Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.Limburg. Das Limburger Schöffengericht hat einen Autodieb aus Litauen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der 21-jährige Student wollte sich angeblich 400 Euro verdienen mit einer Überführungsfahrt eines 120 000 Euro teuren Wagens von Limburg nach Tschechien. Doch bereits hinter Frankfurt klickten vor vier Monaten die Handschellen ...

Diebstahl mit Knopfdruck: Dieses moderne System erspart Autodieben das Brecheisen. Sie fangen die Funksignale ab - Foto: Narong Jongsirikul
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Diebstahl mit Knopfdruck: Dieses moderne System erspart Autodieben das Brecheisen. Sie fangen die Funksignale ab - Foto: Narong Jongsirikul

Vom Nachtclub in Vilnius ins Limburger Schöffengericht

Das Schöffengericht Limburg beleuchtete am Dienstag die Geschichte eines Autodiebstahls. Sie begann in einem Nachtlokal in Vilnius, der Hauptstadt Litauens, 1250 Kilometer Luftlinie entfernt von Limburg.

Dort hatten der 21-jährige Student der litauischen Literatur und ein unbekannter Mittäter den „gemeinschaftlichen Diebstahl“ geplant. Vor Gericht berichtete der 21-Jährige gestern, übersetzt von einem Dolmetscher: „Ich traf den Mann in einem Nachtlokal. Wir kamen wegen Autos ins Gespräch und er fragte, ob ich für ihn ein Auto von Deutschland nach Tschechien überführen könne.“ Da ihm 400 Euro für die Überführung versprochen worden sei, habe er zugesagt.

Wenige Tage später, am 25. September vergangenen Jahres, habe er von seinem Auftraggeber ein Flugticket (für 183 Euro) bekommen und er sei mit dem Flugzeug über Kopenhagen nach Frankfurt gereist.

Per Mobiltelefon kam es am Flughafen zum Kontakt zwischen dem Unbekannten und dem Angeklagten. Beide fuhren mit einem Auto am Spätabend nach Limburg und hielten nach Worten des Angeklagten in einem Baustellengebiet an. Der Auftragnehmer verließ das Auto und kam wenige Minuten später mit dem zu überführenden Auto zum Angeklagten zurück.

Der Angeklagte übernahm die Limousine, bekam von dem Fremden 200 Euro für Benzin und erhielt angeblich den Auftrag, in der Nähe von Mörfelden-Walldorf in einem Waldstück zu halten. Dort sollte er im Auto übernachten und auf weitere Weisungen warten. Den Lohn sollte er bei Übergabe des Mercedes in der Tschechei erhalten.

Statt jedoch gleich auf die Autobahn abzubiegen, düste er durch Elz – und zwar zu schnell. Um 3.50 Uhr machte der Starenkasten auf der B 8 ein Foto von dem „Kurier“. Die Überführungsfahrt dauerte nicht lang: Kurz hinter Frankfurt machte er eine Pause, und dort nahm ihn die Polizei fest.

Direkt vor der Haustür

Das Opfer der Straftat, ein Limburger Unternehmer, bekam das Auto mit dem Neuwert von rund 120 000 Euro zurück, musste jedoch 3500 Euro für Reparaturen bezahlen. Kreditkarten, 200 Euro Bargeld und andere Papiere waren nicht mehr auffindbar. Sein Wagen hatte direkt vor seiner Haustür in Offheim geparkt, als er verschwand.

Vorsitzende Bettina Kilian sprach in ihrer Urteilsbegründung von vielen, kleinen Ungereimtheiten bei der Darstellung der Tat durch den Angeklagten. Warum die Täter getrennt geflogen seien, sei nicht nachvollziehbar. Zudem habe der Angeklagte in Deutschland mehrfach per Handy mit anderen Personen, deren Identität unbekannt blieb, Kontakt aufgenommen. Die Tatsache, dass im Auto lediglich DNA-Spuren vom Angeklagten und vom Bestohlenen sichergestellt worden seien, spreche auch dafür, dass der Angeklagte das Auto selbst gestohlen habe. „Ich bin mir sicher, dass die Tat mit Bandenkriminalität zu tun hat und sich im Bereich der organisierten Kriminalität bewegt“, so die Richterin.

Vorbestraft in Litauen

Strafverschärfend für das Strafmaß sei die Tatsache, dass der Angeklagte in Litauen drei Mal vorbestraft ist und als Bewährungsversager zu gelten hat. Zudem sei der angestrebte Schaden sehr hoch gewesen.

Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte dem Opfer der Tat 1200 Euro bezahlen. Das Gericht folgte dem Antrag von Staatsanwältin Michele Krämer. Verteidiger Stefan Reusch hielt eine Bewährungsstrafe von maximal eineinhalb Jahren für angemessen, zumal sein Mandant bereits vier Monate Untersuchungshaft verbüßt habe. So oder so: Nach der Verhandlung war er frei.

Tipps: Zur Not Alu-Folie

Diebe moderner Luxus-Autos brauchen kein Brecheisen mehr und auch nicht unters Armaturenbrett greifen, um den Wagen „kurzzuschließen“. Sie kommen mit Smartphone und Laptop.

High-Tech-Autoknacker machen sich den Komfort der Luxus-Karossen zunutze, die sich automatisch öffnen, wenn ihr Fahrer in die Nähe kommt – dank des Schlüsselsenders in der Tasche. Technisch versierte Diebe können den gesendeten Code abfangen, speichern und dann den Wagen auch nach dem Prinzip „Sesam öffne dich“ nutzen.

