Limburg-Lindenholzhausen. Die 1985 gegründete US-Band „Guns N’Roses“ ist wieder in aller Munde. Nach einer langen Pause treten die berühmten Rockmusiker wieder live auf, und ihr Sänger Axl Rose wird demnächst für AC/DC singen. Andreas „Waxl“ Rompel geht dagegen nicht fremd. Der Lindenholzhäuser singt für „Skullsnroses“ die Songs seiner Lieblingsband ...

Bild: Rockende Familienväter: (von links) Heiko Botsch, Andreas Rompel, Johannes Selbach, Dick van Dahl, Daniel Gerlach und Jörg Ortseifen spielen als „Skullsnroses“ die Musik von „Guns N’Roses“ - Foto: Klöppel Robin
Cover-Band in Limburg-Lindenholzhausen
Von ROBIN KLÖPPEL
„Waxl“ stellte sich vor den Spiegel. Ein wenig skeptisch sah er aus, aber dennoch fest entschlossen. Er nahm all seinen Mut zusammen. „Sweet child o’mine, oh, oh, oh, oh“, sang er. Und immer lauter werdend: „Sweet love of mine, oh, oh, oh, oh“.
Das klang noch lange nicht wie Axl Rose von der US-Band „Guns N’Roses“, aber doch irgendwie ausbaufähig. „Nicht aufgeben“, dachte er sich. Jeden Abend ging er wieder in den Keller, um seine Lippen zur Musik von „Guns N’Roses“ zu bewegen und sich langsam dem Original anzunähern.
Irgendwann wusste er, dass er mehr in sich hatte, als täglich seine Familie mit seinem Tick zu nerven. „Ich suche mir eine Band“, entschloss sich der heute 32-jährige Andreas Rompel, der einen Agrarhandel in Lindenholzhausen betreibt.
„Besonderer Hardrock“
1987 war er Fan der Band „Guns N’Roses“ geworden, weil die Musik so ganz anders war als sein ländliches Umfeld. „Besonderer Hardrock, den konnte man nie so richtig einordnen“, sagt er.
Immer wenn die Band in Deutschland oder dem benachbarten Ausland spielte, war Rompel dabei. Sänger Axl Rose empfand er als coolen Typen. Auf Zoff, Alkohol und harte Drogen konnte Andreas verzichten. Aber sonst würde er gerne ein bisschen in Roses Fußstapfen treten: Singen, spielen, zumindest in überschaubarem Rahmen ein bewunderter Künstler sein. Andreas Rompel, der Mann den seine Kumpels „Waxl“ rufen, wollte es zumindest versuchen.
Da stand sie nun, seine Anzeige in der Zeitung: „Sänger sucht Band für Guns N’Roses-Spaß-Tributeband“.
Zwei Gitarristen meldeten sich. Die Chemie stimmte, und die neuen Kollegen kannten Leute, die auch Musik machen konnten. Alle identifizierten sich mit den Megahits der US-amerikanischen Rockgiganten. Ende Oktober 2014 spielten die „Skullsnroses“ in Limburg in der „Rockarena“ vor 200 Zuhörern endlich ihren ersten Gig.
„Doch wir waren damals noch nicht so weit“, sagt Andreas selbstkritisch. Nach dem für Musiker und Fans wenig erbaulichen Debüt gab es eine Krisensitzung. Sogar die Bandauflösung stand im Raum. Nach stundenlangen Diskussionen entschieden die sechs Familienväter: „Wir machen weiter.“
Andreas besuchte nach zehn Jahren Heimgesang Workshops, um ein besserer Sänger zu werden. „Viele sagen heute, ich komme stimmlich Axl Rose sehr nah“, sagt er bei einem Treffen in Staudt, wo die Band immer probt. Hier kommt er in einem leerstehenden Lager eines Textilhandels mit Heiko Botsch, Johannes Selbach, dem Niederländer Dick van Dahl, Daniel Gerlach und Jörg Ortseifen jeden Freitagabend zusammen. Mehr Proben gehen nicht: Jeder hat seinen Beruf und Familie.
Weil sie mit Musik nicht Geld verdienen wollen, sondern sie nur aus Spaß betreiben, sollen es auch künftig nicht mehr als zwölf Auftritte im Jahr werden. Die Chemie der Musiker, überwiegend aus dem Raum Montabaur, aber auch aus Neuwied, stimmt. „Wir sind eigentlich immer auf einer Wellenlänge. Nur keinen Stress“, erzählt Rompel.
Fans können abstimmen
Das heißt aber nicht, dass die Jungs von „Skullsnroses“ nicht den Ehrgeiz hätten, ihre Auftritte so gut wie möglich zu absolvieren. Als einzige „Guns N’Roses“-Tributeband Deutschlands wollen sie die gerade in den USA ihr Comeback feiernden Originale würdig vertreten. Sie wollen gar nicht in den Profibereich rutschen, sondern weiter ihr normales Leben führen und nur hin und wieder mal in die tiefe Welt des Musikbiz abtauchen.
Das machen sie gut, denn nach ihren Live-Auftritten kommen laut ihrem Frontmann immer viele neue Anfragen. So können sie im Sommer auf einem Festival in Luxemburg mit „Elysian Gates“, einer dort prominenten Band, auftreten. Jetzt gilt es aber erst einmal, das Finale des Cover-Band-Wettbewerbs von „Rockland“ zu erreichen. 72 Bands aller möglichen Stilrichtungen haben sich beworben. Nur noch bis diese Woche Donnerstag läuft das Online-Voting. Jeder kann dort kostenlos seine Stimme abgeben. Andreas Rompel hofft natürlich auf die tatkräftige Unterstützung vieler seiner Bekannten aus der Region. Denn nur die acht führenden Bands dürfen am 26. Mai beim Finale von „Keno rockt“ im Koblenzer Café Hahn auftreten. Dass Ziel ist für die „Skullsnroses“ realistisch. Derzeit fehlen nur 0,1 Stimmenprozente. Rücken sie noch leicht vor, dürfen sie vor einer prominent besetzten Jury und vollem Haus vier Songs ihrer Wahl vortragen. Den vier besten Bands winkt ein Vertrag für ein großes Stadtfest in Rheinland-Pfalz. Für die heimischen Musiker würde bei einer Niederlage nicht die Welt untergehen. Sich im Café Hahn zu präsentieren und dort das Bestmögliche herauszuholen, das wollen sie dann aber doch. Also wird geprobt und geprobt.
„Jetzt wird es laut“, warnt Andreas Selbach, der sich bei der Band um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Die Musiker schnallen sich die Instrumente um, geben den Takt vor. Lächelnd steht der Sänger da und schnappt sich das Mikro. Wild und entschlossen tanzt „Waxl“ durch den dunklen Raum. Einfach schön. „Sweet love of mine, oh, oh, oh, oh“.
Wer die Band beim Wettbewerb „Keno rockt“ unterstützen will, kann hier noch schnell heute oder morgen online abstimmen www.rockland.de/voting. Weitere Infos zur Band und den Auftrittsterminen auf www.skullsnroses.de.
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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