Limburg. Aus ganz Deutschland waren sie gekommen: Die Cäcilia ist zufrieden mit der Resonanz auf das erste Männerchorfestival in Deutschland – und mit der Arbeit der ehrenamtlichen Helfer ...

Bild: Harmonie-Vorsitzender Karl-Heinz Dernbach (2. von links) freute sich über den Sonderpreis. Ihm gratulierten Schirmherr Dr. Marius Hahn, Cäcilia-Vorsitzender Hans-Joachim Schupp und Künstlerischer Leiter Matthias Schmidt (von links) - Bild: ROBIN KLÖPPEL
Männerchorfestival
Von ROBIN KLÖPPEL
Der Cäcilia-Vorstand sei nach dem Deutschen Chorwettbewerb vor zwei Jahren zu dem Entschluss gekommen, das erste reine Männerchorfestival in ganz Deutschland auf die Beine zu stellen, sagte Cäcilia-Geschäftsführer Frank Speth. Viele der besten deutschen Chöre seien in Hessen beheimatet, und „wir fanden es schade, dass diese Chöre bisher Wege bis nach England in Kauf nehmen mussten, um an einem Männerchorfestival teilzunehmen“.
30 Chöre mit rund 1000 Sängern waren beim 1. Limburger Männerchorfestival am Wochenende in Limburg zu Gast. Alles habe dank der 80 ehrenamtlichen Helfer reibungslos geklappt, lobte Frank Speth. Die Anspannung an den Tagen davor sei aber trotz akribischer Vorbereitung groß gewesen. „Wir wollen natürlich bei den Gastchören einen guten Eindruck hinterlassen“, sagte Speth. Da biete die Limburger Josef-Kohlmaier-Halle ein gutes Ambiente. Hier sei auch mehr Platz als in Festzelten in Lindenholzhausen. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Sänger nach ihren Wettbewerbs-Auftritten noch einen Altstadtbummel machen oder ins Café gehen könnten.
Und das Festival kam gut an: Zu den Abendkonzerten kamen am Wochenende bis zu 800 Besucher in die Kohlmaier-Halle. Klar, dass für 2019 eine Fortsetzung geplant ist!
Wie Thomas Ewert vom Organisationsteam weiß, veranstaltete die Cäcilia schon in den 1920er Jahren ihr erstes Sängerfest. Der Verein sei also sehr erfahren in der Organisation solcher Treffen. Doch auch für den Lindenholzhausener Traditionsverein wird es immer schwerer, genügend Helfer zu finden. In der Kernstadt sei es aber möglich, auch mit weniger Ehrenamtlichen auszukommen. Denn dort müsse sich die Cäcilia nicht auch noch selbst um die Bewirtung kümmern. Zudem falle der Zeltaufbau und -abbau weg.
Ewert ist mit der Resonanz der Chören ebenfalls sehr zufrieden. Auch aus Bayern und Baden-Württemberg seien Chöre gekommen, ebenso aus dem Sauerland und dem Siegerland. Schließlich kenne der musikalische Leiter der Cäcilia, Matthias Schmidt, in der Szene „Gott und die Welt“, sagte Ewert. Die Organisatoren hätten sich zwar gefreut, wenn noch mehr ausländische Chöre angetreten wären, doch interessierte Formationen aus Spanien und Japan hätten schließlich abgesagt. So war der älteste Wiener Chor, der 1843 gegründete Wiener Männer-Gesangverein, der einzige ausländische Gast. Dessen Managerin Nora Piper sagte, der Auftritt in Limburg sei das erste Mal seit Jahren, dass ihr Chor wieder an einem Wettbewerb teilnehme. Die Einladung sei per E-Mail gekommen. Da die Qualität der hessischen Chöre auch in Österreich bekannt sei, hätten sich ihre Sänger gerne dem Wettstreit gestellt. Chorleiter Antal Bárnas schaute verblüfft, als er hörte, dass das Einsingen gestern in der früheren Schwimmhalle der Dernbacher Schwestern in der Limburger Marienschule stattfinden sollte. In der Schule gab es vier Räume zum Einsingen, damit jeder Chor eine halbe Stunde Zeit hatte, sich durch Atemübungen und ein letztes Proben der je vier Stücke auf den Wettkampf vorzubereiten.
Nicht alle nutzten das Angebot, da viele der Chöre aus dem Umland waren und sich vor der Abfahrt noch im Heimatort vorbereiteten. Ortsfremde wurden von Helfern von der Schule die wenigen hundert Meter zur Kohlmaier-Halle hinüber geführt. In der Halle gab es einen Infodesk, an dem die Sänger Fragen jeglicher Art stellen konnten. Da ging es nicht nur um Details zum Wettbewerb, sondern auch um Restaurant-Tipps, denn vom Aufritt bis zur Preisverleihung hatten einige Chöre ja mehrere Stunden zu überbrücken. Viele Sänger blieben aber auch im großen Saal der Halle, um zu hören, was die Mitbewerber zu bieten hatten.
Die Jury bestand aus vier erfahrenen Chorleitern, die sich später auf die Platzierungen einigen mussten, um die Wertung so objektiv wie möglich zu machen. Das Team der Cäcilia hatte wirklich an jedes Detail gedacht. Die Chöre konnten sich als Erinnerung im Stadthallen-Foyer fotografieren lassen. Das Tonstudio Schmidt aus Mainz war mit einer professionellen Aufnahmeanlage dabei. So konnte jeder Sänger schon zehn Minuten nach seinem Auftritt einen Mitschnitt seines Festivalbeitrags erhalten. Angelika Schmidt berichtete, einige Chöre würden auch Aufnahmen der Konkurrenz mitnehmen, um sich gezielter weiterentwickeln zu können. Seppl Friedrich vom Cäcilia-Team war erstaunt, dass Besucher aus 150 Kilometern Entfernung als Zuhörer zum Festival kamen.
Viele Übernachtungsmöglichkeiten mussten die Cäcilia-Ehrenamtler nicht organisieren, da die meisten Chöre am Abend nach der Siegerehrung noch den Heimweg antraten. Wer Zeit hatte, konnte gestern Abend nach dem Preisträgerkonzert noch auf einer Leinwand das deutsche EM-Spiel gegen die Ukraine schauen.

Bild: Bestens versorgt: Die Cäcilia-Helfer empfingen die Teilnehmer des Männerchorfestivals vor der Marienschule, um ihnen zu zeigen, wo sie sich Einsingen können - Bild: ROBIN KLÖPPEL
Bild: Hörerlebnis: Die Sänger konnten Mitschnitte ihrer Auftritte mit nach Hause nehmen - Bild: ROBIN KLÖPPEL

Bild: Die Jury: Interessiert und genau lauschten die Juroren den Vorträgen der Chöre - Bild: ROBIN KLÖPPEL
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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