Limburg-Lindenholzhausen. Mehr Barrierefreiheit – auch in den Köpfen – forderten die Teilnehmer der Kreisdelegiertenkonferenz des Sozialverbandes VdK in Lindenholzhausen ein ...

Bild: Anschaulich erläuterte der VdK-Landesvorsitzende Winfried Seif die steigende Bedeutung der Barrierefreiheit für die Gesellschaft.
VdK hat im Kreis 6262 Mitglieder
„VdK – kümmern, die sich nicht vor allem um Alte?“ Das fragen sich viele. Keineswegs, lautet die Antwort. Der VdK Hessen-Thüringen hat bereits seit 2014 auf allen Ebenen, vom Land bis hinab in die Kreisverbände, Juniorenbeauftragte. „Es gibt kein Mindestalter für die Mitgliedschaft“, erklärte der Limburger Kreisvorsitzende Jürgen Schenk in der Kreiskonferenz in Lindenholzhausen. Die Versammlung stand unter dem VdK-Motto 2016 „Weg mit den Barrieren!“
„Die Forderung bezieht sich nicht nur auf bauliche, sondern auch gesellschaftliche Verhältnisse“, betonte Schenk. Inklusion und die Unterstützung von Kindern mit Behinderung sind daher ebenfalls wichtige Felder des VdK-Engagements.
Ein Einsatz, der von der Bevölkerung immer mehr honoriert wird: So hatte der Kreisverband Limburg im Jahr 2009 noch 4424 Mitglieder – inzwischen sind es 6262. Das geht Hand in Hand mit einem gesteigerten Beratungsbedarf: „Inzwischen sind wir 19 Stunden in der Woche für unsere Mitglieder geöffnet“, erläuterte Schenk. Deshalb habe sich die Kreisgeschäftsstelle auch weiter personell verstärkt.
Lob von Hahn und Michel
Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) und Landrat Manfred Michel (CDU) lobten in ihren Grußworten Arbeit und Ziele des Sozialverbandes. Er selbst habe im vergangenen Jahr ja selbst im Rollstuhl Innen- und Altstadt erkundet und dabei gemerkt, wie viele Barrieren es dort noch gebe, sagte Hahn. Der von Stadt inzwischen eingerichtete Behindertenbeirat habe daher noch viel zu tun.
Auch der Landkreis unterstütze aktiv die Anliegen des VdK, machte Michel deutlich. So beherberge das Landratsamt unter anderem den Pfegestützpunkt und verfüge über einen Integrationsbeirat. Die Zeichen der Zeit seien erkannt worden. „Wir sitzen alle in einem Boot“, sagte Michel.
Wie groß im Land noch der Bedarf an mehr Barrierefreiheit ist, erklärte der VdK-Landes- und stellvertretende Bundesvorsitzende Karl-Winfried Seif: 2015 gab es in Hessen 610 000 schwerbehinderte Menschen. Bundesweit lebten mehr als zehn Millionen mit einer amtlich anerkannten Behinderung. Gleichzeitig steige die durchschnittliche Lebenserwartung der Deutschen dank des medizinischen Fortschritts und eines gesünderen Lebensstils stetig an. Zusammen mit dem demographischen Wandel bedeute das: „2060 könnte fast jeder dritte Deutsche über 65 Jahre alt sein“, umriss Seif die künftige Herausforderung.
Derzeit sei die Infrastruktur nicht darauf eingerichtet, so müssten zum Beispiel noch in 75 Prozent aller Seniorenhaushalte Treppenstufen beim Zugang des Hauses überwunden werden. In der Hälfte der Wohnungen gebe es dann noch einmal zusätzliche Stufen. 20 Prozent der Seniorenhaushalte lägen außerdem zu weit weg, um von ihnen aus Arztpraxen, Lebensmittelgeschäfte und Haltestellen fußläufig erreichen zu können. Dabei sei Barrierefreiheit ein von der UN eingefordertes Menschenrecht.
In Wohnungen viel zu tun
Ziel der aktuellen VdK-Kampagne sei daher eine weitere Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der politischen Entscheidungsträger. Neben breitangelegten Informationskampagnen setze sich der Sozialverband daher für die Förderung des barrierefreien Wohnungsbaus bei Neu- und Bestandsbauten sowie einer entsprechenden Ausstattung von Arbeitsplätzen ein.
Die Bezirksvertreterin der Junioren Corina Gondrom warb dafür, dass noch mehr interessierte Mitglieder die Weiterbildung zu Juniorenbeauftragten an der Ehrenamtsakademie nutzten. Im Limburger Kreisvorstand wurden die Interessen der Junioren lange von dem inzwischen erkrankten Mitglied Bernhard Meyer vertreten. Die Aufgabe hat seine Stellvertreterin und Beisitzerin im Vorstand Kerstin Viehmann übernommen. (koe)
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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