Er leitet knapp ein Dutzend Chöre im westlichen Hessen vom Kammerchor Cantabile Limburg, der mit Preisen überhäuft wird, bis zu Laienchören auf dem Land.
Nach 28 Jahren als Berufs-Chorleiter, Juror bei zahlreichen Wettbewerben und Mitglied im Weltchorrat kennt der 50-Jährige die Chor-Landschaft wie kaum ein anderer. Zu Fronleichnam feiern die deutschen Chöre ihr großes Fest. Viele traditionelle Männerchöre auf dem Land haben große Probleme, berichtet Faßbender. Seine Prognose: "Mehr als die Hälfte werden die nächsten zehn Jahre nicht überleben."
In den 70er Jahren hatten Chöre selbst in mittelgroßen Orten bis zu 90 Sänger, heute freuen sie sich über 30 oder 40. Das bestätigt auch der Präsident des Hessischen Sängerbundes, Claus-Peter Blaschke. Die Abwanderung junger Menschen, die Vielzahl von Freizeitangeboten zählt er zu den Gründen. "Aber es gibt auch Probleme, die sind hausgemacht." Vielen sei es nicht gelungen, junge Leute einzubinden und rechtzeitig das Repertoire zu erweitern.
"Wenn das Durchschnittsalter 65 ist, verirrt sich da kein Junger mehr hin, die gründen dann lieber was Neues", weiß Faßbender. Und diese neugegründeten Chöre singen zumeist Rock, Pop, Jazz oder Gospel. "Das ist definitiv ein Wachstumsbereich", sagt auch Moritz Puschke, Geschäftsführer des Deutschen Chorverbands. Solche Chöre sind vor allem attraktiv für Jugendliche, "die Spaß daran haben, Songs nachzusingen, die sie aus dem Radio kennen". Es geht nicht so steif zu: "Die tanzen, die tragen andere Klamotten, die sind cool."
Aber nicht nur der musikalische Schwerpunkt ändert sich, sondern auch das Selbstverständnis. Vor zwei, drei Jahrzehnten "war das Musikalische eher zweitrangig", sagt Faßbender. Man hatte die Wahl zwischen Feuerwehr, Sportverein und Singen – im Kern ging es um Geselligkeit. Wer sich heute entscheidet, seine Freizeit in einem Chor zu verbringen, "will mehr als nur nett zusammensitzen und dabei ein bisschen singen", wie Puschke sagt.
Artikel vom 22. Mai 2012, 03.21 Uhr (letzte Änderung 22. Mai 2012, 05.00 Uhr)
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
