NNPLimburg-Weilburg. Ein bekanntes Gesicht führt die AfD im Landkreis. Christine Anderson aus Lindenholzhausen ist Vorsitzende. Anderson hat bundesweit als Anhängerin der Pegida-Bewegung Aufmerksamkeit erhalten ...

Von Johannes Laubach

Die Alternative für Deutschland ist derzeit mehr mit sich selbst als mit den politischen Gegnern beschäftigt. Der Streit um die weitere politische Ausrichtung, um den Vorsitzenden Bernd Lucke und seinen Weckruf, um Griechenlandreisen und vieles mehr reißt nicht ab. Im Landkreis Limburg-Weilburg scheint dies nicht viel anders zu sein. Zwar gibt es mit Christine Anderson inzwischen eine neue Vorsitzende, doch nach Informationen der NNP sollen ihre Wahl sowie weitere Wahlentscheidungen der jüngsten Mitgliederversammlung angefochten werden.

Das Bild von Christine Anderson mit blutverschmiertem Gesicht oder später mit verbundenem Kopf ging durch die Medien und das Netz, sie hatte im März bei einer Demonstration in Frankfurt einen Stein an den Kopf bekommen. Dort war Christine Anderson mit anderen Pegida-Anhängern auf die Straße gegangen, was zu einer Gegendemonstration führte und bei der auch Steine flogen. Für Christine Anderson waren die Teilnehmer an der Gegendemonstration „linke Faschisten“.

Mit der neuen Vorsitzenden rückt der Kreisverband weiter nach rechts. Nicht nur, weil die Vorsitzende, die bisher als Beisitzerin im Kreisvorstand aktiv war, regelmäßig an Pegidademonstrationen teilnahm und dort als Rednerin auftrat, auch weil sie den Kurs der Hessen-AfD gegen Parteichef Lucke unterstützt. Im Vorstand der Hessen-AfD sitzt auch Peter Münch, der zuvor vom Landesschiedsgericht seines Amts enthoben worden war. Er soll die Partei über seine Zeit bei den rechtsnationalen Republikanern nicht ausreichend informiert haben.

Bewegung des Volkes

Die in Lindenholzhausen lebende AfD-Politikerin, die in der Stadt und im Landkreis bisher öffentlich politisch noch nicht in Erscheinung getreten ist, gehört auch zu den Unterzeichnern der Erfurter Resolution des thüringischen AfD-Landeschefs Björn Höcke. Das Positionspapier ist eine Kampfansage an den eher wirtschaftspolitisch orientierten Flügel um Parteichef Bernd Lucke. In dem Höcke-Papier wird die AfD unter anderem als „Bewegung unseres Volkes gegen die Gesellschaftsexperimente der letzten Jahrzehnte (Gender Mainstreaming, Multikulturalismus, Erziehungsbeliebigkeit)“ sowie als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“ charakterisiert.

In den sozialen Netzwerken geht es auch darum, wie weit rechts Christine Anderson steht. Rechtsradikal fällt dort als Einschätzung. Gegenüber der NNP widerspricht Christine Anderson nicht und legt Wert auf die Unterscheidung zwischen rechtsextrem und rechtsradikal. Rechtsextrem sei sie nicht, und radikal sei sie in dem Sinne, in dem es um die Wurzeln gehe. Dabei, so versichert sie, steht sie mit ihrem politischen Tun und Denken auf dem Boden des Grundgesetzes.

Einwand gegen Wahl

Ihr neu gewählter Stellvertreter im Kreisverband ist Max Kröner aus Weilburg. Auch weitere Positionen sind nach Angaben der neuen Vorsitzenden besetzt worden. Die Neuwahlen waren erforderlich geworden, da die bisherige Vorsitzende Beatrix Diefenbach aus Dornburg ihr Amt zur Verfügung gestellt hatte. Mit ihr war nahezu der komplette Vorstand zurückgetreten. „Frau Diefenbach hat sich zurückgezogen“, sagt ihre Nachfolgerin. Und sie sagt auch: „Ich bin gewählt!“

Ob dies von Dauer ist, wird sich erst noch zeigen. Denn nach Informationen der NNP soll ihre Wahl sowie die weiteren Wahlen angefochten werden. Es soll nicht die notwendige Anzahl von Mitgliedern bei der Versammlung anwesend gewesen sein.

Rücktritt im März

Beatrix Diefenbach hatte Ende März nicht nur ihren Rücktritt als Kreisvorsitzende verkündet, sondern war auch aus dem Bundesvorstand zurückgetreten. Den Schritt, alle Ämter zur Verfügung zu stellen, unternahm sie nicht allein, ihre Ehemann Professor Dr. Herbert Frohnhofen begleitete sie dabei. Frohnhofen war als Schriftführer und Beisitzer auf Kreisebene aktiv, auf Landesebene war er stellvertretender Vorsitzender. Neben dem Ehepaar stellten auch weitere Vorstandsmitglieder ihre Ämter zur Verfügung – unter anderem auch Christine Anderson, die im vergangenen Jahr zur Beisitzerin gewählt worden war.

Macht im Mittelpunkt

Ihren Rückzug aus der Partei begründeten beide nicht mit den AfD-Themen und Positionen, sondern mit internen Machtkämpfen. „Während sich zahlreiche Mitglieder mit viel Idealismus für eine bessere Politik engagierten, standen in den Leitungsgremien auf Bundes- und Landesebene zunehmend Egomanie und das Streben nach Macht im Mittelpunkt“, heißt es in der Erklärung. Das habe in jüngster Zeit vor allem zu Machtkämpfen gegeneinander geführt. „Die hierbei angewandten Methoden widern uns an und entsprechen nicht unserem Werteverständnis“, schreiben sie.

Auch die Gründung der AfD-nahen Erasmus-Stiftung wurde von dem Ehepaar als Ausstiegsgrund genannt, denn mit der Gründung der Stiftung sei ein Rechtsbruch begangen worden. Kritisch bewerten Diefenbach und Frohnhofen auch die Entwicklung in den Leitungsgremien der Partei, in denen „zunehmend Egomanien und das Streben nach Macht im Mittelpunkt“ stehe. Einen zunächst verkündeten Austritt aus der Partei machte Beatrix Diefenbach rückgängig.

Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.

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