Limburg. Im Bauausschuss drehte sich alles um die Frage: Kreisverkehr oder noch eine Ampel auf der Frankfurter Straße, um das Neubaugebiet „Pallottiner Klostergärten“ anzubinden? Die Politiker verschoben eine Antwort auf die Zeit nach einem Ortstermin ...
Um den neuen Bebauungsplan für die „Pallottiner Klostergärten“ aufstellen zu können, müssen auch Ideen für den Verkehrsfluss her. Planungsbüro und Hessen Mobil stellten im Bau-Ausschuss Zahlen und Vorschläge vor.
Neues Leben soll in den Klostergärten entstehen: Seniorenheim, Ärztehaus, Wohnungen und Rewe-Markt. Darüber gibt es unter den Kommunalpolitikern keinen Dissens. Doch wo mehr Menschen leben oder arbeiten, rollt auch mehr Verkehr. Das neue Baugebiet würde für 2710 tägliche Fahrten mehr sorgen, die sich in die Frankfurter Straße einfädeln sollen. Das haben die Verkehrsexperten berechnet. Und sie sagen: Die Ampelkreuzungen der Frankfurter Straße zur Dresdner Straße und zur Wiesbadener Straße seien im Prinzip bereits heute zu 85 Prozent ausgelastet.
Insbesondere die SPD sieht Rot beim Gedanken an eine neue Ampel auf der B 8, um die Zu- und Abfahrt in die „Pallottiner Klostergärten“ zu ermöglichen.
B 8 am Limit
Dass die B 8 bereits jetzt am Limit, ist, zeigen auch die Simulationsmodelle. Vertreter des Planungsbüros und von Hessen Mobil ließen kleine blaue Pkw und schwarze Lkw über die Leinwand krabbeln – mal ampelgeregelt, mal durch einen neuen Kreisverkehr. Das Ergebnis: Ein Kreisverkehr würde mit Abstand die meiste Zeit kosten – weil er die Hauptverkehrsachse ausbremst. Nur der Verkehr aus den Klostergärten, der nur einen Bruchteil so groß ist, würde schneller abfließen als mit einer Ampellösung.
Gerhard Voss (SPD) monierte, dass der Verkehr bis Lindenholzhausen acht Ampeln passiert. „Die Leute sind mehr als angespannt.“ In einem Kreisverkehr habe man, wie der Ausschussvorsitzende Paul-Josef Hagen (SPD) meinte, wenigstens das Gefühl, „dass es weitergeht.“ Aus dem Ausschuss klang deutlich Unverständnis, warum sich Hessen Mobil so gegen Kreisverkehre wende. Das wollte der Vertreter von Hessen Mobil so aber nicht stehenlassen. Nur an Kreuzungen mit einer Fahrtrichtung, die deutlich mehr Verkehr aufnehme, seien Kreisverkehre nicht sinnvoll.
Klaus Rohletter von der Baugesellschaft Noll erklärte, warum sein Unternehmen auf die Anbindung an der Frankfurter Straße setzt. Eine Querspange zur Wiesbadener Straße bringe Querverkehr, eine Kreuzung an der Dresdner Straße könne den Verkehr nicht bewältigen. Die gesellschaftliche Akzeptanz des neuen Gebietes hänge wesentlich von der Anbindung ab, mahnte Christopher Diez (CDU) zu genauen Abwägungen. cris
Rompf kämpft für Kreisverkehr
Das eigentliche Bauprojekt auf dem Gelände der Pallottiner – direkt neben der B 8 sollen Wohnhäuser, Büros und ein Supermarkt entstehen – ist nicht umstritten. Das Hauptproblem aus Sicht der meisten Stadtverordneten ist die geplante Anbindung an die B 8. Hessen Mobil favorisiert eine Ampel, die meisten Stadtverordneten wollen aber einen Kreisverkehr.
Sollte auf der B 8 zwischen der Pallottinerkirche und der Jugendherberge eine weitere Ampel gebaut werden müssen, um ein geplantes Baugebiet auf dem Pallottiner-Gelände an die Bundesstraße anzuschließen, ist die SPD wild entschlossen, das gesamte Projekt platzen zu lassen. Das erklärte der Fraktionsvorsitzende Peter Rompf im Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Verkehr. Seine Fraktion habe „erhebliche Vorbehalte gegen eine Ampel“, sagte er. Doch leider sehe es derzeit so aus, als ob dort eine Ampel gebaut werden solle, weil dies von Hessen Mobil favorisiert werde. Seine Fraktion sei aber nur bereit, das Bauprojekt auf dem Pallottiner-Gelände zu unterstützen, wenn ein Kreisverkehr eingerichtet werde.
Gestern Abend tagte der Bauausschuss ebenfalls zu diesem Thema. Dort sollte den Stadtverordneten eine Simulation der Verkehrsflüsse gezeigt werden – bei einem Kreisverkehr und einer Ampel. Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) ließ aber schon am Mittwochabend durchblicken, dass nach dieser Simulation eine Ampel offenbar die bessere Variante sei. Ein Kreisverkehr an dieser Stelle sei leider „eine Schwachstelle“.
Aber Rompf will – auch im Namen seiner Fraktion – hart bleiben: keine Ampel! Das hat etwas damit zu tun, dass auf der Strecke bis Lindenholzhausen in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Ampeln gebaut wurden. Wer aus dem Schiede-Tunnel Richtung Niederbrechen fährt, muss schon jetzt bis Lindenholzhausen sechs Ampeln passieren.
Auch Manuel Barfuss (CDU) und Marion Schardt-Sauer (FDP) sprachen sich im Ausschuss für einen Kreisverkehr aus. Der Ausschuss änderte zwar den Gesamtflächennutzungsplan für das Pallottiner-Gelände einstimmig, aber bis zur Genehmigung eines Bebauungsplans soll die Anbindung an die B 8 ergebnisoffen bleiben – damit dort doch ein Kreisverkehr gebaut werden kann. dick
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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