Region. Mit der B 8 und den Städten und Orten entlang dieser Straße meint es der neue Entwurf des Bundesverkehrswegeplans, der gestern in Berlin vorgestellt wurde, gut. Mit Lindenholzhausen, Brechen und Bad Camberg sind drei Umgehungen im „Vordringlichen Bedarf“ vorgesehen. Hinzu kommt im Verlauf der B 54 noch die Umfahrung Flacht/Niederneisen. Das war’s dann aber auch ...

Bild: Ein häufiges Bild entlang der B 8: Stehende Autos. In Bad Camberg ein nahezu tägliches Erlebnis. Abhilfe soll eine Umgehung schaffen, die sich von Erbach bis nach Würges erstreckt.
Entwurf des Verkehrswegeplans
Der Entwurf des Bundesverkehrswegeplans bewertet den Ausbau der Umgehungen entlang der B 8 als ein Gesamtprojekt (Kosten von rund 74 Millionen Euro schlagen aktuell zu Buche), das sich in die Einzelabschnitte Brechen, Bad Camberg und Lindenholzhausen aufteilt. Die B 8-Umgehungen von Lindenholzhausen und Bad Camberg stehen schon im sogenannten „Vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans. In der Kurstadt gab es durchaus die Befürchtung, zurückgestuft zu werden. Diese Befürchtung hat sich nicht bewahrheitet. Die Umgehung zwischen Erbach und Würges ist weiter im „Vordringlichen Bedarf“, ebenso die Umgehung von Lindenholzhausen und selbst Brechen ist mit berücksichtigt. Im „Vordringlichen Bedarf“ findet sich auch die Ortsumgehung von Flacht und Niederneisen im Verlauf der B 54, ebenso die Ortsumfahrungen von Rennerod und Waldmühlen.
Allerdings hat der Entwurf des Bundesverkehrswegeplans, der nun noch öffentlich diskutiert werden und schließlich die Straßenbauprojekte des Bundes bis zum Jahr 2030 benennen soll, auch einige negative Überraschungen parat. Danach wird die Umgehung von Elz im Verlauf der B 8 zurückgestuft. Bisher wird das Projekt im „Vordringlichen Bedarf“ geführt, künftig nur noch im „Weiteren Bedarf“, das ist die niedrigste Dringlichkeitsstufe.
Abgestufte Südumgehung
Die Südumgehung Limburg wird mit dem neuen Bundesverkehrswegeplan in noch weitere Ferne rücken. Bisher wurde sie im „Weiteren Bedarf“ mit Planungsrecht geführt. Ziel der Mehrheit in der Limburger Stadtpolitik war es, sie in den „Vordringlichen Bedarf“ zu bekommen, damit es auch eine Realisierungschance gibt. Das Gegenteil ist eingetreten. Die Südumgehung wird nicht aufsteigen und nur noch im „Weiteren Bedarf“ geführt – ohne Planungsrecht.
„Da gibt es reichlich Gesprächsbedarf“, verdeutlicht Limburgs Bürgermeister Dr. Marius Hahn. Ohne Südumgehung werde es zu keiner spürbaren Entlastung der Innenstadt kommen. Das habe er erst vor Kurzem noch einmal gegenüber Hessen Mobil verdeutlicht. Und wenn Limburg die Vorgaben aus dem Luftreinhalteplan erfüllen soll, dann gehe das nicht ohne eine Südumgehung. Gespräche soll es daher auch mit den Bundestagsabgeordneten aus der Region geben, schließlich habe die Stadt auch schon viel eigenes Geld in die Hand genommen, um einer Realisierung der Südumgehung näher zu kommen. Wenig nachvollziehbar ist für Hahn die Abstufung der Südumgehung auch mit Blick auf die Aufnahme der Ortsumfahrung Flacht/Niederneisen in den „Vordringlichen Bedarf“.
Die Aufnahme des B 8-Strangs zusammen mit Lindenholzhausen ist nach seiner Einschätzung ein guter Anfang, um zu einer Lösung zu kommen. Um die Gesamtbelastung in der Stadt zu senken, wäre eine Querverbindung der Umgehung nach Linter noch hinzubekommen.
Änderung noch möglich
„Kämpfen lohnt sich“, macht der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch (CDU) deutlich. Er räumt ein, dass der vorgelegte Entwurf für die Region „Licht und Schatten“ enthalte. Aber Projekte, die es bisher noch nicht in den „Vordringlichen Bedarf“ geschafft haben, sollten keineswegs aufgegeben werden. Das habe sich beim Bundesverkehrswegeplan 2003 und auch beim Investitionsprogramm 2011 gezeigt. Der Abgeordnete wies in seiner Stellungnahme ausdrücklich auf die über sechs Wochen laufende Öffentlichkeitsbeteiligung hin, die am 21. März startet. Dort sind schriftliche Stellungnahmen möglich oder auch per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (weitere Informationen unter www.bmvi.de).
