Bild: Der Domchor unter der Leitung von Judith Schnell sang im Dom unter dem Motto: Die Himmel erzählen
Neun Ensembles verzauberten die Zuhörer zwischen Dom und der Erbach
Von: von Anneke Jung
Musikalisch war wie immer für jeden Geschmack vom traditionellen Chorsatz bis zum pfiffigen Pop-Arrangement etwas dabei. Zwischendurch noch ein Gläschen Wein – man kann sich kaum einen angenehmeren Zeitvertreib für einen Sommerabend vorstellen.
Wie schon in den Jahren zuvor, flanierten die Besucher zwischen dem Dom, dem Hof des Diözesanmuseums, dem Walderdorffer Hof und dem Platz "In der Erbach" hin und her. Die Anzahl der begeisterten Zuhörer dürfte noch höher als in den zurückliegenden Jahren gewesen sein, so der gewonnene Eindruck.
Das mag auch daran gelegen haben, dass von neun teilnehmenden Ensembles sechs aus der unmittelbaren Umgebung kamen.
Ausgewogener Klang
In der Erbach machte beispielsweise der MGV "Eintracht Liederkranz" aus Obertiefenbach unter dem Motto "Männerchor pur" seine Aufwartung. Unter der Leitung von Hubertus Weimer präsentierten sich die Herren bestens aufgelegt mit ausgewogenem Klang, schönen Stimmen und einer unterhaltenden Programmauswahl von Tradition bis Moderne. Prächtig gelangen ihnen die schönen romantischen Chorsätze wie "Abendfrieden am Rhein" von Mathieu Neumann oder "Still ruht der See" von Bernhard Riffel.
Im Walderdorffer Hof gab es als Kontrast dazu großartig ausgebildet junge Stimmen aus dem Landesjugendchor Hessen zu hören. Die beiden Leiter, Axel Pfeiffer und Jürgen Faßbender, wechselten sich beim Dirigieren ab und motivierten die jungen Leute zu tollen Vorträgen. Dass sie nicht nur im modernen Bereich zu Hause sind, zeigten sie zum Beispiel mit dem feinfühlig intonierten "Ade zur guten Nacht" in einem interessanten modernen Satz.
Höhepunkt
Ein besonderes Highlight bot sich den Hörern im Dom. Die zwei renommiertesten Männerensembles der Region, "Cantabile" und "Camerata Musica", haben kürzlich ein gemeinsames Projekt durchgeführt. Unter dem Titel "Die letzten Romantiker" wurden Chorsätze von romantischen Komponisten erarbeitet. Dabei verließ man die ausgetretenen Pfade der Männerchorliteratur zugunsten so ausgefallener Werke wie "Grenzen der Menschheit" von Mathieu Neumann oder dem "Traumlicht" von Richard Strauss.
Diese anspruchsvollen Stücke scheinen wie geschaffen für die Herren. Unter der Leitung von Jürgen Faßbender erblühten wunderbare Klänge im Dom. Aber auch ein so bekanntes Lied wie das "Ave Maria" von Franz Biebl war bei dem Vortrag des Gemeinschaftschores in neuem und ungeahntem Glanz erleben.
Unter dem Motto "Die Himmel erzählen" präsentierte der Domchor mit Dirigentin Judith Schnell Lieder und Motetten zum Lobpreis Gottes. Dass sie an die Domakustik bestens gewöhnt sind, zeigten die Damen und Herren mit elastischem Klang und schwungvollem Vortrag zum Beispiel mit "Exultate" von Alessandro Scarlatti und zwei schönen Motetten "Beati quorum via" und "Justorum animae" des Engländers Charles Villiers Stanford.
Variantenreich
Mit variantenreichen Volksliedern in altem und neuem Gewand begeisterte das Ensemble Vocale Lindenholzhausen unter Andreas Jung im Museumshof die Gäste. Bei fortschreitender Dunkelheit romantisch von Feuerkörben beleuchtet sangen sie stimmungsvolle Sätze wie "Stemning" von Wilhelm Peterson-Berger oder "Esti Dal" von Zoltan Kodaly.
Am selben Platz trat auch das jüngste aus den Domsingknaben hervorgegangene Männerchorgewächs auf. Das Ensemble Vocapella unter dem jungen Dirigenten Tristan Meister schickt sich an, in die Fußstapfen der großen Vorbilder "Cantabile" und "Camerata Musica" zu treten. Mit schwungvollen Vorträgen eroberten sie schnell das Publikum. Sehr witzig und lebendig dargeboten: der Song vom Mädchen und dem Matrosen.
Ein tolle Show bot der Westerwälder Chor "Divertimento", der mit viel Schwung, Sing- und Spielfreude mitreißende Poparrangements bekannter Interpreten wie Adele oder Madonna auf die Bühne "In der Erbach" brachte.
Vom Allerfeinsten
Die Offenbarung dieses Abends waren allerdings sechs junge Damen. Das "Ensemble LaCapella" aus Friedrichsdorf bot kammermusikalischen Chorgesang aller Stilrichtungen vom Allerfeinsten. Wunderbare, gut aufeinander eingespielte Stimmen, packende Interpretationen und ganz nebenbei auch eine sehr lebendige Bühnenpräsentation machten die Vorträge im Walderdorffer Hof zu einem Ohren- und Augenschmaus. Ob es anspruchsvolle Chorsätze von Romantikern wie Robert Schumann oder zeitgenössische Vertonungen wie "Du liegst mir im Herzen" von Matthias Becker waren oder auch flotte Pop- und Swingtitel, immer hatte man das Gefühl: "So und nicht anders muss das klingen". Ein beeindruckendes Hörerlebnis und eine echte Entdeckung von Organisator Jürgen Faßbender.
Nach dem gelungenen Event ist die Freude groß auf die Neuauflage in zwei Jahren.
Bild: Limburger Chornacht
Bild: Limburger Chornacht
Bild: Limburger Chornacht
Bild: Limburger Chornacht
Bild: Limburger Chornacht
Bild: Limburger Chornacht
Bild: Limburger Chornacht
Bild: Limburger Chornacht
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Bild: Limburger Chornacht
Bild: Limburger Chornacht
Artikel vom 20. August 2012, 19.40 Uhr (letzte Änderung 21. August 2012, 04.06 Uhr)
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
