Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.Limburg-Lindenholzhausen. Im vergangenen Jahr waren es 3,3 Prozent der Stimmen, jetzt sind es täglich 20 Schritte, die Michael Stanke von seinem Ziel trennen: Bürgermeister seiner Heimatstadt zu sein. Der neue Rathauschef Dr. Marius Hahn sitzt nebenan, Stanke hat sein Büro als Erster Stadtrat behalten. Doch der 41-Jährige weint der verpassten Chance keine Träne nach, sondern geht „rundum glücklich“ in seine zweite Amtsperiode. Das sagt er jedenfalls – und diesen Eindruck vermittelt der „Vize“ auch ...

Michael Stanke an seinem aufgeräumten Schreibtisch im Rathaus. Keine Aktion für den Fotografen: Der 1. Stadtrat hat im digitalen Zeitalter wie zu Hause ein weitgehend papierloses – und bescheiden eingerichtetes – Büro. Einziger Schmuck sind die Bilder seiner sechsjährigen Tochter.
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Michael Stanke an seinem aufgeräumten Schreibtisch im Rathaus. Keine Aktion für den Fotografen: Der 1. Stadtrat hat im digitalen Zeitalter wie zu Hause ein weitgehend papierloses – und bescheiden eingerichtetes – Büro. Einziger Schmuck sind die Bilder seiner sechsjährigen Tochter.

Erster Stadtrat steht in seiner zweiten Amtsperiode vor großen Herausforderungen

Michael Stanke (CDU) ist für mehr als 200 Mitarbeiter und wichtige Aufgaben zuständig. Dazu zählen Soziales, das Ordnungsamt, das Bauamt, der öffentliche Personennahverkehr und die Stadtlinie, der Umweltschutz und der Betriebshof. Joachim Heidersdorf hat mit dem Ersten Stadtrat gesprochen.

NNP: Sie beginnen Ihre zweite Amtsperiode, der Bürgermeister ist bald ein Jahr im Amt. Spüren Sie in diesen Tagen auch ein bisschen Wehmut, dass Sie nicht Stadtoberhaupt geworden sind?

MICHAEL STANKE: Nein. Vergangenen Ereignissen, die ich nicht mehr beeinflussen kann, trauere ich in keinem Lebensbereich nach. Der Blick geht nach vorne – und da freue ich mich wirklich auf meine Aufgaben als Erster Stadtrat.

Wie empfinden Sie die Zusammenarbeit mit Ihrem einstigen Konkurrenten und jetzigem Chef?

Als sehr gut. Die Zusammenarbeit ist zwar in erster Linie fachlich geprägt, aber auch sehr vertrauensvoll. Wir sehen uns jeden Tag und sagen uns offen die Meinung.

Neue Räume für Kitas

Wie kommt die Verwaltungsspitze mit den wechselnden Mehrheiten im Stadtparlament zurecht?

Natürlich ist es einfacher, mit einer Hausmacht zu regieren, doch bislang läuft es in der Stadtverordnetenversammlung ganz gut, auch menschlich. Jede Partei versucht, ihre Wahlversprechen einzulösen – mal abwarten, was am Ende dabei herauskommt. Die Fraktionen sind sich aber in mehr als 80 Prozent der Abstimmungen größtenteils einig.

Die Kinderbetreuung bildete einen der Schwerpunkte in Ihrer ersten Amtsperiode. Bleibt das so?

Wahrscheinlich. Der Bedarf in Limburg nimmt weiter zu – durch den Zuzug junger Familien, die höhere Geburtenrate und Flüchtlinge. Die Jungen und Mädchen kommen zudem immer früher in die Kita. Ich bin dem alten und dem neuen Bürgermeister sowie der Stadtverordnetenversammlung dankbar, dass sie für die Kinderbetreuung immer so viel Geld bereitgestellt haben – 2017 sind es über sieben Millionen Euro. Mit Geld allein allerdings ist es nicht getan. Für mehr Kinder brauchen wir auch mehr beziehungsweise neue Räume, derzeit vor allem in Blumenrod, Eschhofen, Linter und Lindenholzhausen. Dort sind die Häuser proppenvoll.

Apropos Flüchtlinge: Im Herbst des vergangenen Jahres waren Sie als Krisenmanager stark gefordert; stimmt der Eindruck, dass es in Limburg inzwischen recht ruhig zu sein scheint?

Die Krise ist jedenfalls nicht mehr akut. Die Stadt hat bald rund 1000 Plätze für Flüchtlinge, die aber nicht alle belegt sind. Zurzeit sind in Limburg etwa 600 Menschen untergebracht; vor allem in Blumenrod, im Kissel und auf der Dietkircher Höhe. Bald kommen circa 100 in 20 Wohneinheiten in Staffel hinzu. In diesem Zusammenhang muss ich mich noch einmal ausdrücklich für die großartige Unterstützung vieler Bürger und Gruppen bedanken. Dank dieses Einsatzes hat auch die Arbeit im Erstaufnahmelager in Staffel gut funktioniert. Verwaltung und Bauhof haben ebenfalls großen Anteil daran.

Was tut die Stadt für die Integration der Flüchtlinge?

Wir haben eine Integrationsbeauftragte eingestellt und ein Integrationskonzept erstellt. Wir wollen die Flüchtlinge in ihrem Wohnumfeld mit Einrichtungen zusammenführen, die wichtig für sie sind, zum Beispiel mit Vereinen. Und wir helfen, wo es geht, kümmern uns um Kindergartenplätze und vieles mehr. Sprache ist der Schlüssel zur Integration; leider ist das Angebot der zahlreichen Träger für Sprachförderung sehr unübersichtlich. Mit Firmen sprechen wir über Arbeitsplätze.

