Limburg-Lindenholzhausen. Mit einem großartigen, dreistündigen Konzert feierten zahlreiche Chöre und Folklore-Gruppen die Eröffnung des Harmonie Festivals. Die Sänger der Harmonie hatten sogar eine Uraufführung für ihre Gäste vorbereitet ...

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Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei
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Rasante Tänze, erfolgloses Liebeswerben und ein hinreißender Mitarbeiter-Chor der Vereinten Nationen

Von Anken Bohnhorst-Vollmer
Eine Uraufführung zum Festival-Auftakt: Die Sänger der Harmonie begeisterten die Zuhörer im großen Festzelt mit "A Day of Sunshine", einer Komposition von Robert Sund. Fotos: Bohnhorst-VollmerBild:Eine Uraufführung zum Festival-Auftakt: Die Sänger der Harmonie begeisterten die Zuhörer im großen Festzelt mit "A Day of Sunshine", einer Komposition von Robert Sund. Fotos: Bohnhorst-Vollmer

Eigentlich würde man vermuten, dass die Organisation eines internationalen Musikfestivals sämtliche Kräfte der Veranstalter aufbraucht. Bei den Sängern der Harmonie ist das anders. Die begrüßten beim Eröffnungskonzert am Abend des ersten aufregenden und anstrengenden Festivaltages ihre Gäste nicht nur mit der gewohnt ausgewogenen Stimmkraft. Vielmehr präsentierten sie mit "A Day of Sunshine" des schwedischen Komponisten und Dirigenten Robert Sund eine beeindruckende Uraufführung.

"A Day of Sunshine" ist mehr als die schlichte Vertonung einer milden Frühlingsbrise. Es ist die freundliche und ungemein facettenreiche Darstellung eines sonnigen Tages, dessen Beschreibung der Harmonie unter der Leitung ihres quirligen Dirigenten Jan Schumacher hervorragend gelang. Sehr originell war auch die Interpretation des bekannten Anatomie-Spirituals "Dry Bones", bei dem die Harmonisten die Verbindung der einzelnen Knochen so enthusiastisch besangen, als gelte es, eine Wiederbelebungsmaßnahme durchzuführen.

Volksweisen

Musikalisch quicklebendig, wenn auch sehr brav und diszipliniert, zeigten sich anschließend die Kinder und Jugendlichen des Children’s Choir TV & Radio St. Petersburg unter der Leitung von Stanislav Gribkov. Diese jungen Sänger verfügen bereits über eine bemerkenswerte Souveränität. Denn Sergej Rachmaninows Fragment des Vespergottesdienstes (opus 37), "Gottesgebärerin, Jungfrau, freu dich" gehört sicher nicht zum allgemeinen Liedgut junger Leute. Das ist bei der russischen Volksweise "Kalinka" schon etwas anders. Da wurden auch die Petersburger Sänger lockerer, die Rockschöße der cremefarbenen Jacken wippten ein klein wenig, und über manche Gesichter huschte sogar ein bescheidenes, stolzes Lächeln.

Überbordende Freude: Die Dance Group des Franciscan Choir aus Kampala, Uganda, zeigte einen Volkstanz. Fotos: Bohnhorst-VollmerBild:Überbordende Freude: Die Dance Group des Franciscan Choir aus Kampala, Uganda, zeigte einen Volkstanz.

Dass Freude an Musik und Tanz überbordend und grenzenlos sein kann, zeigte die Dance Group des Franciscan Choir aus Kampala, Uganda, mit einem rasanten und lauten Volkstanz. Begleitet von vier Percussionisten wirbelten die Tänzer so temperamentvoll herum, wie man das auf europäischen Bühnen nicht sehr häufig zu sehen bekommt. Ebenfalls sehr munter trat die ungarische Tanzgruppe Siebenschritt auf. Auch dieses Ensemble verbreitete so viel Leidenschaft, dass sich die Zuhörer im gut gefüllten Festzelt gern mitreißen ließen in die Welt der Klatsch- und Springtänze.

Statisch war bei diesem bunten und bewegten Programm in der Tat nichts. Die allermeisten Chöre verfügen mittlerweile über individuelle und originelle "Chor-eografien", die vom Gesang nicht ablenken, sondern diesen noch ein wenig mehr ausschmücken. So ließen etwa die Mitglieder des Imusicapella Chamber Choir aus Imus, Philippinen, ihre Version von Elton Johns "Circel of Life" nicht nur klingen, sondern auch schwingen. Besonders hübsch war zudem die Darbietung eines Jagdliedes, bei dem ein plötzlicher Schrei den munteren Gesang zerreißt und zwar merkwürdigerweise viele Takte bevor der Schuss des Jägers knallt. Und auch der philippinische Chor von der University of the East Chorale, Manila, präsentierte ein unterhaltsames Singspiel. Hier schien es sich um das erfolglose Liebeswerben eines jungen Mannes zu handeln, der von der Dame seines Herzens großmütig abgewiesen wird. Ihm bricht das Herz, was aber in der Singspiel-Version irgendwie verkraftbar war.

Einen gewaltigen Kontrast in ihrem Programm boten auch die Sänger des österreichischen Männerchores aus Götzis, die bei dem "Liedle, Liedle" von Wilhelm Fritz sehr original deftige Jodler in Lindenholzhausen schnalzen ließen und anschließend mit einem flotten La-Cucaracha-Arrangement auf der Bühne fröhlich swingten. Das konnten selbstverständlich die schwungvoll und fröhlich auftretenden Mitglieder von El Café Chorale aus San Jose, Costa Rica, auch, deren "Creole Love Call" von Duke Ellington musikalisch unwiderstehlich war.

Hoch konzentriert und sehr ernsthaft waren die jungen Sänger des Pacific Lutheran University Choir of the West aus dem US-amerikanischen Tacoma. "Ein’ feste Burg ist unser Gott" und die Komposition "The Lightener of the Stars" des jungen Studenten und Sängers J. Michael Saunders waren äußerst feierliche und sehr nuanciert vorgetragene Beiträge zu diesem Konzert.

Vereinte Nationen

Einen besonderen Höhepunkt des Abends erklommen indes die Mitarbeiter der Vereinten Nationen aus New York. Musikalisch war es wahrscheinlich keine Spitzenleistung, was diese United Nations Singers boten. Aber die in ihre Landestrachten gekleideten Vertreter der Welt gemeinsam singend auf einer Bühne zu erleben, war einzigartig. Und was hätte dieser Chor hier besser singen können als "Kein schöner Land". Für die UN-Vertreter gilt der Titel dieses Liedes vermutlich überall auf der Welt.

Und die trifft sich – wenigstens für ein paar Tage – auf dem internationalen Musikfestival in Lindenholzhausen.

Artikel vom 03. Juni 2011, 19.11 Uhr (letzte Änderung 04. Juni 2011, 04.12 Uhr)


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