Limburg-Lindenholzhausen. Keine Martinsgans, sondern orientalische Speisen gab es beim neu ins Leben gerufenen Martinsessen des bischöflichen Ordinariats in Lindenholzhausen ...

Bild: Rund 40 in Lindenholzhausen untergebrachte Flüchtlinge und Ehrenamtliche, die sich um sie kümmern, kamen beim Martinsessen im Pfarrzentrum St. Jakobus ins Gespräch - Foto: Johannes Koenig
Martinsessen
Teigtaschen gefüllt mit Reis, Erbsen und Kalbfleisch, das ist das syrische Nationalgericht „Uzi“. Dieses und andere Köstlichkeiten gab es am Mittwochabend beim Martinsessen im Pfarrzentrum Sankt Jakobus in Lindenholzhausen. Eingeladen hatte das Bischöfliche Ordinariat, gekommen waren rund 40 in Lindenholzhausen untergebrachte Flüchtlinge und Ehrenamtliche, die sich in ihrer Freizeit um sie kümmern.
Selbst Gastgeber sein
„Das Essen war einmal eine von Altbischof Franz Kamphaus ins Leben gerufene Tradition, die ein bisschen eingeschlafen war“, erklärte Organisatorin Annegret Huchler den Hintergrund. Als „Willkommenskultur“-Beauftragte des Bistums entwickelte sie zusammen mit dem ständigen Vertreter des apostolischen Administrators, Domkapitular Wolfgang Rösch, die Idee, diese Tradition im gesamten Bistum wieder aufleben zu lassen und das Essen zusammen mit Flüchtlingen abzuhalten. Für einige sei das auch eine Gelegenheit nicht nur über, sondern mit den betroffenen Menschen zu reden. „Los ging es gestern im Bezirk Main-Taunus, da war es ein klassisches Martinsessen mit Gans. Anderswo soll es im Rahmen eines Nachmittagskaffees stattfinden.“
Weder „klassisch“ noch mit Kaffee und Kuchen, sondern orientalisch gestaltete sich die gemeinsame Mahlzeit in Lindenholzhausen. Gekocht hatten die Flüchtlingsfamilien. Sichtlich stolz stellte eines der Kinder Teller mit selbst gemachtem Nachtisch auf die verschiedenen Tische. „Für die Familien ist das die Gelegenheit, auch mal selbst in die Rolle des Gastgebers zu schlüpfen und etwas an die Helfer zurückzugeben“, erzählten die Beteiligten.
Große Dankbarkeit
Unter den anwesenden Helfern war auch Ortsvorsteherin Barbara Becker (CDU), sie unterrichtet Interessierten Deutsch. „Der harte Kern der Hollesser Ehrenamtlichen liegt bei rund einem Dutzend“, erzählte sie. Schnell ins Schwärmen kam die Ortsvorsteherin über die Herzlichkeit und Dankbarkeit der Flüchtlinge. Eine Erfahrung an die auch Pfarrer Rösch in seiner kleinen Eröffnungsrede anknüpfte: „Der Heilige Martin fand Jesus im geteilten Mantel“, und so gehe es prinzipiell jedem, der selbst caritativ tätig werde. Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Armenfürsorge seien ebenfalls zentrale Werte des Islams und bildeten somit eine Brücke zwischen praktisch allen Weltreligionen, sagte Rösch mit Blick auf die Religionszugehörigkeit der meisten Anwesenden.
Unter ihnen war an dem Abend eine sechsköpfige syrische Familie. Die beiden Eltern mit vier Kindern wurden inzwischen als Flüchtlinge anerkannt, wohnen aber noch in der Unterkunft. „Wir suchen dringend eine geeignete Wohnung für sie und sind für Angebote dankbar“, sagte Becker.
Die Kinder gehen in Lindenholzhausen in die Schule und die Familie wolle im Ort bleiben und sich integrieren, betonte die Ortsvorsteherin. Auch Mietzahlungen seien sicher und würden vom Sozialamt übernommen.
Locker und entspannt gestalteten sich die Tischgespräche in einer Mischung aus Deutsch und Englisch über Alltagserlebnisse.
Ob es im nächsten Jahr wieder ein Martinsessen in dieser Form geben wird, konnte Annegret Huchler noch nicht bestätigen. „Es hängt von den Begleitumständen ab“, sagte sie; es sei ja noch nicht klar, wie in einem Jahr die Verhältnisse vor Ort sind. (koe)
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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