Limburg. Das Parkhaus im ICE-Gebiet ist nur für Pendler gedacht. Und am Wochenende? Wird es für Partys von Autofreunden offenbar zweckentfremdet. Sehr zum Leidwesen der Stadt. Die Polizei soll nun stärker eingebunden werden, bezweifelt aber, dafür der richtige Ansprechpartner zu sein ...

Bild: Tagsüber Stellplatz für Pendler, am Wochenende immer wieder Treffpunkt für junge Leute mit schnellen Autos: das ICE-Parkhaus - Foto: Laubach Johannes
Sorgenkind im ICE-Gebiet
Von STEFAN DICKMANN
Aufheulende Motoren, quietschende Reifen, quergestellte Fahrzeuge – wer am späten Freitagabend nicht in die Disco möchte, fährt ins ICE-Gebiet, steuert das Pendler-Parkhaus an und trifft viele junge Menschen, die sich an sich selbst und ihren Autos erfreuen. Die nächste Tankstelle ist nicht weit, das Angebot an Fastfood in unmittelbarer Nähe ist üppig.
Für Pendler, die eine Jahreskarte haben, ist dieses Erlebnis weniger vergnüglich, vor allem, wenn sie am späten Abend versuchen rauszufahren, während die „Party“ im ICE-Parkhaus noch in vollem Gange ist. Acht bis neun Mal habe er solche Situationen am Wochenende bereits erleben müssen, schilderte gestern ein Pendler der NNP. Ganze 15 Minuten hätten er und seine Lebensgefährtin am vergangenen Freitag gegen 23 Uhr gebraucht, um endlich aus dem Parkhaus herausfahren zu können, weil die Fahrwege mit Autos vollgestellt gewesen seien. Von „Sodom und Gomorra“ spricht der Mann.
Was hätte er in dieser Situation tun sollen? „Sofort die Polizei anrufen“, sagt der Erste Stadtrat Michael Stanke (CDU). Der Stadt sei das Problem bekannt, deshalb sei bereits ein privater Sicherheitsdienst engagiert und das Ordnungsamt angewiesen worden, immer wieder mal auch am späten Abend das Parkhaus zu kontrollieren. „Ständige“ Kontrollen seien leider nicht möglich. Die Stadt habe auch die Polizei gebeten, im ICE-Parkhaus häufiger zu kontrollieren. Das Parkhaus dürfe für Partys oder Autotreffen nicht zweckentfremdet werden. Das sei illegal, betont Stanke. Das Parkhaus sei Privatgelände.
Das Parkhaus hat eine freie Ein- und Ausfahrt; keine Schranke und kein Tor halten ungebetene Gäste auf. Und zwar aus praktischen Gründen. Am frühen Morgen und am Abend sollen die Pendler möglichst ohne lange Wartezeit ins Parkhaus rein- und rausfahren können. Da der erste Zug schon am frühen Morgen komme und der letzte gegen Mitternacht, lohnt aus Sicht der Stadt keine Schließung in der Nacht, sagt Stanke.
Um der Situation im ICE-Parkhaus Herr zu werden, will die Stadt noch im Laufe des Jahres eine Videoüberwachungsanlage im ICE-Parkhaus installieren. „Die Tiefbauarbeiten für das Kabel laufen bereits“, sagt Stanke. Das Geld für die Anlage sei von den Stadtverordneten bewilligt. Die veranschlagten Kosten (inklusive der aufwändigen Tiefbauarbeiten für das Kabel) betragen nach Stankes Angaben insgesamt 250 000 Euro. Die Stadt hofft auf eine Landesförderung in Höhe von rund 80 000 Euro.
Doch was passiert mit den Bildern? Wer schaut sie sich wann an? Und darf die Polizei das überhaupt? Diese Fragen sind noch nicht geklärt, werden aber nach Angaben von Limburgs Polizeichef Jürgen Begere derzeit rechtlich geprüft.
Das ICE-Parkhaus sei kein Kriminalitätsschwerpunkt, sagt er, anders als der Bahnhofsplatz, wo es bereits seit Jahren eine Videoanlage gibt. Im vergangenen Jahr habe es nur zwei Straftaten im Parkhaus gegeben: zwei Diebstähle. In diesem Jahr seien dort bislang zwei Sachbeschädigungen protokolliert.
Begere hält es deshalb für unwahrscheinlich, dass es 24 Stunden lang Live-Bilder von der Überwachungskamera im ICE-Bahnhof auf der Polizeistation gibt. Wahrscheinlicher sei, dass im Falle eines Notrufs oder des Verdachts einer Straftat die Polizei den Monitor einschaltet und schaut, was im Parkhaus los ist, und eine Streife losschickt. Aber auch nur dann.
„Party feiern ist nicht verboten“, sagt Polizeichef Begere. Das sei im ICE-Parkhaus zwar eine Ordnungswidrigkeit, aber eben keine Straftat und damit Sache der Stadt. Allerdings habe auch er kein Interesse daran, dass das ICE-Gebiet und das Parkhaus eine Partymeile werden. Die Stadt müsse im Parkhaus häufiger kontrollieren. Ein Verbotsschild aufzustellen, wäre auch sinnvoll.
Gleichwohl: Wer beim Ausfahren aus dem Parkhaus daran gehindert wird, soll sofort die Polizei anrufen. Weil es eine Straftat ist, Menschen zu nötigen.
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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