Was tun Sie, um endlich die Verkehrssituation zu verbessern und dadurch die Luft sauberer zu machen?

Der Verkehr ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Bürgermeister und Erstem Stadtrat. Dr. Hahn ist für die Planung und ich bin für die Abwicklung zuständig. Es geht dabei nicht nur um die Luft, sondern auch um die Sicherheit und den Lärm. Bei der Lösung ergibt sich ein gesellschaftlicher Konflikt. Die Anwohner sind dankbar, wenn wir in ihrer Straße blitzen und/oder Tempo-30-Zonen einrichten; viele Autofahrer schimpfen darüber. Trotzdem werden wir prüfen, in allen Durchgangsstraßen von 22 bis 6 Uhr Tempo 30 einzuführen. Die Erfahrungen in der Frankfurter, Holzheimer und Diezer Straße sind positiv. Ich bin natürlich weiter der Meinung, dass die Südumgehung unbedingt in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans kommen muss.

Viele ärgern sich auch über zugeparkte Gehwege.

Das stimmt, die Beschwerden nehmen rapide zu. Wir können Kindern nicht sagen, bleibt auf dem Bürgersteig, wenn das gar nicht möglich ist. Die Stadt wird künftig mehr kontrollieren.

Als Verantwortlicher für das Ordnungsamt bekommen Sie auch die Einsprüche und Beschwerden der Betroffenen auf den Tisch. . ..

Jede Menge. . . Ich nehme aber generell keine Strafzettel zurück.

Rechnen sich die vielen Kontrollen und Blitzer für die Stadt?

Die Radaranlagen auf jeden Fall – die Standortentscheidungen sind aufgrund von Unfallzahlen, Lärmberechnungen und Verkehrszahlen nach objektiven Kriterien getroffen wurden. Und die Anwohner sind auch froh. Für die Kontrolle des ruhenden Verkehrs, dazu zählt auch die Schulwegsicherung, sind die Personalkosten höher als die Einnahmen, was aber kein Problem ist, da wir auch hier die Verkehrssicherheit als Leitlinie haben.

Mehr Polizeipräsenz

Von der Verkehrs- zur allgemeinen Sicherheit: Was will und kann die Stadt dafür leisten?

Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen und müssen überlegen, wie das Ordnungsamt die Polizei unterstützen kann. Aus meiner Sicht könnte das nachts sein, um mehr Präsenz zu zeigen. Der freiwillige Polizeidienst unter der Regie der Stadt kann nur eine flankierende Maßnahme sein. Tatsache ist, dass viele Bürger sich unsicher fühlen. Das liegt unter anderem an den zahlreichen Einbrüchen und am zunehmend aggressiveren Verhalten im öffentlichen Raum. Dieses subjektive Gefühl müssen wir ernst nehmen, auch wenn es objektiv nicht immer richtig ist.

Könnte es zusätzliche Anlagen für die Videoüberwachung geben?

Ja, hoffentlich demnächst im ICE-Parkhaus, das weit weg vom Schuss ist. Wir müssen noch klären, wer die Bilder überwacht. Die Kameras in der Bahnhofsunterführung haben sich als sehr vorteilhaft erwiesen, einen neuen Gefahren-Schwerpunkt sehe ich nicht. Die Lage an der Pusteblume hat sich entspannt.

Wie geht es mit der Sanierung der Bürgerhäuser weiter?

Ahlbach und Lindenholzhausen stehen noch aus. Und danach fangen wir wahrscheinlich wieder von vorne an, weil die ersten „neueren“ Häuser auch in die Jahre kommen. Dieser Teil bestärkt mich in meinem Bestreben, die Bau- und die Wohnungsverwaltung unter ein Dach zu bringen.

Rathaus sanieren

Welche Ziele haben Sie für die nächsten sechs Jahre?

Ich möchte in meinen Ämtern vorankommen und an der Weiterentwicklung einer leistungsstarken Verwaltung mitwirken. Dazu gehört das Bürgerbüro, für das Marius Hahn inhaltlich und ich baulich verantwortlich bin. Wir müssen nicht nur den Eingangsbereich für das Bürgerbüro, sondern das gesamte Rathaus sanieren. Das wird eine Herkulesaufgabe. Die komplette Technik liegt auf der Eingangsebene. Ich will den Ruf Limburgs als kinderfreundliche Stadt verstärken, weil dies für junge Familien und damit auch für Unternehmen ein wichtiger Standortfaktor ist. Die Stadtteile müssen zum Wohnen und Leben attraktiv bleiben, die Vereine bestmöglich gefördert werden und vieles mehr.

Warum haben Sie noch nichts zur Stadtlinie gesagt?

Weil Sie noch nicht danach gefragt haben. . . Wir haben in der Vergangenheit viel für öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gemacht und werden weiter viel dafür tun müssen. Der Pendelverkehr zum und vom ICE-Bahnhof wird gut angenommen, das Anrufsammeltaxi entgegen jeder Bedarfsanalyse noch nicht. Wir müssen dieses Angebot stärker bewerben. Durch den Luftreinhalteplan wird großer Druck auf die Stadtlinie ausgeübt werden. Unser Konzept stammt aus dem Jahr 2012, der Vertrag mit dem Busunternehmen läuft bis 2020. Für den Luftreinhalteplan müssen wir alternative Konzepte nachweisen. Dabei wird neben dem ÖPNV auch Elektromobilität eine wichtige Rolle spielen.

Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.

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