NNPLimburg. Es ist ein richtiges Ärgernis: Immer wieder verwandelt sich das Parkhaus im Limburger ICE-Gebiet in einen Raser-Treffpunkt - und das sogar schon mit tödlichen Folgen ...

Die Spuren auf dem Belag im ICE-Parkhaus sind nicht zu übersehen. Vor allem das Obergeschoss scheint es den Rasern besondern angetan zu haben. Polizei und Ordnungsamt der Stadt wollen gemeinsam dagegen vorgehen. Foto: Laubach
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Die Spuren auf dem Belag im ICE-Parkhaus sind nicht zu übersehen. Vor allem das Obergeschoss scheint es den Rasern besondern angetan zu haben. Polizei und Ordnungsamt der Stadt wollen gemeinsam dagegen vorgehen. Foto: Laubach

Von Johannes Laubach

Die Spuren sind im gesamten ICE-Parkhaus nicht zu übersehen. Reifenspuren sind es. Ganz oben sind es die meisten. Dort wird immer wieder ordentlich Gummi gelassen, wenn in Abend- und Nachtstunden sich das Parkhaus zu einem Treffpunkt der Tempo-Generation wandelt. Sie lassen mit ihren meist stark motorisierten Autos reichlich Gummi auf dem Belag zurück. Gummi bleibt zurück beim Beschleunigen und Bremsen oder auch beim Driften.

Es hat schon einige Schäden durch die nächtliche Raserei gegeben. Der junge Mann aus Beuerbach, der am Wochenende in Lindenholzhausen tödlich verunglückt war, hatte nach Informationen der NNP das ICE-Gebiet und das dortige Parkhaus zum Ziel. Dort war er offenbar verabredet. Auf dem Weg dorthin verlor er mit seinem stark motorisierten Audi vermutlich wegen nicht angepasster Geschwindigkeit die Kontrolle über seinen Wagen und verunglückte. Er erlag seinen Verletzungen, sein Beifahrer kam mit leichteren Blessuren davon.

„Es ist bekannt, dass im Parkhaus Rennen gefahren werden und sich vor allem junge Fahrer für diesen Ort verabreden“, sagte Madlen Weyhrich, Chefin der Kriminalpolizei der Polizeidirektion Limburg-Weilburg. Ein Zustand, der nicht geduldet werden könne und bei dem es gemeinsame Bemühungen mit der Stadt gebe, dagegen vorzugehen. Weyhrich war zu Gast im Haupt- und Finanzausschuss der Stadtverordnetenversammlung, wo sie sich zur Entwicklung der Kriminalität in der Stadt äußerte.

Ermittlungen laufen

Es gibt Ermittlungen und Verfahren, ergänzte Limburgs Erster Stadtrat Michael Stanke (CDU). In einigen Fällen seien Kennzeichen von Fahrzeugen bekannt, die im Parkhaus viel zu schnell unterwegs gewesen seien und Spuren hinterlassen hätten. Mehr wollte er zum jetzigen Zeitpunkt und im Ausschuss dazu nicht sagen. Schäden, die gegebenenfalls durch Raser entstanden sind, wurden der Stadt bisher keine gemeldet, teilte auf Nachfrage das Ordnungsamt mit.

Gerhard Voss von der SPD-Fraktion schilderte seine persönlichen Erfahrungen, die er in dem Parkhaus gemacht habe. Er sei einmal Zeuge von rasant beschleunigenden und abrupt bremsenden Autos geworden und habe auch die Polizei mittels eines Anrufs auf das Geschehen aufmerksam machen wollen. Doch just zu diesem Zeitpunkt sein keine Streife abrufbar und damit einsetzbar gewesen, habe er zur Antwort erhalten. Anschließende Versuche, von dem Geschehen einige Fotos zu machen, ließ Voss wieder ruhen, nachdem einige Fahrer ihre Autos verlassen hatten.

