Limburg. Geschockt und mit großer Trauer haben die Menschen in der Region gestern auf die überraschende Nachricht vom Tod von Klaus Knubben reagiert. Der langjährige Leiter der Domsingknaben starb im Alter von 68 Jahren ...

Bild: Klaus Knubben bei seinem letzten Auftritt im Dom. Mit Puccinis „Messa di Gloria“ verabschiedete er sich am 19. Juli 2015 nach 28 Jahren als Leiter der Domsingknaben in den Ruhestand - Foto: Sascha Braun
Leiter der Domsingknaben
Von JOACHIM HEIDERSDORF
„Vollendet ist das große Werk“! Mit diesem grandiosen Stück aus Haydns „Schöpfung“ verabschiedete sich Klaus Knubben im vergangenen Sommer vor 700 begeisterten Zuhörern im Dom von seinem segensreichen Dienst als Direktor der Domsingknaben. Alle wünschten dem vitalen Mann einen schönen Ruhestand, den er sich redlich verdient und aus Liebe zu seinem Chor zwei Mal verschoben hatte. Niemand ahnte, dass sein großes Lebenswerk nur acht Monate später vollendet sein würde.
Klaus Knubben starb gestern am frühen Morgen in seinem Haus in Niedertiefenbach an der Seite seiner Frau Angelika. Die Todesursache ist noch unklar; der 68-Jährige lag seit zehn Tagen mit Grippe im Bett.
Am vorletzten Freitag (4. März) hatte der leidenschaftliche Dirigent zum letzten Mal die Chorprobe des Kirchenchors St. Jakobus in Lindenholzhausen geleitet. Am nächsten Morgen wollte er in den Skiurlaub fahren. Knubben sagte die Reise kurzfristig ab, weil er stark erkältet war. Nun ist nicht nur die Skitour gestrichen. . .
Dabei hatte der lebensfrohe, vielseitig interessierte und begabte Ex-Domkantor noch so viel vor. Als Imker, Hühnerzüchter, Pferdefreund, Jäger, Falkner, Winzer, Rad- und Skifahrer steckte er bis zuletzt voller Tatendrang. Nur seine jüngste Idee, mit seinen Brüdern neben dem Weinberg im Rheingau auch noch eine Käserei in Tirol zu betreiben, konnte er nicht mehr umsetzen. Vorher ist dem Organisationsgenie fast alles gelungen. Er hatte auch alle Bootsführerscheine, eine Fluglizenz und eine Harley. Die Hobbys mit technischem Hintergrund gab der sympathische und allseits beliebte Schwabe mit 60 auf, lieber machte er vor drei Jahren noch den Kutscherführerschein. „Mein Herz schlägt nur noch für Natur und Tier“, sagte er mir.
Domsingknaben waren oft dabei, wenn Knubben in die Luft beziehungsweise auf die Jagd ging oder mit Warmblütern durch den Westerwald kutschierte. Wie ein (väterlicher) Freund spielte er mit den Buben Doppelkopf und Poker – und bei besonderen Anlässen machte er einen astreinen Kopfstand. Seine Menschlichkeit und sein pädagogisches Geschick sind wahrscheinlich die entscheidenden Erfolgsgeheimnisse der Domsingknaben, die der Direktor in 28 Jahren zu einem der besten Knabenchöre Deutschlands mit internationalem Renommee formte. Denn über herausragendes musikalisches Können, wie Knubben!, verfügen auch andere. Er schaffte es jedoch, die Jungen vielfältig zu „packen“ (unter anderem auch auf 40 Reisen in 26 Länder) und so eine außergewöhnliche Gemeinschaft zu prägen, die immer wieder zu Höchstleistungen fähig war. Klar, dass der Chor beim Requiem am Samstag um 10.15 Uhr im Dom singen wird.
Klaus Knubben hat freilich über die Kirche hinaus kulturelle Impulse gegeben und Akzente gesetzt. Aus seinem Wirken sind namhafte Solisten, an die 100 Dirigenten und fünf hervorragende Kammerchöre hervorgegangen. Als Vorsitzender des Fachbeirats der Musikstiftung der Kreissparkasse hat er viele Talente gefördert.
Es gäbe noch so viel zu loben und zu schreiben über diesen wunderbaren Menschen, doch zum Schluss sollen die drei Wörter reichen, mit denen Knubben am Ende seiner Abschiedsfeier von der Bühne ging: „Adé, isch over“ – lieber Klaus.
Wie ein Fingerzeig in den Himmel
Klaus Knubben habe als Domkantor und als Mensch Großes im Bistum geleistet, erklärte Domdekan Prälat Dr. Günther Geis. Musik sei seine Berufung gewesen: Musik zur Ehre Gottes und den Menschen zur Freude. „Mit seinem Tod haben wir eine Persönlichkeit verloren, die mit Leidenschaft, Überzeugung und Hingabe Generationen von jungen Sängern geprägt hat. Seine Musik in der Liturgie war vielen wie ein Fingerzeig in den Himmel“, sagte Geis. Mit hoher musikalischer Kompetenz, Fingerspitzengefühl, Geduld und großem persönlichen Einsatz habe es Knubben geschafft, den Chor zu leiten und die Freude an der Musik, an der Liturgie und am Glauben weiterzugeben. In seiner Dienstzeit gestaltete Knubben mit den Domsingknaben weit mehr als 2000 Auftritte.
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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