Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
Immer höherer Bedarf des Rentamt-Chefs
Während das Bischöfliche Ordinariat mit Hilfe einer Prüfungsgesellschaft danach forscht, wo und wie das Geld abgezweigt worden ist, kümmern sich die Ermittler der Strafverfolgungsbehörde darum, wo das Geld hingeflossen ist. Die Untersuchungen und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft werden allerdings noch etwas länger laufen. Nach Informationen der NNP verdichten sich dabei die Hinweise, dass Werner Jung-Diefenbach mit den veruntreuten Kirchengeldern, die sich auf rund 3,8 Millionen Euro summieren, vor allem sich und seine Familie bedient hat. Unter anderem ist dabei ganz offensichtlich auch kräftig Geld in den Bau von Häusern geflossen, es gab teure Reisen und eventuell noch mehr. Es gibt weiter Zweifel daran, dass das ganze Geld verbraucht ist.
Die Untersuchungen des Bistums im Rentamt Nord sollen in der kommenden Woche abgeschlossen werden. Nach Angaben von Dr. Gernot Sydow, Justitiar des Bistums, sind in den vergangenen zwei Wochen keine weiteren Hinweise mehr auf Unterschlagungen aufgetaucht. Die Schadenssumme bleibt bei rund 3,8 Millionen Euro, die der langjährige Leiter des Rentamts, der sich seit dem 9. Oktober in Haft befindet, innerhalb von zehn Jahren zur Seite geschafft hat. Am 5. Oktober hatten sich die Verdachtsmomente gegen Jung-Diefenbach so weit verdichtet, dass das Bistum die Staatsanwaltschaft einschaltete.
Innerhalb dieses Zeitraums gibt es allerdings eine deutliche Tendenz. Der Finanzbedarf ist offenbar immer weiter gestiegen. In den ersten fünf Jahren summieren sich die Unterschlagungen auf rund 1,3 Millionen Euro, danach auf 2,5 Millionen. Dabei hat sich nach Angaben von Sydow in den vergangenen Monaten die Anzahl der illegalen Buchungen auf das Konto, von dem sich Jung-Diefenbach dann das Geld in einer Bank bar ausbezahlen ließ, deutlich verdichtet. Jedes Mal wurden 7500 Euro ausbezahlt. Ganz offenbar war das auch bei der Bank ein «normaler Vorgang».
Stadt will bei der Aufklärung unterstützen
Die Unterschlagungen im Rentamt waren auch Thema in der Limburger Stadtverordnetenversammlung, denn die Buchungen hat Jung-Diefenbach im Rentamt mit dem Hinweis «Geld für die Stadt Limburg» begründet. Zwischen der Stadt und dem Bistum gibt es durchaus finanzielle Transaktionen, denn ein Großteil der Kindergärten befindet sich in Trägerschaft der katholischen Kirche. Die von Jung-Diefenbach in Auftrag gegebenen Buchungen landeten jedoch alle auf einem Konto, von dem er sich das Geld dann ausbezahlen ließ.
Wie Bürgermeister Martin Richard (CDU) auf die Anfragen von CDU und SPD mitteilte, hat sich das Bischöfliche Ordinariat mit der Bitte an die Stadt gewandt, es bei der Aufklärung zu unterstützen. Die Stadt habe auch umfangreiches Zahlenmaterial im Bezug auf die Kindergartenfinanzierung überlassen. Die Stadt habe in diesem Zusammenhang nicht nur ihre Unterstützung bei der Aufklärung zugesagt, sondern auch darauf verwiesen, dass sie gemäß den Kindergartenverträgen auch einen Nachweis über die Rechtmäßigkeit der Abrechnungen benötigt. jl
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