Bild: Zu viel spannender und spaßiger Musik hatten die Kinder- und Jugendchöre der Harmonie Lindenholzhausen ins Dorfgemeinschaftshaus eingeladen. Foto: Bohnhorst-VollmerNachwuchs der Harmonie widmete sich den Wise Guys, Reinhard Mey und anderen
Von Anken Bohnhorst-Vollmer
Das beschauliche Lindenholzhausen ist nicht Toulouse, und in den umliegenden Feldern geht es längst nicht so derb zu wie im Wald der südfranzösischen Metropole. Musikalisch aber ist der „Wald von Toulouse“ auch in Lindenholzhausen schaurig schön - jedenfalls in der Version, die der Kinderchor der Harmonie in seinem Konzert besungen hat.
Sehr präzise klangen die knallenden Schüsse der Räuber, die plötzlich aus der liebevoll zurechtgerückten Kulisse sprangen. Und dass die vermeintlichen Bösewichte schließlich gefangen wurden, lag selbstverständlich nicht an ihrem Gesang. Der war bei diesem Lied ebenso entzückend wie beim „Großen Santorini“. Auch hier sangen die Kinder mit temperamentvoller Hingabe die Geschichte des Zauberers Santorini, der genüsslich eine Frau zersägt und sie leider nicht mehr zusammensetzen kann - die singende Säge hat sich unglücklicherweise in ihrem Körper verkeilt.
Sehr hübsch anzuhören und anzusehen war auch das schwedische Volkslied „Zum Tanze da geht ein Mädel“, das der Jugendchor sang und mit einer kleinen Choreografie aufpolierte: Die Mädchen drehten sich in sanften Schritten, während die Jungen sich in angedeuteten Polterschritten entfernen wollten. So ist das offenbar auch bei schwedischen Tanzveranstaltungen schon immer gewesen. Noch besser als dieses Lied gelang den Jugendlichen der Wise-Guys-Song „Wo der Pfeffer wächst“. „Ich wünsch’ dich an den Arsch der Welt“, lautet da eine der Textzeilen, die die Sänger geradezu schmetterten, vermutlich weil ihnen Inhalt und Melodie nahe sind.
Moderne Werke
Diesen Zugang zur Musik geschaffen zu haben, ist das ganz große Verdienst von Chorleiterin Dorothee Laux: Unterstützt von dem sehr einfühlsam spielenden Pianisten Marcus Gemeinder gelingt ihr, die Kinder und Jugendlichen für Musik zu begeistern, weil sie ihnen keine verstaubten Werke und Arrangements anbietet, sondern mit ihnen das singt, was sie verstehen und mögen. Das ist modern, qualitativ hochwertig und dem Alter der Sänger angemessen.
Wesentlich seriöser und trotzdem authentisch präsentierten sich bei diesem Konzert die etwas älteren Harmonie-Sänger der „Next Generation“, die an diesem Tag souverän von David Fritzen dirigiert wurden. Sehr eindrucksvoll gelangen ihre anspruchsvollen Beiträge „That we may be one“ von James E. Moore und das schwedische „Uti var hage“. Dass Unterhaltungsmusik ernsthaft gespielt wird und trotzdem munter klingen kann, zeigte auch die junge Saxophonistin Jasmin Müller mit der Titelmelodie „Pink Panther“.
Für den musikalischen Knaller des Konzerts aber sorgten Dorothee Laux und alle Sänger mit einer schwungvollen Interpretation von Reinhard Meys „Der Mörder war immer der Gärtner“. Da wurde den Zuhörern in Lindenholzhausen denn doch ein wenig schummrig zumute. Denn zwar wurde Sir Henry auf Schloss Darkmoor gemeuchelt. Aber ganz weit weg schien dieser Ort nicht zu sein. Sir Henry las nämlich nicht die Financial Times, sondern die NNP - und starb.
Ehrennadeln
Wer früher mit dem Singen beginnt, kann seine Ehrennadel länger tragen. Für mindestens dreijährige aktive Sängertätigkeit gab es Auszeichnungen für Verena Laßmann, Isabel Touretzoglou, Marc Lammers, Hanna Gabb, Magdalena Harjung, Felicia Schmitt, Theresa Gattinger und Simeon Harjung.
Artikel vom 26.06.2013, 03:50 Uhr (letzte Änderung 26.06.2013, 03:55 Uhr)
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
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