Limburg. Das Limburger Landgericht hat den langjährigen Rentamtsleiter des Bistums gestern wegen Untreue in 362 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt. Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst verkündet danach, welche Konsequenzen die Diözese aus dem Skandal zieht ...

Hinweis:
Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei
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Kirchenbetrüger muss sechs Jahre ins Gefängnis – Bistum kündigt drastische Konsequenzen an

Von Joachim Heidersdorf

Werner Jung-Diefenbach verzieht keine Miene, als der Vorsitzende Richter Josef Bill das Urteil verkündet. Der 55-Jährige starrt zunächst ins Leere, bleibt äußerlich ruhig, wird dann etwas rot. Dazu hat der Mann, der das Bistum allein in den strafrechtlich relevanten vergangenen fünf Jahren um 2,71 Millionen Euro und um insgesamt rund fünf Millionen Euro betrogen hat, allen Grund.

Der Richter haut ihm seine Verfehlungen kräftig um die Ohren. «Sie konnten den Hals nicht voll bekommen», ruft Bill dem bis zu seiner Verhaftung am 9. Oktober 2009 hoch angesehenen Ex-Kassenchef zu. Jung-Diefenbach habe sich mit erheblicher krimineller Energie im ganz großen Stil aus dem Vermögen der Kirche bedient – zunächst als ehrenamtlicher Verwaltungsrat in der eigenen Pfarrei in Lindenholzhausen, dann im Rentamt Nord in Hadamar.

«In Saus und Braus gelebt»

Josef Bill geißelt die teuren Urlaubsreisen von Werner Jung-Diefenbach und seiner Familie. In den vergangenen drei Jahren habe er dafür mehr als 250 000 Euro ausgegeben, für den Richter ein Indiz für Anmaßung und Dekadenz. «Sie haben in Saus und Braus gelebt.»

Die Kammer stellte sich die Frage: Wie kann das passieren, ohne dass es jemandem auffällt? «Man muss nur dreist genug sein, dann geht das», antwortet Bill. «Weil das niemand einem ehrenamtlichen Kirchenrechner und Behördenleiter zutraut.» Der Richter geht nur kurz auf die Kontroll- und Prüfungsmechanismen im Bischöflichen Ordinariat ein, die in diesem Fall offensichtlich versagt haben. «Der Angeklagte kannte die Schwächen des Systems und hat sie ohne mit der Wimper zu zucken ausgenutzt.»

Für Bill steht fest, dass WernerJung-Diefenbach die Millionen nicht vollständig ausgegeben hat, wie der Familienvater beteuerte. Auch die Schilderung bezüglich der finanziellen Wiedergutmachung habe die Kammer nicht überzeugt. «Hier zählt allein der Erfolg, der ist nicht gegeben», so Bill.

Bischof erschüttert

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zeigt sich in einer Pressekonferenz am Dom schockiert und erschüttert über das «schwere Verbrechen» – und auch darüber, dass die Verantwortlichen in seinem Haus fast drei Jahrzehnte lang nichts davon bemerkten. «Dies hat zu einem erheblichen Vertrauensverlust des Bistums in der Öffentlichkeit geführt», beklagt der Bischof. Er hat seine Wallfahrt nach Israel unterbrochen, um «umfassende Strukturveränderungen» im Bischöflichen Ordinariat (BO) anzukündigen.

Die gesamte Finanzverwaltung der Diözese einschließlich der Außenstellen werde durchforstet und einer externen Prüfung unterzogen, die Revision intern und extern völlig neu aufgestellt. «So sollen mögliche Gefahrenpunkte für Unregelmäßigkeiten früher erkannt und dauerhaft beseitigt werden», sagt der 50-Jährige. Einzelvollmachten, wie bei Jung-Diefenbach, soll es nicht mehr geben.

Weniger Personal


Der Bischof gibt bekannt, dass die Personalverantwortung künftig nicht mehr bei den Dezernaten liegt, sondern beim Generalvikar angebunden wird. Neueinstellungen, Versetzungen und Beauftragungen erfolgen damit künftig zentral für das gesamte BO.

Aufgrund dieser Absicht geht Tebartz-van Elst davon aus, dass der Personalstand dauerhaft nicht aufrechtzuerhalten ist. Zahlen will er auf Nachfrage dieser Zeitung nicht nennen. «Wir können dabei nicht nach dem Rasenmäherprinzip vorgehen, sondern müssen sorgfältig analysieren, wo die Schwerpunkte unserer Pastoral liegen und wie viele Mitarbeiter wir dafür brauchen,» sagt der Bischof. Einige Aufgaben müssten verstärkt, andere ganz aufgegeben werden. hei
 
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