Villmar. Das Villmarer Pfarrarchiv ist um ein Kleinod reicher geworden. Auf der Suche nach Unterlagen zur Geschichte Villmars aus dem Mittelalter im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden ist jetzt ein Villmarer Zehntpachtbuch aus dem 15. Jahrhundert gefunden worden ...

Bild: Vorderseite des Zehntpachtbuches Villmars von 1473.
Von LYDIA AUMÜLLER
Es handelt sich um ein in Leder gebundenes Werk, auf dessen Vorderseite die Beschriftung erkennbar ist: „Villmarer Zehntpachtbuch 1473-1502-1679“. Im unteren Teil ist ein Nachtrag von zweiter Hand zu entnehmen: „Wiesbaden Nr. 164 Blatt 1-109 Nr. 175 Vv.“, der wahrscheinlich Anfang des 19. Jahrhunderts hinzugefügt wurde.
Das 543 Jahre alte Kleinod ist für die Geschichte Villmars und mehrerer Orte der Umgebung von außerordentlicher Bedeutung. Die Verwahrung dieser Aufzeichnungen im Wiesbadener Staatsarchiv war selbst den Wissenschaftlern Pater Petrus Becker (1914–2009) und Pater Johannes Hau (1899–1951) OSB, Trier, unbekannt. Im Villmarer Heimatbuch „Grundherrschaft/Vogtei/Pfarrei“ von 1936 hielt der Autor Hau in einer Fußnote fest: „Dieses [Pacht] Zehntbuch konnte ich nirgends finden.“ Nun, durch „Kommissar Zufall“ kam es 2016 in Wiesbaden ans Tageslicht.
Experten vermuten, dass das über Jahrhunderte von den Mönchen der Kellerei angefertigte Verzeichnis nach der Säkularisierung 1803 und der Auflösung des Klosterbesitzes in Villmar durch den Reichsdeputationshauptschluss als linksrheinische Entschädigung in den Besitz der Fürsten von Wied/Runkel kam. Auf 218 Seiten sind handgeschriebene Eintragungen in altdeutscher Schrift lesbar.
Sie enthalten den fälligen Zehnten von Villmar und den zugehörigen Kirchspielorten: Arfurt, Aumenau, Dodenhausen, Gladbach, Götzenboden, Grebeneck, Lindenholzhausen, Münster, Niederbrechen, Nikolausdernbach, Oberbrechen, Schadeck, Seelbach, Treisfurt, Velden und Weyer aus den Jahren 1473–1679.
Einige Namen von Einwohnern, die vor mehr als 550 Jahren hier ansässig waren, sind noch gut zu lesen. Für Familienforscher ist dieses alte Pachtzehntbuch deshalb eine ganz besondere Fundstelle, denn es gibt nur wenige Unterlagen, die in diese Zeit zurückreichen. Das Pfarramt Villmar, so Pfarrer Benner und Pfarrverwaltungsrat-Vorsitzender Wolfgang Friedrich, konnte jetzt vom Hessischen Hauptstaats-Archiv Wiesbaden eine Kopie des Buches durch einen Sponsor erwerben.
Über diese Bereicherung sind Archivar Michael Rosbach und sein Team besonders erfreut. Dr. Gunter Bleck, Villmar, der bereits das Villmarer Salbuch aus dem Jahr 1534 in einer wissenschaftlichen Edition lesbar machte, hat sich bereiterklärt, die Pacht- und Zehnt-Einträge unter die Lupe zu nehmen und den Inhalt übersichtlich aufzubereiten.
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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