Limburg. An 364 Tagen im Jahr führt der Regionale Verkehrsdienst Limburg-Weilburg unangekündigte Geschwindigkeitskontrollen durch. Der Blitzer-Marathon gestern war bekannt. Gerast wurde trotzdem ...

Bild: Sechs bis acht Raser pro Stunde, das ist der Durchschnitt, sagen Andreas Ring (links) und Rainer Becker vom Regionalen Verkehrsdienst Limburg-Weilburg.
Verkehrsdienst Limburg-Weilburg
Von ANKEN BOHNHORST-VOLLMER
Mit einer im Fahrzeug eingebauten Messanlage und dem portablen Gerät war der Verkehrsdienst der Limburger Polizei gestern, am Tag des „Blitzermarathons“, unterwegs.
„Dummheit muss bestraft werden. Keine Frage!“ Der sportliche Mann in Jeans und Freizeithemd sieht seinen Fehler ein, noch ehe er aus dem Auto gestiegen ist: 86 km/h ist er auf einer Strecke gefahren, auf der höchstens 70 erlaubt sind. Er ist in eine Tempokontrolle des Regionalen Verkehrsdienstes Limburg-Weilburg geraten. Etwa drei Stunden steht Rainer Becker mit seinen Kollegen Andreas Ring und Jürgen Frink an der Verbindungsstraße zwischen Lindenholzhausen und der B417, um Raser anzuhalten. Der Rekord auf dieser Strecke liegt bei etwas über 90 km/h.
Es ist Blitzmarathon in ganz Europa. Die Polizisten haben ein mobiles Lasermessgerät samt Stativ dabei. Bei jedem Auto, das aus Richtung Linter angesaust kommt, wird das Tempo gemessen. Geschwindigkeiten bis maximal 250 Stundenkilometer erfasst das Gerät präzise, danach wird es ungenau, teilt Andreas Ring mit und demonstriert die Funktionsweise. Er peilt das Kennzeichen an, dann erfolgt die Messung. Das Ergebnis leuchtet auf dem Bildschirm und und einem externen Display auf. Damit werde das Vier-Augen-Prinzip gewahrt, erläutert der Beamte. Der Fahrer darf selbst einen Blick auf die erfasste Anzeige werfen.
Liegt der Messwert acht Stundenkilometer über dem Limit, „dann machen wir noch nichts“, sagt Becker. Denn „drei Stundenkilometer sind im Toleranzbereich und werden abgezogen“, und eine Geschwindigkeitsüberschreitung von fünf Stundenkilometern werde ohnehin nicht verfolgt. Mit anderen Worten: „Die ersten acht km/h zu schnell sind kostenlos.“
Die Frau hatte ihn gewarnt
Die 86, mit denen der sportliche Herr hergebraust ist, kosten dagegen. Die Toleranz abgezogen, bleiben immer noch 13 km/h zu viel, rechnet Jürgen Frink vor. Außerhalb geschlossener Ortschaften kostet das 20 Euro. Der Mann zahlt bereitwillig. Seine Frau habe ihn noch auf den Blitzer-Tag hingewiesen, sagt er. Aber: Die Straße sei so schön trocken und frei gewesen, und er komme gerade von einem Metzger, der das beste Geflügelfleisch in der ganzen Region anbiete, weshalb er in ausgezeichneter Stimmung nach Lindenholzhausen gefahren sei. Natürlich sind das alles keine Ausreden, betont er, und der Polizist brauche sich gar keine Mühe zu machen, ihn zu belehren. „Ich gebe alles zu. Die Verwarnung muss sein.“
Polizist Becker erklärt trotzdem, warum man gerade hier kontrolliere. „Dies ist eine Unfallhäufungsstelle“, sagt er. Mindestens fünf Unfälle im Jahr werden auf der Strecke mit der langgezogenen gefährlichen S-Kurve registriert. Gerade am vergangenen Wochenende sei wieder ein Auto aus dieser Kurve geflogen. In den vergangenen drei Jahren gab es hier mehrere Tote, sagt er und winkt einen weiteren Fahrer auf den Parkplatz. Ärgert er sich über das Bußgeld? Nein, das gehe in Ordnung, und nein, an den angekündigten Blitzer-Marathon habe er nicht gedacht. Er sei vor sich hin gefahren. Bargeld habe er leider gerade nicht dabei. Er bekommt Post von der Bußgeldstelle – ohne Aufpreis.
Wenn Maßnahmen wie Blitzer-Marathons oder regelmäßige unangekündigte Verkehrskontrollen die Unfallzahlen reduzieren, sei das ein schöner Erfolg, stellt Becker fest. Zudem fallen bei derartigen Kontrollen andere Verstöße auf: Da ist zum Beispiel der Mann, an dessen Fahrzeug ein rotes Überführungskennzeichen angebracht ist. Er möge bitte das dafür nötige rote Fahrzeugscheinheft vorlegen, fordert Frink ihn auf. Das habe er nicht dabei, muss der Fahrer einräumen. Auch dafür wird eine Verwarnung ausgesprochen und Bußgeld erhoben. Dann biegt der Transporter eines Gartenbauunternehmens auf den Parkplatz. Weder Fahrer noch Beifahrer sind angeschnallt. Die Ladung sei auch nicht richtig gesichert, stellt Becker fest. „Was meinen Sie, wo das alles hinfliegt, wenn Sie abrupt bremsen müssen?“
Gerast wird an diesem Vormittag weniger als an anderen Tagen. Sechs bis acht Tempolimit-Überschreitungen seien „normal“, sagt Andreas Ring. Mittags allerdings, wenn die Schüler von Blumenrod nach Hause fahren, dürfte es auch dort schneller zugehen. Nur, dann stehen Rainer Becker und sein Team bereits für ein paar Stunden am Weilburger Kreuz, einer weiteren „Unfallhäufungsstelle“.
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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