Limburg-Lindenholzhausen. Am Wochenende wird in Lindenholzhausen Kirmes gefeiert. Eingeladen sind dazu auch die 70 Flüchtlinge, die in dem Limburger Stadtteil leben. Und sie helfen auch mit, damit die Kirmes gefeiert werden kann ...

Bild: Bevor die erste Kirmes gefeiert wird, helfen die in Lindenholzhausen lebenden Flüchtlinge beim Aufbau des Zeltes. Beim Aufziehen der Zeltplane ist Fingerspitzengefühl gefragt. Einseitiges Ziehen lässt die Plane klemmen.
Flüchtlinge in Lindenholzhausen sind eingeladen
Die Kirmes in Lindenholzhausen ist gebucht, geschützter Termin im Kalender und ein Fest, das sich durchaus noch seiner Wurzel und seiner Herkunft erinnert: Kirchweih. In diesem Jahr wird es besondere Gäste geben. Sie leben erst seit wenigen Wochen und Monaten in dem Limburger Stadtteil. 70 Flüchtlinge sind es, die sich auf Einrichtungen in der Frankfurter Straße und Rübsanger Straße verteilen. Für sie wird es die erste Kirmes werden. In ihren Heimatländern, die meisten kommen aus Syrien, gibt es so ein Fest nicht.
„Sie sind eingeladen, denn sie gehören dazu“, sagt Marianne Rompel. Sie ist Vorsitzende des Pfarrgemeinderats und zugleich im Helferkreis für die Flüchtlinge aktiv. Dort bringen sich auch Renate Zirner und Renate Trost ein und natürlich auch Ortvorsteherin Barbara Becker. Rund 20 Frauen und Männer sind in dem Helferkreis engagiert, haben die Flüchtlinge in dem Ort mit einem kleinen Fest willkommen geheißen, bieten Sprachkurse an, begleiten bei Gängen zu Behörden oder zum Arzt, unterstützen bei der Suche nach neuen Wohnungen, wenn die Flüchtlinge die Gemeinschaftsunterkünfte verlassen können.
„Einige Familien, die im Oktober vergangenen Jahres nach Lindenholzhausen kamen, sind schon als Asylbewerber anerkannt“, berichtet Renate Zirner. Ist das Verfahren positiv durchlaufen, besteht auch die Möglichkeit, eine bezahlte Arbeit aufzunehmen. Auch dort ist der Helferkreis unterstützend tätig.
Doch es geht gar nicht nur so um die großen Dinge, manchmal sind es nur Kleinigkeiten oder Alltägliches, dass die Flüchtlinge abfragen und erläutert bekommen wollen. „Sie wollen sich so verhalten und fragen oft danach, damit sie nichts falsch machen“, erzählt Renate Trost. Falsch machen, das ist zum Beispiel beim Einkaufen möglich oder wenn Kinder die Schule besuchen und eine Entschuldigung notwendig ist, wenn sie am Unterricht nicht teilnehmen können. Und dann gibt es noch das Thema Zeit. 8 Uhr ist eben 8 Uhr – und nicht 15, 20 Minuten nach 8 oder gar 9 Uhr.
Da zahlreiche Flüchtlinge inzwischen über ein Fahrrad verfügen, das ihnen gespendet wurde, steht nach Angaben von Marianne Rompel nun Verkehrserziehung an. Es gilt, die Regeln zur Teilnahme am Straßenverkehr kennenzulernen. Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats zeigt sich auch erfreut darüber, dass die Vereine sich sehr offen gegenüber den Flüchtlingen zeigen und sie einladen, mit zu singen oder Sport zu treiben.
Jetzt steht erst einmal die Kirmes auf dem Programm. Und wenn die überstanden ist, soll es noch einmal in den Garten gehen, der in den vergangenen Wochen etwas gelitten hat. Von einer Familie war den Flüchtlingen ein Gartengrundstück zur Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt worden. Der Anfangselan, so erzählt Marianne Rompel, ist verflogen, das Grundstück inzwischen etwas verwildert. Nun soll es noch winterfest gemacht werden. Und im kommenden Frühjahr soll dann ein neuer Versuch gestartet werden. jl
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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