Limburg-Lindenholzhausen. Vier Tage lang haben 6000 Sänger, Musiker und Tänzer in mehr als 200 Chören und Folkloregruppen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt miteinander gesungen, getanzt, sich im musikalischen Wettstreit miteinander gemessen und zusammen gefeiert ...
Bild: Zum Abschluss des Harmonie-Festivals erstrahlte eine Weltkugel auf dem Fahnenhügel - Foto: Andreas Müller
Harmonie-Festival in Lindenholzhausen
Von ANDREAS MÜLLER
Das Harmonie-Festival in Lindenholzhausen war ein Fest der Superlative. Mit dem Preisträgerkonzert ist das Festival am Sonntagabend zu Ende gegangen. Die Ensembles und Chöre mit den Höchstwertungen haben sich dabei von einem total begeisterten Publikum verabschiedet.
Das große Zelt war mit etwa 2000 Besuchern ausverkauft. Manche harrten noch geduldig vor dem Tickethäuschen aus in der Hoffnung, dass jemand seine vorbestellten Karten nicht abholt. Zum letzten Mal rief die Festival-Fanfare dazu auf, Platz zu nehmen. Dann trat der sympathische Moderator Jeroen Schrijner mit den Worten auf die Bühne: „Wir haben hier eine tolle Zeit erlebt und sind nun etwas traurig, dass es heute Abend zu Ende geht“.
Zunächst überbrachten die „United Nation Singers“ singend eine Friedensbotschaft des UNO-Generalsekretärs António Guterres. „Frieden ist nicht selbstverständlich, deshalb müssen wir ihn hoch schätzen und fördern“, hieß es darin. Den bunten Reigen der Preisträger eröffnete der junge Frauenchor „Singsations Westerwald“ , dessen Chorleiterin Jessica Burggraf beispielgebend dafür steht, dass Musik der Völkerverständigung dient. 2005 war sie als junge Musikstudentin mit den „Cardinal Singers“ aus den USA beim Harmonie-Festival dabei, verliebte sich in einen Sänger aus Staudt und lebt seitdem hier. Zwölf Jahre später hat sie ihren „Singsations“ zur Höchstnote in deren Kategorie verholfen.
Die ursprüngliche Sprache
Über den nächsten Preisträger hat sich der Schirmherr des Festivals, Ministerpräsident Volker Bouffier, besonders gefreut, kommt er doch aus dessen Heimatstadt Gießen: „Cantamus Gießen“ hat beim nationalen Wettbewerb für gemischte Chöre die Konkurrenz hinter sich gelassen. Der Hessische Kultusminister Alexander Lorz überreichte einen Sonderpreis an das Ensemble aus Gießen.
Bild: 64 Sonderpreise wurden verteilt. Im Bild von links: Karl-Heinz Dernbach (Vorsitzender Harmonie), Alexey Shamritskii (Youth Chamber Choir „Sophia“ Kiew), Kent Hatteberg (University of Louisville Cardinal Singers), Kultusminister Alexander Lorz und Axel Pfeiffer („Cantamus Gießen“) - Foto: Andreas Müller
Je einen weiteren Sonderpreis des Hessischen Ministerpräsidenten überreichte Lorz an den „Youth Chamber Choir Sophia Kiew“ aus der Ukraine und die „University of Louisville Cardinal Singers“ aus den USA.
Lorz bezeichnete den Gesang als ursprünglichste aller Sprachen. Das Harmonie-Festival liefere einen wichtigen Beitrag zu Frieden und Völkerverständigung, lobte er die Organisatoren, denen er am liebsten auch einen Preis verleihen würde.
Stimmgewaltig überzeugte ein weiterer deutscher Chor, der gemischte Kammerchor „CONSONO Köln“. In Schwarzwälder Trachten sang danach die „Christophorus Kantorei Altensteig“ mit ihren jugendlichen Stimmen ein Volkslieder-Quodlibet, um dann mit viel Temperament „Als wir jüngst in Regensburg waren“ darzubieten.
Asiatisches Flair
Für asiatisches Flair sorgte in bunten Kostümen das „Manila Vocal Ensemble“. Einen schönen, satten Männerchorklang bot der „Academic Male Chorus PSALDO Helsinki“ aus Finnland. Dass Musik bei einem Wettbewerb auch lustig sein kann, bewiesen „Coro Intermezzo San Jose“ aus Costa Rica. Der ganze Chor war beim Singen in Bewegung und ein Sänger rannte mit wildem Affengeschrei hin und her und sprang sogar von der Bühne ins Publikum.
Acht ehemalige Sänger des „Windsbacher Knabenchores“ bilden „Sonat vox“. Mit wunderbaren Stimmen und sehr fein abgestuft bot das kleine Ensemble deutsche Männerchorliteratur wie „Abschied“ von Friedrich Silcher mit Gänsehautfaktor.
Perfekter Showtanz
Eine perfekte Showtanz-Choreografie zu ihrem Gesang legten die „Palawan State University Singers“ von den Philippinen hin. Swingender Jazz war vom „Vokalensemble Quintense“ aus Leipzig zu hören. Zwei Frauen und drei Männer zauberten hier mit ihren Stimmen etwa mit „I get a kick out of you“ und boten dazu auch Mouth-Percussion.
Das tobende Publikum forderte die erste Zugabe des Abends. Andachtsvoll, fast meditativ, dann aber auch wieder experimentell ging es weiter mit dem „Youth Chamber Choir Sophia Kiew“ aus der Ukraine. Das Ende des Abends war zwei Studentenchören aus den USA vorbehalten. Mit unglaublicher Dynamik und sehr rhythmisch präsentierte zunächst der „Mansfield University Concert Choir“ das Spiritual „Set down servant“. Mit einem unglaublichen decrescendo und einem folgenden, sich ins Fortissimo steigernden crescendo sorgten sie für Begeisterungsstürme beim Publikum.
Und auch die „University of Louisville Cardinal Singers“ ließen es ordentlich krachen. Nach einer begeisternden Version von „Joshua fit the battle of Jericho“ bekamen sie stehende Ovationen. Die lautstark geforderte Zugabe sangen dann beide Studentenchöre gemeinsam. Zum letzten Mal sangen 2000 Menschen im Zelt zusammen die Harmonie-Festival-Hymne und gingen in der Hoffnung nach Hause, dass es auch 2023 wieder ein Harmonie-Festival geben wird.
Bild: Coro Intermezzo San Jose (Costa Rica) - Foto: Andreas Müller
[Hier] findet man einen weiteren Artikel mit vielen Quellen für Bilder, Berichte und Videos vom Festival.
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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