Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
Deutsche Bahn muss mangelhafte Wände austauschen
Nächtliche Warnpfiffe und grelle Beleuchtung an der ICE-Brücke über das Lahntal: Die Arbeiten zur Erneuerung der Lärmschutzwände entlang der ICE-Strecke haben Limburg und Lindenholzhausen erreicht. Ein Bautrupp mit schwerem Gerät ist bereits seit längerem im Bereich des Sauerborns aktiv, um die bisherige Wand gegen eine neue Konstruktion zu tauschen. Jetzt haben auch an der Lahnbrücke die Arbeiten begonnen. Notwendig wurden die aufwendigen Erneuerungen, weil in den ursprünglichen Bauplänen die Druck- und Soglasten für die Standsicherheit der Wände nicht berücksichtigt wurden, wie die Bahn nachträglich eingestehen musste. Durch die Vorbeifahrten der ICE-Züge mit Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h kam es schon kurz nach der Betriebsaufnahme im Jahr 2002 zu Schäden.
In einem Beweissicherungsverfahren vor dem Landgericht Frankfurt beschrieb Gerichts-Gutachter Gerhard Hanswille die Schutzwände als eklatante Fehlkonstruktion: Wandelemente, Pfosten und Pfähle, aber auch Schweißnähte seien angesichts enormer Beanspruchung schlicht ungeeignet. Der Wuppertaler Professor kam darüber hinaus zum Schluss, «dass das bahntechnische Regelwerk für den Neubau der Lärmschutzwände an der ICE-Strecke Köln-Rhein/Main unzureichend und falsch war.» Die beauftragten Baufirmen hätten nicht erkennen müssen, dass ihnen die Bahn «unsinnige Vorgaben» machte.
Darüber hinaus seien in der Planfeststellung sehr genaue Festlegungen zu Sicherheitsabständen oder der Beschaffenheit von Fundamenten getroffen worden, an die sich die Auftragnehmer zu halten hatten. Zu einem Urteil ist es nicht gekommen, da sich die Bahn und die Baufirmen außergerichtlich geeinigt haben (siehe Infobox)
Die neuen Wände erhalten in der Regel einen um 80 Zentimeter größeren Abstand vom Gleis, werden tiefer gegründet und künftig weitgehend aus Beton- statt Aluelementen bestehen. Auf Brücken kann der Abstand nicht vergrößert werden. Dort steht ein Tausch aller Stützen gegen massivere Exemplare an.
Während die Arbeiten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz schon weitgehend abgeschlossen sind, wird die Erneuerung in Hessen noch bis Mitte kommenden Jahres andauern. hpg
Auch an der Limburger ICE-Brücke müssen die Lärmschutzwände ausgetauscht werden. Foto: Günther
