Bild: Siegerehrung beim Mundartwettbewerb (oben, von links): Patrick Strerath, Bernd Bay, Hannelore Königstein, Norbert Bandur, Horst Kaiser, Ursula Grolig, Bernd Schmitt, Josef Friedrich, Gerd Schäfer, Rudolf Laux
NNP-Mundart-Wettbewerb in Elz: Sieg mit Jugenderinnerungen vom Bauernhof in „Hollese“
Josef Friedrich hat Sonntagnachmittag den zwölften Mundartwettbewerb des Elzer Kulturkreises und der Nassauischen Neuen Presse im Elzer Bürgerhaus gewonnen. Der Wettbewerbsneuling aus Lindenholzhausen setzte sich mit einem sehr gelungenen Gedicht "Erinnerung u mei Kindheit" durch. Mit seinem Eingangslied "Ei kennste mich dann net" eroberte er sofort das Herz der Zuhörer.
Einfach und oft anstrengend war seine Jugend als Landwirtssohn, aber in der Nachbetrachtung stellte der Heimatdichter fest, dass es eine schöne Zeit war und keineswegs schlechter als heute. Unter den sieben Finalisten landete Titelverteidiger Norbert Bandur (Niedertiefenbach) auf Rang zwei. Diesmal Mal befasste er sich in einer sehr nachdenklichen Geschichte mit "Dat aal Haaus". Das treu und brav 300 Jahre wacker "seinen Mann" stehende Gebäude verfällt dabei immer mehr und wird dann am Ende wehmütig abgerissen.
Mit Ursula Grolig (Eschenau) landete die Siegerin des allerersten Elzer Mundartwettbewerbes diesmal auf dem dritten Platz, freute sich aber auch sehr über ihre "Bronzemedaille". Ihre Geschichte hieß "Wäij sich die Hoahlgäns´verflu harre". Gemütlich sitzt Grolig als Erzählerin dabei vor ihrem Haus und sieht dem Kranichflug zu. Doch die Vögel verfliegen und beschimpfen sich auf Platt.
Ebenfalls ins Finale hatten es Rudolf Laux (Villmar), Gerd Schäfer (Schadeck), der von Elz nach Bad Camberg ausgewanderte Bernd Bay und Hannelore Königstein (Niederbrechen) geschafft. Alle wurden von NNP-Geschäftsbereichsleiter Patrick Strerath und dem Vorsitzenden des Kulturkreises "Elzer Bürgerhaus", Bürgermeister Horst Kaiser, mit Präsenten ausgezeichnet.
Moderator Bernd Schmitt lobte alle Vorträge und sagte, dass jeder ein Gewinner sei, der sich viel Mühe mit dem Schreiben gemacht und es auf die Bühne der Veranstaltung gebracht habe. Vor einem Publikum in einem Wettbewerb anzutreten – dazu gehöre auch Mut.
Patrick Strerath sagte, dass der Nassauischen Neuen Presse die Veranstaltung ein wichtiges Anliegen sei. Denn sie solle dazu beitragen, dass die Mundart und alte Traditionen in der Region nicht aussterben. Mit der Nassauischen Mundart sei er "mit ein bisschen Bergstraße und ein bisschen Darmstadt im Blut" allerdings nicht aufgewachsen. So habe er nach seinem Dienstantritt in Limburg auf der Karte dann erst mal vergeblich den Limburger Stadtteil "Hollese" gesucht. Aber Strerath will trotzdem dafür sorgen, dass der Wettbewerb nicht zu einem Contest verkommt, wie man es in Neuhochdeutsch sagt. Wobei laut dem NNP-Vertreter Englisch und Platt oft schon nahe beieinander lägen, wenn er zum Beispiel an Äppel und Apple denke.
