Limburg-Lindenholzhausen. Wenn es in der Region ein Thema gibt, das die Menschen fast jeden Tag beschäftigt, dann ist es der Verkehr. Sei es als von Lärm und Abgasen geplagte Anwohner oder als von Staus, Baustellen und zu vielen (roten) Ampeln genervte Autofahrer. Als Ideallösung gelten Umgehungsstraßen, die sich auch viele Menschen in Limburg- Lindenholzhausen wünschen. Das große Problem: Es dauert viel zu lange, bis eine solche Umgehung gebaut wird. Der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel weiß auch warum ...

Bild: Mitten im Feierabendverkehr schaute sich der hessische SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel (rechts neben der Fußgängerampel), Ehrengast beim gestrigen Jahresempfang der Limburger SPD, die Blechkarawane an, die sich jeden Tag auf der B 8 durch Lindenholzhausen quält - Foto: Dickmann Stefan
B-8-Umgehung in Lindenholzhausen
Es war kalt, und es war laut. Trotzdem hatte sich eine rund 25-köpfige Gruppe vor der Gaststätte „Gemütlich Eck“ in Lindenholzhausen versammelt, um dem SPD-Landesvorsitzenden Thorsten-Schäfer Gümbel gestern Abend zu zeigen, wie ungemütlich es mitten in Lindenholzhausen an der B 8 ist, wo sich jede Stunde 1000 Fahrzeuge durch den Limburger Stadtteil quälen.
Den Bau einer B-8-Umgehung in Lindenholzhausen fordern deshalb nicht nur die Limburger Sozialdemokraten. Auch CDU, FDP und die nicht mehr zur Wahl antretenden Freien Wähler seien dafür, sagte der Limburger SPD-Vorsitzende Peter Rompf bei einem Wahlkampftermin seiner Partei, zu der auch zahlreiche CDU-Mitglieder erschienen waren, darunter Ortsvorsteherin Barbara Bäcker (CDU).
Es sei schon merkwürdig, klärte Rompf seinen Landesvorsitzenden auf, der zugleich Fraktionschef der SPD im Landtag ist: Die B-8-Umgehung befinde sich im vordringlichen Bedarf und gelte als die Umgehung mit den „wenigsten Widerständen“, aber Hessen Mobil unternehme nichts, um die Planungen voranzutreiben. Deshalb finanziere die Stadt Limburg auch 150 000 Euro an Planungskosten vor, damit in Lindenholzhausen endlich was passiert. „Was planen die bei Hessen Mobil überhaupt?“, fragte Rompf den Gast aus Wiesbaden. Die Stadt versuche schon seit Jahren, etwas zu erreichen. Leider vergeblich.
„Hessen Mobil ist nicht das Problem“, sagte Thorsten Schäfer-Gümbel. Es sei vielmehr die schwarz-grüne Landesregierung, die dafür gesorgt habe, dass in der Straßenverkehrsbehörde hessenweit 300 Stellen abgebaut worden seien. „Und deshalb ist es ein enormes Problem, Planungsprojekte umzusetzen.“ Schwarz-Grün in Wiesbaden setze beim Verkehr vor allem auf die Sanierung bestehender Straßen statt auf den Straßenneubau. „Durch dieses Rost scheint mir im Moment auch die B-8-Umgehung zu fallen.“
Große Überzeugungsarbeit mussten an der viel befahrenen Kreuzung Frankfurter Straße (B 8), Wendelinusstraße weder Bürgermeister Dr. Marius Hahn, der heimische Bundestagsabgeordnete Martin Rabanus, der Landtagsabgeordnete Tobias Eckert, der Vorsitzende der Kreistagsfraktion, Dr. Frank Schmidt, (alle SPD) noch die Vorsitzende der Bürgerinitiative für die B-8-Umgehung, Marion Zacherl, leisten. „Das braucht man sich nur zwei Minuten anzusehen, um zu wissen, was hier los ist“, sagte Schäfer-Gümbel angesichts der Automassen.
„Man muss die Landesregierung unter Druck setzen“, sagte der Oppositionsführer im Landtag. Er versprach, die SPD-Fraktion werde den zuständigen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) anschreiben. „Das ist ein unstrittiges Projekt“, sagte Schäfer-Gümbel. Dass die Stadt die Planungskosten für eine Lindenholzhäuser B-8-Umgehung vorfinanziere, sei zwar „ein schönes Symbol, aber nicht das Problem“.
So richtig überzeugt schien Schäfer-Gümbel aber auch nicht von den Erfolgsaussichten eines Briefs an den Minister zu sein. Denn er riet den Lindenholzhäusern, eine Petition einzureichen. Und damit diese auch ihre Wirkung entfalte, komme es auf den „richtigen Berichterstatter“ an. Der Oppositionsführer deutete an, diesen zu kennen und dafür zu sorgen, dass dieser die Petition bearbeite.
Die Verkehrsprobleme in Limburg waren auch Thema der Rede, die der Limburger SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Rompf gestern Abend beim Jahresempfang seiner Partei in der „Rockarena“ hielt. Er forderte darin ein Gesamtverkehrskonzept für die Stadt, Umgehungsstraßen wie die Südumgehung und die B-8-Umgehung, eine attraktivere Stadtlinie und ein Lkw-Durchfahrtsverbot durch Limburg, um die schlechte Luftqualität zu verbessern. Das Motto der SPD laute „Gemeinsam Limburg gestalten“, unter anderem durch ein Bürgerbüro im Rathaus und mehr Informationen und Mitsprache der Bürger. dick
Allein die Planung wird zwei bis vier Jahre in Anspruch nehmen
150 000 Euro sind im Haushalt der Stadt Limburg an Planungskosten für die B 8-Umgehung in Lindenholzhausen vorgesehen. Nach Angaben von Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) gibt es inzwischen einen Termin mit Vertretern von Hessen Mobil, um das Anliegen der Stadt vorzutragen und die vertraglichen Modalitäten zu besprechen. Ausgangspunkt für die Mitteilung war eine Anfrage von Peter Licht (CDU). Die B 8-Umgehung befindet sich bereits im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans, der in diesem Jahr fortgeschrieben wird. Viel passiert ist während der Laufzeit des aktuellen Bundesverkehrswegeplans mit der Umgehung jedoch nicht. Wie Hahn weiter mitteilte, gibt es noch kein Zeitfenster für eine Planung. Die Planung selbst werde einen Zeitraum zwischen zwei und vier Jahren in Anspruch nehmen.
Die Arbeiten am neuen Bundesverkehrswegeplan befinden sich nach Angaben des Ministeriums in der Endphase, er soll bis Mitte März 2016 vorgelegt werden. Ziel ist es, ein realistisches und finanzierbares Gesamtkonzept für die künftige Infrastruktur aufzustellen. Dabei verfolgt das Ministerium eine neue Konzeption, wobei die Auswahl der Projekte und die Festlegung der Reihenfolge ihrer Realisierung im Vordergrund stehen. Ein Schwerpunkt ist es, die Qualität und Substanz der Bestands durch Erhaltung zu sichern. Bei Neu- und Ausbau stehen vor allem gesamtwirtschaftlich positive Investitionen im Vordergrund, die in besonderem Maße zur Beseitigung von Engpässen oder der besseren Erschließung des Hinterlandes von Häfen und Flugdrehkreuzen beitragen. Zur Aufnahme in den vordringlichen Bedarf des neuen Plans hat Hessen auch die Südumgehung Limburg angemeldet. jl
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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