Bild: Gute Musik von guten Chören: Gute Musik von guten Chören: "That‘s what friends are for" mit den Sängern von "Voice‘n‘Noise" und "You‘N‘joy" mit Dirigent Matthias Schmidt und Moderator Kai Gemeinder. Foto: Bohnhorst-Vollmer
Das Publikum im Bürgerhaus in Lindenholzhausen bebte vor Begeisterung
Von Anken Bohnhorst-Vollmer
Endlich! Die Vorstellung, dass Chorsänger nur dann sauber intonieren, wenn sie in tristem Einheitsschwarz gekleidet sind, ist überholt. Klangfarbe darf hör- und sichtbar sein. Bunte Lässigkeit führt nicht zwangsläufig zu musikalischer Nachlässigkeit.
Das bewiesen gleich zwei Chöre: "You‘N‘joy" aus Lindenholzhausen und "Voice‘n‘Noise" aus dem bayerischen Miltenberg. Sie begeisterten mit ihren abwechslungsreichen und anspruchsvollen Beiträgen. Und ihnen gelang, ihre Zuhörer aus der Bewunderungsstarre zu lösen, sie mitzureißen, zu rühren und anzuheizen. Solche Konzerte möchte man häufiger erleben – nicht nur im November.
Glücksrausch
Dabei war der Beginn mit den zunächst traditionell in Schwarz gekleideten Sängern von "You‘N‘joy" durchaus verhalten. Zwar brachte Moderator Kai Gemeinder das Publikum mit rhythmischen Klatsch- und Stampfübungen mit erstaunlicher Rasanz in Fahrt. Und auch die "You‘N‘joy"-Version von "We will rock you" geriet flott und sehr harmonisch. Aber es war eben noch nicht jener durch den ganzen Körper wummernde Sound, wie ihn sich die Rockmusiker von "Queen" ausgedacht haben. Auch Kirby Shaws weihnachtlicher Jazz-Walzer "Carol of Bells", in dem die verschiedenen Stimmlagen zu herrlichen Crescendi verschmelzen, geriet den Sängern von Matthias Schmidt gut und warm und mit einer sehr angenehmen Mischung aus Feierlichkeit und Fröhlichkeit.
Einen ersten Höhepunkt des Konzerts aber bescherte dieser ausgewogene Chor seinen Gästen mit dem afrikanischen "Agolo", einem Lied, das wundervoll zuversichtlich und hoffnungsfroh klingt. Und so präsentierten es auch Matthias Schmidt und seine Sänger. Als hätte es genau dieses Liedes bedurft, um alle Anspannung zu lösen und sich in selbst erzeugten, freudvollen Schwung zu bringen. Der wurde durch das Ensemble nach der Pause – jetzt in hellen Farbtönen gekleidet – noch mächtig gesteigert.
Mit Coldplays "Viva la Vida" und vor allem mit dem Stimmungshit "Mas Que Nada" gelang es "You‘N‘joy" und einer kleinen, aber virtuosen Rhythmusgruppe (Marcus Gemeinder am Piano, Stefan Jackmuth am Bass und Silas Jakob am Schlagzeug), das Publikum zu verzaubern. Hier hatte sich der Chor selbst in einen herrlichen musikalischen Glücksrausch gesungen. Den zu krönen war nur mit einem Werk möglich, mit "Queens" "Bohemian Rhapsody". Wären die Zuhörer nicht längst euphorisiert gewesen, hätte allein diese sensationelle Interpretation hierzu ausgereicht.
Das Programm von Gastchor "Voice‘n‘Noise" machte das Konzert schließlich zur Sensation. Diese von Franziska Rapke geleitete A-cappella-Truppe, die wie eine Premium-Edition der Pop-Gruppe "Village People" auf die Bühne kam, sang mit "Don‘t stop me now" genau das, was an diesem Abend im Bürgerhaus von Lindenholzhausen stattfand: "Have a good time tonight".
Sehr viele choreografische Elemente hatten die Sänger in ihre Lieder aufgenommen, etwa bei "Die perfekte Welle" oder bei "School is out", bei dessen Interpretation auch der krachende Name der Formation, "Voice‘n‘Noise", verständlich wurde.
Ihren besten und geschlechterübergreifend kräftig bejubelten Beitrag lieferten die Sänger indes mit "Lieber Orangenhaut als gar kein Profil". Wer bei derart köstlicher Unterhaltung immer noch an Äußerlichkeiten denken mochte, dem galt ganz besonders das gemeinsam gesungene "That‘s what friends are for" als Motto, mit dem sich die Chöre verabschiedeten.
Artikel vom 13. November 2012, 20.11 Uhr (letzte Änderung 15. November 2012, 04.39 Uhr)
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
