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Limburg-Lindenholzhausen. Am gestrigen Mittwoch, 10. Juli 2019, jährte sich zum 100. Male der Tag, an dem erstmalig in Lindenholzhausen ein Zug gehalten hat …

Die 1877 durchgängig fertiggestellte Eisenbahnline Limburg-Frankfurt/Main verläuft im Emsbachtal auch etwa 1,6 Kilometer durch die Gemarkung von Lindenholzhausen. Aber der damals rund 1200 Einwohner zählende Ort erhielt keinen Bahnhof oder Haltepunkt.

Erst nachdem bereits 44 Jahre lang die Züge vorbei gefahren sind, konnten die Hollesser den ersten Halt eines Zugs am Haltepunkt Lindenholzhausen feiern.

Die bis dahin hatten in Limburg beschäftigten Arbeitnehmer einen jeweils einstündigen Hin- und Rückweg zu Fuß zurückzulegen. Das war bei der damaligen täglichen Arbeitszeit von zehn und mehr Stunden eine zusätzliche Belastung. Für weitere Fahrten wie beispielsweise ins Rhein-Main- oder ins Ruhrgebiet mussten die zwei bzw. drei Kilometer entfernt gelegenen Bahnhöfe in Eschhofen oder Niederbrechen aufgesucht werden.

Solche und andere Gründe empfanden die Lindenholzhäuser im Laufe der Zeit wohl als ein immer größer werdendes Manko. So kam es, dass schließlich die Gemeinde Lindenholzhausen unter Bürgermeister Johannes Rompel (1854 - 1933) am 17. März 1907 erstmals einen Antrag auf Errichtung eines hiesigen Bahnhofs stellte. Zu dem hierfür im Kostenvoranschlag angegebenen Betrag von 38.000 Mark wollte die Gemeinde einen Zuschuss von 13.000 Mark leisten. Die Königliche Eisenbahndirektion in Frankfurt/M. war aber lediglich zur Genehmigung eines Haltepunktes bereit. Für eine solche kleine Lösung zeigte sich die Gemeinde aber nur zu einer Zahlung von 5.000 Mark bereit. Dieser Vorschlag wurde allerdings seitens des zuständigen Ministeriums am 2. Februar 1909 abgelehnt.

Vier Jahre später war die Gemeinde dann willens, sich bei der Errichtung eines Haltepunkts mit 10.000 Mark zu beteiligen. Somit konnte am 12. bzw. am 14. August 1914 ein entsprechender Vertrag unterzeichnet werden. Jedoch wurden in diesem Vertrag der Gemeinde trotz ihrer beachtlichen Kostenbeteiligung hinsichtlich der zu erstellenden Bahnanlagen keinerlei Mitspracherechte zugestanden. Sodann erfolgte aber ungeachtet des Krieges ganz vertragskonform die Errichtung der erforderlichen Anlagen.

Hierbei handelte es sich um ein kleines Bahnhofsgebäude, ein Toilettenhäuschen, Bahnsteige in beiden Fahrtrichtungen, erforderliche Absperrungen und eine Schrankenanlage für den Bahnübergang zu den neu angelegten Wegen zur Lindenmühle und aufs „Hochfeld“. Wegen der noch nicht vorhandenen örtlichen Wasserleitung wurde vor dem Bahnhofsgebäude ein mit einer Schwengelpumpe versehener Brunnen geschaffen. Inzwischen ließ die Gemeinde Lindenholzhausen während des Ersten Weltkriegs durch Kriegsgefangene die Trasse der heutigen Bahnhofstraße anlegen, deren Bebauung mit Häusern nach 1920 begann, aber erst in späteren Jahren zum Abschluss kam.

Nach den im Hessischen Hauptstaatsarchiv befindlichen Unterlagen der preußischen Eisenbahndirektion Frankfurt/Main war der Haltepunkt in Lindenholzhausen am 2. September 1918 voll betriebsbereit. Allerdings hielten hier aufgrund von kriegsbedingten Einsparbestimmungen zunächst noch keine Züge.

Erst am 10. Juli 1919, einem Donnerstag, erfolgte die ersehnte Eröffnung des Bahnhaltepunktes in Lindenholzhausen, nachdem dort seit 44 Jahren die Züge vorbei gefahren waren. Bürgermeister Georg Rompel (1870 - 1955) mit der Gemeindevertretung sowie sämtliche Schulkinder mit ihren Lehrpersonen und große Teile der Bevölkerung kamen zum festlich geschmückten neuen Bahnhof, um an dem für Lindenholzhausen so bedeutsamen Tag Zeugen dieses Ereignisses zu sein.

Einweihung Haltepunkt LindenholzhausenBild: Feierliche Eröffnung des Bahnhofs und des Bahnhaltepunkts Lindenholzhausen am 10. Juli 1919 (Quelle: Fotoarchiv Lothar Stein)

Hierüber hielt der damalige Erste Lehrer Georg Schmidt (1868 - 1925) in der örtlichen Schulchronik folgendes fest:

"Am 10. Juli - Donnerstag - wurde der hiesige neuerbaute Bahnhof dem Verkehr übergeben. Um 2 Uhr (mittags) zogen die Schüler, Lehrpersonen, Gemeindevertretung etc. im Festzuge unter Vorantritt einer Musikkapelle dorthin, zu dem um 3 Uhr dort ankommenden Zuge. Das Fahrpersonal wurde mit Zigarren beschenkt, Kirchenchor („Cäcilia“) und „Harmonie“ sangen gemeinschaftlich den Chor „Das ist der Tag des Herrn“ (von Conradin Kreutzer) und der Unterzeichnete (Lehrer Schmidt) hielt eine Ansprache. Wegen der Ungunst der Witterung war ein längeres Verweilen hier nicht möglich, weshalb im Saalbau Jung (damals Kirchfelder Straße 9) nachmittags und abends Fortsetzung der Feier stattfand."

Einweihung Haltepunkt Lindenholzhausen

Über die Eröffnung des Bahnhofs enthielt der „Nassauer Bote" in seiner Ausgabe vom 11. Juli 1913 lediglich eine kurze Notiz:

"Lindenholzhausen, 10. Juli. Heute wurde die hiesige, schon seit Jahren fertiggestellte Eisenbahnhaltestelle dem öffentlichen Verkehr übergeben."

Mit der Eröffnung dieses Haltepunktes beendete die preußische Staatsbahn praktisch ihre konkreten Aktivitäten im Goldenen Grund. Somit hatte Lindenholzhausen es doch noch geschafft, einen Bahnhof zu bekommen, wenn auch nur in Form eines Haltepunktes. Fortan rollten die Züge nicht mehr vorbei, sondern hielten auch hier. Man hatte in logistischer Hinsicht den Anschluss gefunden. Das bedeutete einen großen Fortschritt für die Infrastruktur des Dorfes und war insbesondere für seine zahlreichen in Limburg oder in weiter gelegenen Industriezentren beschäftigten Arbeitnehmer von Vorteil. Aber auch sonstige Reisewillige waren zufriedengestellt.

[Hier] findet man die ausführliche Historie zum Lindenholzhäuser Bahnhof.