Jedes Wochenende

Klagen gibt es auch in Eschhofen über die Raserei im Parkhaus. Wie Ortsvorsteher Oliver Stenger (SPD) sagte, haben sich bei ihm Bürger beschwert. Es sind vor allem Anlieger aus dem Bereich der Kurtrierer Straße, die die quietschenden Reifen und die Motoren hören. „Jedes Wochenende“, sagt Stenger über die Häufigkeit. Er hat die Klagen der Bürger an das Ordnungsamt weitergereicht. Stenger ist davon überzeugt, dass bei der Zustellung der ersten Strafzettel und Zahlungsaufforderungen wieder mit angepasster Geschwindigkeit durch das Parkhaus gefahren wird.

Das ICE-Gebiet, benannt nach einem Zug, ist auch in der Vergangenheit immer wieder Treffpunkt für Anhänger des beschleunigten Fahrens gewesen. Als es das Parkhaus noch nicht gab, wurden die Straßen in dem Areal dazu genutzt, um Rennen auszutragen.

„Carfreitag“ in Limburg

Einmal im Jahr findet dort der „Car Freitag“ statt. Ein Treffen von Inhabern und Freunden aufgemotzter Autos. In diesem Jahr war das Interesse der Veranstaltung so groß, dass die Autobahnanschlussstelle Limburg-Süd gesperrt werden mussste, auf der B 8 nichts mehr ging und die Polizei die Zufahrt zum ICE-Gebiet sperrte. Rund 2500 Fahrzeuge waren im ICE-Gebiet aufgestellt, rund 6000 Menschen waren dort nach Angaben von Madlen Weyhrich unterwegs. Mit dem Ergebnis: Nichts ging mehr.

Mehr als 2000 vor allem getunte Autos und ungefähr 4500 Schaulustige haben am Karfreitag im mittelhessischen Limburg für ein Verkehrschaos gesorgt. In unserer Fotostrecke sehen Sie Bilder von den Tuning-Fans. Alle Fotos: Demel. Siehe Bilderstrecke: "Carfreitag" in Limburg sorgt für chaotische Zustände

«Sie haben den kompletten ICE-Parkplatz, die Zufahrtsstraßen, Wege und Ortschaften blockiert», sagte ein Polizeisprecher. Der Andrang war so groß, dass auf der Autobahn Köln-Frankfurt (A3) die Ausfahrt Limburg-Süd gesperrt wurde. Gesperrte Zufahrt zum ICE-Gebiet, gesperrte Autobahnauffahrt, dichte Stadt und dann noch ein herrenloser Koffer am ICE-Bahnhof.

Der Andrang im ICE-Gebiet war gestern Nachmittag so groß, dass die Polizei die Zufahrt und die Anschlussstelle der Autobahn sperrten. Aufgemotzte und gestylte Fahrzeug waren dennoch reichlich zu sehen. Fotos: Koenig (2)Bild: Der Andrang im ICE-Gebiet war gestern Nachmittag so groß, dass die Polizei die Zufahrt und die Anschlussstelle der Autobahn sperrten. Aufgemotzte und gestylte Fahrzeug waren dennoch reichlich zu sehen. Foto: Koenig

Siehe NNP-Artikel: "Carfreitag": Verkehrschaos in Limburg

Neues Verkehrskonzept

Die in diesem Jahr festzustellenden chaotischen Verhältnisse sollen sich nicht wiederholen. Verhindern lässt sich das Treffen allerdings nicht. „Ein neues Verkehrskonzept ist notwendig“, so die Kripochefin. Das könne die Polizei nicht alleine, sondern nur in Zusammenarbeit mit der Stadt erarbeiten. Eine Zusammenarbeit und damit verbundene Einsätze, die zu Lasten des Steuerzahlers gehen. Dem Wunsch einiger Ausschussmitglieder, den Veranstaltern die Kosten aufzuerlegen, geht schon deshalb nicht in Erfüllung, weil es keinen Veranstalter gibt, auf den die Polizei oder auch die Stadt zurückgreifen können. jl

Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.

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