier nicht vollständig zu vermiesen.
Persönlicher Höhepunkt für die beiden Fußballer war der Kontakt zu einer holländischen Mannschaft aus der Nähe von Amsterdam. „Der Kontakt kam in den 60er Jahren durch einen Manager zustande. Wir besuchten uns mehrmals gegenseitig. Noch heute schreiben wir uns Weihnachtskarten.“ So ist es neben den gesundheitlichen Vorteilen vor allem die Gemeinschaft, die den Sport auch für die jüngere Generation attraktiv machten, sind sich die beiden Jubilare sicher.
Ebenfalls geehrt wurden beim TuS-Winterfest Winfried Breser und Klaus Lischke für 60 Jahre Mitgliedschaft. Bereits ein halbes Jahrhundert beim TuS sind Walter Brahm, Alfred Janusch, Alfred jun. Jung-König, Bernd Löw sowie Regina Vetter. Auf immerhin 25 Jahre beim Verein bringen es Edmund Dick, Gerd Krämer, Birgit Krämer, Jürgen Rompel und Evelyn Will.
Auftritte der Turner, Leichtathleten, Cheerleader, Ropeskipper sowie die Aufführung des Theaterstücks „Lang soll er leben“ rundeten das Programm noch ab. (koe)

Bild: Bernhard Bleutge und Walter Stockmann halten dem TuS Lindenholzhausen seit 70 Jahren die Treue - Foto: Johannes Koenig
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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