Volkslieder als Rahmen
"Jetzt bin ich das erste Mal beim Mundartwettbewerb und dann gleich Moderator", freute sich Bernd Schmitt. In der Jury hätte er nach eigenen Angaben aber nicht sitzen wollen, wegen der Vielzahl guter Vorträge, die es nicht einfach machten, die ersten drei auszuwählen. Neben Strerath hatten als Vertreter des Kulturkreises Dr. Mathias Schäfer sowie Ingrid Friedrich die Qual der Wahl.
Zuerst trat im Rahmenprogramm das Elzer Mandolinenorchester auf. Unter der bewährten Leitung von Willibald Schenk trafen die Musiker mit Volksliedern genau den Nerv des wie immer zahlreich erschienenen Publikums. Bei "Muss i denn", "Wem Gott will rechte Gunst erweisen" oder "Das Wandern ist des Müllers Lust" sangen die Besucher begeistert mit, sodass das Orchester nicht ohne Zugabe von der Bühne kam. Der Kinderchor des Elzer Männergesangvereins "Frohsinn" überzeugte mit afrikanischen und modernen deutschen Liedern unter der Leitung von Mario Siry.
Schmitt meinte, dass es immer ein besonderes Anliegen des Initiators des ersten Mundartwettbewerbes, Willi Schoth, gewesen sei, das "Platt" den jüngeren Generationen zu vermitteln. Auch nach dem Tod des Elzer Heimatdichters, der vor einer Woche 95 Jahre alt geworden wäre, werde sein Vermächtnis gewahrt. So sei eine CD "Kaspar und die Mordschauräuber" auf Elzer Platt herausgegeben werden. Bei der Geschichte, die für Kinder sehr unterhaltsam sei, spiele sogar eine türkische Familie mit.
Die Volkstanz- und Trachtengruppe aus Hausen war einmal mehr beim Mundartwettbewerb zu Gast und erfreute mit traditionellen Tänzen. Die Leiterin des Elzer Singekreises, Waltraut Jung, forderte die Gäste ebenfalls auf, im Sinne Schoths weiterzumachen. "Wir werden seine Texte weiter singen, solange wir das noch können", versprach sie. "Wenn du noch kannst, dann schwätz Platt mit de Leut", war ein musikalischer Appell an die Bürger der Region.
Patrick Strerath, Horst Kaiser und Bernd Schmitt waren sich einig, dass der Wettbewerb 2014 in der 13. Auflage erneut stattfinden soll. rok
Artikel vom 15. Oktober 2012, 18.01 Uhr (letzte Änderung 15. Oktober 2012, 21.16 Uhr)
Der NNP-Mundartsieger
Bild: Sieger des Mundartwettbewerbes Josef Friedrich
Josef Friedrich kam, sah und siegte beim 12. Mundartwettbewerb der Nassauischen Neuen Presse und des Elzer Kulturkreises. Als Neuling trat der Lindenholzhausener im Elzer Bürgerhaus auf. Friedrich hat nach eigenen Angaben einige Mundartgedichte schon seit Jahrzehnten in der Schublade liegen, trat bisher damit aber eher im Verborgenen, höchstens mal im engsten Freundeskreis auf. Künftig wird man ihn hoffentlich öfter bei Mundartveranstaltungen sehen und hören. Mit "Erinnerung u mei Kindheit" überzeugte er nicht nur die fachkundige Jury, sondern auf Anhieb auch mehrere Hundert Gäste. Ehrlich, manchmal auch nachdenklich und humorvoll schilderte er seine Jugendzeit. Sehr entzückt war er davon, das Licht der Welt erblicken zu dürfen. In einer Landwirtschaft wurde er groß. Reich wie Rockefeller waren die Friedrichs nicht, aber genug zu essen gab es immer. Und die Eltern sorgten für eine gute Erziehung. Auch wenn das Erlebnisbad des "Hollesers" der Emsbach war, er als junger Bursche schon hart im elterlichen Betrieb mitarbeiten musste, geschadet hat ihm das alles nicht. (rok)
Artikel vom 16. Oktober 2012, 03.22 Uhr (letzte Änderung 16. Oktober 2012, 09.39 Uhr)
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
