Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.Limburg. Zum siebten Mal lud der Männerkammerchor Cantabile Limburg am vergangenen Samstag zur Chornacht ein und erwies sich als ausgezeichneter Gastgeber: An vier Spielstätten erlebten die Zuschauer insgesamt acht Ensembles und vier Stunden lang hinreißenden Gesang ...

Mit einem Wasserglas-Glockenspiel unterlegten die Sänger von Cantabile ein Werk des lettischen Komponisten Erik Esenvalds bei ihrem Auftritt im Dom - Foto: Bohnhorst-Vollmer Anken
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Mit einem Wasserglas-Glockenspiel unterlegten die Sänger von Cantabile ein Werk des lettischen Komponisten Erik Esenvalds bei ihrem Auftritt im Dom - Foto: Bohnhorst-Vollmer Anken

Von ANKEN BOHNHORST-VOLLMER

Da hatten sich die Sängerinnen der Sensations Wallmerod bei der Auswahl ihres Begrüßungsliedes gewaltig geirrt. „Girls just want to have fun“, der Cyndi-Lauper-Hit aus den 1980er Jahren, stimmte für diesen Abend auf keinen Fall. Denn auch Männer wollten diesmal jedenfalls nur das eine: Spaß haben an guter Musik. Die gab es rund vier Stunden lang an vier Orten in der Altstadt. Acht sehr verschiedene Ensembles schufen musikalische Oasen, in denen der Klang des Alltags vom Zauber des Gesangs ausgeblendet wurde. Zwischen Bischöflichem Ordinariat, Dom, Museumshof und Walderdorffer Hof flanierten die zahlreich erschienenen Gäste oder ließen sich vor einer der Bühnen nieder.

Etwa im lauschigen Hof an der Pfarrgasse, in dem in der Abenddämmerung nach den souveränen und sehr sympathischen Sängerinnen aus Wallmerod (Leitung: Jessica Burggraf) das Ensemble Amaryllis auftrat. Dass die fünf Mitglieder dieses musikalischen Kleinods, Dorothee Laux (Sopran, Flöte), Nadja Jamiro (Mezzosopran), Ulrike Jordan (Oboe, Flöte, Akkordeon, Alt), Martin Reuß (Gitarre) und Joey Becker (Bass) ein breit gefächtertes Repertoire haben, ist seit Jahren bekannt und doch bei jedem Konzert ein besonderes Erlebnis. Ihre Arrangements waren überraschend und originell: Bei einem italienischen Liebeslied schmolz das Quintett geradezu dahin, unterhielt gleich darauf vergnüglich mit einem französischen Chanson und bot schließlich eine traumhafte Version von Coldplays „Viva la Vida“, es lebe das Leben.

Ebenso lebhaft waren die Sänger von You’N’joy, einem Mitglied der Cäcilia-Chorfamilie aus Lindenholzhausen, das im Museumshof sang. Dirigent Matthias Schmidt hatte hier einen bemerkenswert ausgewogenen Klangkörper mit offenbar unendlichem Potential sowie eine erstklassige Rhythmusgruppe (Marcus Gemeinder: Klavier; Silas Jakob: Schlagzeug; Tim Steiner: Bass) zur Verfügung. Denn diesem Ensemble gelang es, überstrapazierten Titeln wie John Miles „Music“ oder „Bohemian Rhapsody“ von Queen mit einfühlsamen Interpretationen neuen Glanz zu verleihen. Mitreißend war auch das sommerliche „Mas que nada“, mit dem der Chor vor der Pforte des Diözesanmuseums zum Samba einlud. Und tatsächlich waren im Hof dort, wo trotz der vielen Zuhörer noch ein wenig Platz war, ein paar Tanzschritte zu sehen. Längst hatte die Musik die Menschen erfasst und begeistert – auch jenes Trio von You’N’joy-Sängern, das nach seinem Auftritt versonnen an der Hofmauer lehnte und eine dreistimmige Version des Beach-Boys-Hits „Barbara Ann“ anstimmte.

Einen Kontrapunkt zu dem eher unkonventionellen Auftritt der Lindenholzhäuser Sänger bereiteten die von Mario Siry geleiteten Männer vom Liederkranz Berod. „Von Wäldern, Meeren und Dornenbüschen“ hieß deren Programm, das an diesem Abend traditionelle Chorwerke umfasste. Es ist ein stattliches Ensemble, das aus der Westerwald-Gemeinde angereist war und etwa mit Friedrich August Kerns „Abendlied“ für kräftige, romantische Klänge sorgte, die bei genauem Hinhören bis zum Bischöflichen Ordinariat hätten wehen können. Dort hatten sich indes der Kammerchor Rheinland Pfalz unter der Leitung von Frank Schaab und der von Dion Ritten dirigierte Kammerkoor aus dem niederländischen Limburg formiert. Internationale Chormusik verbindet, lautete deren in Musik gegossenes Fazit, das ebenfalls mit viel Applaus bedacht wurde.

Und weil eine Limburger Chornacht ohne Musik im Dom nicht vorstellbar wäre, waren selbstverständlich auch in der Kathedralkirche des Bistums Glanzlichter zu hören und zu erleben. Unter dem Titel „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ präsentierten sich der Limburger Domchor und seine Leiterin Judith Kunz mit spirituellen, stillen Werken. Und das in dieser Chornacht gastgebende Ensemble Cantabile beeindruckte einmal mehr durch seine Vielseitigkeit und Virtuosität. Zum Beispiel mit der Komposition „Stars“ des aus Lettland stammenden Musikers Erik Esenvalds, die die Sänger mit einer auf Wassergläsern gespielten Glockenspielmelodie unterlegten. Ebenso bewegend geriet ihnen Alwin Schronens Vertonung des Rilke-Gedichts „O gäb’s doch Sterne, die nicht bleichen“. – Fest steht, der Stern der Chormusik wird nach dieser Nacht noch lange nicht bleichen.

Im lauschigen Ambiente des Walderdorffer Hofs in der Limburger Altstadt sang das Ensemble Amaryllis - Foto: Bohnhorst-Vollmer Anken
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Im lauschigen Ambiente des Walderdorffer Hofs in der Limburger Altstadt sang das Ensemble Amaryllis - Foto: Bohnhorst-Vollmer Anken

Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.

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