Nach Erfahrungen der Polizei arbeiteten manche Täter mit „Funkwellenverlängerern“. Diese Geräte bestehen aus zwei Teilen, dem „Car-Scanner“ und dem „Key-Scanner“. Während der Carscanner nahe an der Antenne, zumeist in Fahrertürnähe, platziert wird, muss der Keyscanner in der Nähe des Fahrzeugschlüssels sein. Nach der Signalübertragung wird der Carscanner in den Pkw gelegt und dieser kann gestartet werden.

Wie kann man sich vor dieser Art von Pkw-Diebstahl schützen? Polizeioberkommissarin Claudia Schäfer-Simrock von der Pressestelle der Polizei in Wiesbaden gibt Tipps:

  • Parkplatz: Wählen Sie den Abstellplatz Ihres Pkw sorgfältig aus. Nutzen Sie Ihre Garage (Abschließen nicht vergessen!) bzw. Parkplätze/-häuser mit Videoüberwachung.
  • Personen: Vorsicht bei Personen, die sich beim Ausstieg in unmittelbarer Nähe befinden, z. B. bei für Sie reservierten (Firmen-)Parkplätzen.
  • Verdächtigte Gegenstände: Achten Sie auf Auffälligkeiten in Türschlossnähe (Fahrerseite), z.B. kleine Kästchen am Türschloss, Aktenkoffer, Rucksäcke
  • Schüsselablage: Autoschlüssel sollten nicht nicht in der Nähe von Eingangstüren und Fenstern abgelegt werden, um die „Abstrahlungssicherheit“ zu gewährleisten. Es empfiehlt sich zu Hause ein Schlüsseltresor aus Metall. Ebenso kann ein Schlüsselmäppchen mit spezieller Sicherheitsfolie, zum Beispiel „Cryptally-Folie“, Verwendung finden. Nicht formschön, aber billig ist eine weitere Option: Das Einwickeln in Alu-Folie. cris

Das Geschäft mit den gestohlenen Luxus-Karossen

Immer wieder verschwinden Luxusautos. Eine Rückblende ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

  • 25. Mai 2016: Um 3.20 Uhr wird in Usingen ein 160 000 Euro teurer BMW gestohlen. Was die Autodiebe nicht wissen: Der Wagen besitzt ein Ortungssystem. Um 3.57 Uhr endet die Verfolgungsjagd auf der A 3 bei Limburg. Die Polizei verhaftet den Mann am Steuer: Einen 22-jährigen Wohnsitzlosen aus dem Baltikum.
  • 11. Oktober 2016: Das Landgericht Detmold verurteilt das Mitglied einer Autoschieber-Bande zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Der Litauer soll mit anderen Männern unter anderem in Bad Camberg und Bad Vilbel hochwertige Pkw gestohlen haben: Sie griffen die Funksignale der schlüssellosen Schließsysteme ab. Der Gesamtwert der überwiegend spurlos verschwundenen Oberklasse-Fahrzeuge liegt bei fast 1,3 Millionen Euro. Der Angeklagte gibt nach und nach sechs Taten zu. Auch in diesem Fall gibt es ein Foto vom Dieb, geschossen von einer Radarfalle. Der Täter soll nach Verbüßung der sogenannten Halbstrafe nach Litauen abgeschoben werden – wo die deutsche Justiz keine weitere Strafvollstreckung fordern wird.
  • 26. Oktober: In der Nacht fällt Autodieben in Offheim ein hochwertiger SUV im Wert von mehreren Zehntausend Euro in die Hände. Wie die Polizei mitteilte, hatte der Geschädigte seinen schwarzen Mercedes GL am Dienstag gegen 22 Uhr am Staffeler Weg abgestellt.
  • Zwischen 24. Januar und 2. Februar verschwinden im Landkreis Limburg-Weilburg insgesamt acht teure Fahrzeuge. Nur eines wird später an der A 3 entdeckt – ohne Fahrer.
  • 24. Januar: Autodiebe klauen in der Nacht im Rohrweg in Limburg einen blauen Fahrschul-Audi vom Typ Q5. Schaden: 17 000 Euro.
  • 27. Januar, zwischen 6 und 6.30 Uhr: In Beselich-Heckholzhausen, am Lindenweg, verschwindet ein direkt vor der Garageneinfahrt geparkter weißer BMW 330d x-Drive.
  • 27./28. Januar, Lindenholzhausen: Unbekannte Täter entwenden in der Nacht einen schwarzen BMW Modell M 5, Baujahr 2014, der am Wohnhaus am Grundweg im Carport parkte.
  • 1. Februar: In der Nacht auf den 1. Februar verschwinden in Bad Camberg drei teure BMW im Gesamtwert von 150 000 Euro: Ein schwarzer 740d x-Drive „Am Walberstück“, ein schwarzer 520d „Am Mittelpfad“ und ein weißer 530d an der Freiherr-vom-Stein-Straße.
  • 2. Februar: In der Nacht zum Donnerstag schlagen Diebe „Im Weizenschlag“ in Niederbrechen zu. Zwischen Mitternacht und 8.57 Uhr fahren sie mit einen graumetallic-farbenen BMW 535xd Kombi im Wert von 50 000 Euro davon. cris

Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.

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