Viel Geduld ist auch bei allen Umgehungen entlang der B 54 notwendig. Ob Ortsumfahrung in Langendernbach oder Straßenpläne für Oberzeuzheim und Elbtal, sie werden alle nur im „Weiteren Bedarf“ geführt. Es wird sich somit in absehbarer Zeit nichts tun. Das trifft auch auf den Ausbau der A 3 zu. Das Land Hessen hatte den achtspurigen Ausbau zwischen dem Wiesbadener Kreuz und der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz auf der Vorschlagsliste, doch im Bundesverkehrswegeplan findet sich das Vorhaben auch nur im „Weiteren Bedarf“. In diesem Status befindet sich auch die Ortsumfahrung von Diez/B 417.
Baurecht beantragt
Vorgesehen ist auf jeden Fall der letzte Abschnitt des vierspurigen Ausbaus der B 49 im Landkreis, dabei geht es um das Teilstück von Löhnberg bis zum Kloster Altenberg. Damit wäre der vierspurige Ausbau der B 49 zwischen Limburg und Wetzlar dann abgeschlossen.
Die Niederbrechener Umgehungsstraße ist im Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt – allerdings noch als „ohne Planungsbeginn“ gekennzeichnet. Wesentlich weiter sind die Bad Camberger, die sich natürlich freuen, mit ihrer Umgehungsstraße weiterhin im vordringlichen Bedarf ausgewiesen zu werden. Das bedeutet, dass dieses Projekt nach 50 Jahren endlich umgesetzt werden kann. Hier geht es um eine Strecke von etwa sieben Kilometern, die Kosten sind mit rund 36 Millionen Euro veranschlagt. Für die Bad Camberger B 8-Umgehung ist die Planfeststellung, also das Baurecht, beantragt.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Rabanus bezeichnete die Vorhaben entlang der B 8 gestern als wesentlich für die Region. Er werde auch im Folgenden am Ball bleiben. Der Bad Camberger Bürgermeister Wolfgang Erk (SPD) zeigte sich zufrieden und optimistisch, dass es nun weiter vorangehen werde. Erk: „Auch die Bürgermeister-Kollegen der benachbarten Kommunen haben dieses Anliegen unterstützt – was die übergreifende Bedeutung zeigt. Dies ganz abgesehen von den Bürgern, die sich teilweise seit Jahrzehnten für die Umgehungsstraße stark machen.“ Wie schnell auf der B 8 „alles dicht“ ist, zeigt sich, sobald es einen Unfall auf der parallel verlaufenden A 3 gibt. Dann staut sich der Verkehr bis Limburg.
„Weiterer Bedarf“
Ziel in Elz war es, das übrig gebliebene Stückchen Umgehung ebenfalls im „Vordringlichen Bedarf“ zu behalten. Vom Land war es auch entsprechend gemeldet worden. Doch im neuen Plan gibt es nur noch eine Eingruppierung im „Weiteren Bedarf“ und damit in der niedrigsten Priorität. Gegenüber dem aktuellen Plan musste das Vorhaben deutlich verändert werden. Da eine große Umgehungslösung nicht weiter verfolgt werden kann, da sie auch Limburger Gemarkung mit einbezieht und die Nachbarstadt dazu kein Einverständnis gibt, geht es nun nur noch um eine kleine Lösung: Eine Entlastungsspange zwischen der B 8 (Höhe Flugplatz) zu der von Niederhadamar kommenden Landesstraße.
In Limburg hatte die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung am 17. Dezember 2012 eine Wende bei der Südumgehung vollzogen und war auf eine Straßenführung auf der so genannten Alttrasse umgeschwenkt. Zuvor galt über mehrere Jahre eine Umfahrung von Blumenrod als wahrscheinlich. Allerdings waren die Kosten für diese Trassenführung auf über 100 Millionen Euro geklettert. Nicht zuletzt um die Chancen auf eine Aufnahme im „Vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans zu erreichen, votierten CDU und SPD für eine Lösung auf der Alttrasse. Dort, so die Einschätzung, würden die Kosten niedriger ausfallen. jl/pp
Bild: Straßenbauprojekte haben nicht nur Befürworter, sondern oft auch Gegner – wie zum Beispiel die Limburger Südumgehung.
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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