Lettischer Frauenchor „Sapnis“ sang in Lindenholzhausen
Von Anneke Jung
Wie immer, wenn einer der international ausgezeichneten Chöre im Sängerdorf Lindenholzhausen zu Besuch ist, wurde den zahlreichen Zuhörern ein besonders musikalisches Erlebnis beschert.
Der Frauenchor "Sapnis" aus Lettland zeichnete sich nicht nur durch bestens geschulte Stimmen aus. Der glockenklare, kraftvolle und doch bewegliche Klang des Chores ist etwas Besonderes und befähigt das Ensemble dazu, Musik aus allen Richtungen und Epochen stilsicher zu interpretrieren.
Hinreißend waren die Volksliedvertonungen, die die Konzertbesucher in eine andere Welt und einen, wenn auch nicht ganz fremden, aber doch anderen Kulturkreis entführten. Temperamentvoll, lebendig und sehr emotional gestalteten die Sängerinnen jedes einzelne Lied zu einem kleinen Gesamtkunstwerk.
Dabei erwiesen sich mehrere der Ensemble-Mitglieder als großartige Solistinnen, so zum Beispiel Madara Ivane mit dem Lied "Auga, auga ruzena". Ergreifend war auch das Lied "Put, vejini", das zu Beginn des Vortrags im Satz von Imants Kalnins und am Schluss nocheinmal mit der "Harmonie" gemeinsam im Satz von Andrejs Jurjans erklang. Es besingt in bildhafter Sprache die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat Kurland.
"Ave Maria"
Im zweiten Teil des Konzerts zeigten sich die Sängerinnen von ganz anderen Seiten. Zunächst brachten sie einige geistliche Werke, von denen das berühmte "Ave Maria" von Franz Schubert sicher nicht das musikalisch interessanteste war, aber in dieser wunderschönen Interpretation mit der Solistin Gunta Vilne jeden im Saal anrührte. Beeindruckend in Komposition und Ausdruck war besonders "Svete tihi" von Pavel Chesnakov.
Zum Abschluss rissen die Sängerinnen mit schwungvoll gesetzten Titeln aus der internationalen Pop- und Folkloreszene die Hörer fast von den Stühlen. Dabei gesellten sich noch einige junge Herren zum Emsemble, von denen einer besondere Erwähnung verdient, da er fast Entertainerqualitäten entwickelte. Juris Mols führte nicht nur gemeinsam mit einer Chorsängerin in flüssigem, lockerem Deutsch durch den Abend, er erwies sich auch als versierter Solist, der mal bei Nummern wie "Besame mucho" oder "Time to say goodbye" den "Latin Lover", oder bei den Ramstein-Titeln "Ohne Dich" und "Morgenstern" den perfekten Deutsch-Rocker gab.
Aber auch die Solistinnen aus dem Chor Gunta Vilne, Madara Ivane, Anete Bertule und Kristine Ramba standen ihm nicht nach.
Großen Anteil am Erfolg der Vorträge hatten auch die junge Pianistin Ilze Zwaigznekalne sowie die beiden Chormeisterinnen Maija Feldmane und Liene Polakova, die neben Iveta Rismane-Luse bei einigen Stücken den Chor leiteten.
Natürlich hatten die Herren der "Harmonie" Lindenholzhausen unter der Leitung von Jan Schumacher den Gastchor mit einigen Auszügen aus ihrem Repertoire würdig begrüßt. Besonders gefielen hier die beiden Sätze von Matthieu Neumann "Ein Lied von Lieben und Leiden" sowie "Abendstimmen" und das spritzige "Wein und Liebe" von Franz Schubert. Der Männerchor hatte allerdings ganz "gentlemenlike" den Damen den Löwenanteil des Konzerts überlassen.
Artikel vom 01. November 2012, 03.24 Uhr (letzte Änderung 01. November 2012, 05.05 Uhr)
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
