Bild: Jeder in seinem eigenen Rhythmus: Beim Sommerfest der Tagesstätte für psychisch kranke Menschen wurde auch Musik gemacht. Foto: Quirein
Fröhlich sitzen die Gäste beisammen, lachen, unterhalten sich und genießen bei schönstem Wetter die ausgelassene Stimmung. Der Duft von frischer Pizza liegt in der Luft. Das Gewinnrad für die Tombola wird kräftig gedreht. "Gleich kommt ein Rap", sagt Gerti Roos, sie ist Bereichsleiterin beim Diakonischen Werk. Sie kündigt den Auftritt einiger Klienten mit ihren Betreuern an und animiert auch die Gäste – Nachbarn, Angehörige, Mitarbeiter und Freunde – zum Mitmachen. Sie klatschen den Rhythmus, während der Rap-Text allerhand aus dem Alltag in der Tagesstätte preisgibt.
Seit 15 Jahren gibt es die Tagesstätte für psychisch kranke Menschen in der Gartenstraße nun schon – das wurde beim Sommerfest gefeiert: "Wir sind ’ne tolle Gruppe, ein jeder hat Respekt. Hier darf man alles wagen, hier wird sich nicht versteckt", lautete eine Liedzeile. Die Menschen, die sich tagsüber in der Einrichtung in der Gartenstraße einfinden, fühlen sich hier geborgen und wohl – mit all ihren Schwächen und Stärken geht es ihnen gut, heißt es im Liedtext.
Die Tagesstätte soll psychisch kranke Menschen mit Hilfe einer klaren Tages- und Wochenstruktur stabilisieren und ihre Kontakt- und Beziehungsfähigkeit fördern. "Ein bisschen ist der Besuch wie arbeiten gehen", sagt Bereichsleiterin Gerti Roos. Das Ziel: den Klienten zurück ins Leben zu helfen. Eine Familie auf Zeit also, die Menschen aus dem Landkreis, die beispielsweise an Psychosen oder Ängsten leiden, ein individuelles ambulantes Betreuungsangebot bietet. Dazu gehört neben Gruppen- und Einzelgesprächen, Tanz-, Musik- und Ergotherapie auch die Hilfestellung in schwierigen Alltagssituationen.
Im Durchschnitt bleiben die Klienten zwei Jahre, sagt Gerti Roos. Insgesamt hat die Tagesstätte bislang etwa 413 Klienten betreut. Tagsüber haben sie ein neues Zuhause mitten in einem ganz normalen Wohngebiet. "Wir haben mit den Nachbarn hier tolle Erfahrungen gemacht", erklärt Gerti Roos. Inklusion werde hier gelebt.
Und so waren auch einige Nachbarn gekommen, um beim Sommerfest mitzumachen. Richtig rund ging es bei der Rhythmus-Übung, die Tanztherapeutin und Sozialarbeiterin Karin Meuser und Erzieherin Sandra Paepe anboten. Plötzlich gab es die verschiedensten Rhythmen, erzeugt durch Klopfen, Klatschen und Schlagen mit einer Plastikrolle auf Bänke, Tische oder den Boden. Jeder hatte seinen ganz eigenen Rhythmus in diesem Orchester. Ein bisschen also wie in der Gruppe der Tagesstätte in der Gartenstraße. (qui)
Artikel vom 30. August 2012, 03.23 Uhr (letzte Änderung 30. August 2012, 05.02 Uhr)
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
