Sauerborn LindenholzhausenLimburg-Lindenholzhausen. Am 21. Dezember 2012 sollte die Welt untergehen - jedenfalls wenn man vermeintlichen Experten oder besonders besorgten Mitmenschen glauben mag. Die Welt ist zwar nicht untergegangen, dennoch sind in Lindenholzhausen Auswirkungen des Maya-Kalenders spürbar …

Der so von allen Hollessern geliebte Sauerborn ist versiegt.
Er läuft seit einiger Zeit sehr schlecht, bzw. im Moment gar nicht mehr!

Das Problem ist sowohl der Ortsversteherin, als auch dem Ortsbeirat bekannt. Auch der „Sauerborn-Pate“ Bernhard Rompel hat alles getan, was in seiner Macht steht, um das Wasser wieder zum Fließen zu bringen, leider ohne großen Erfolg.

Zudem wurde die Verwaltung der Stadt Limburg bereits über diesen Missstand in Kenntnis gesetzt und ist dabei, nach Maßnahmen zu suchen, dass wieder Wasser aus dem Sauerborn fließt.

Was zunächst bleibt ist ggf. ein Auspumpen des unteren Stockwerkes (ggf. durch die Feuerwehr) und das Nachsehen, ob durch die ständigen Rüttelleien am Ausgussrohr irgendwas beschädigt wurde bzw. um zu prüfen, wie hoch der Sauerborn aus eigener Kraft noch „drückt“.

Der Sauerborn oder "Lubentiusbrunnen", wie er offiziell seit der Namensgebung durch Baron August von Rottkay seit Ende des 19. Jahrhunderts heißt, ist aus der Geschichte von Lindenholzhausen nicht wegzudenken. Ihm verdanken die "Hollesser" auch ihren Spitznamen "Kruggelsche" oder "Kruggeltje". Dieser kommt von den Sauerbornskrügen, den Steingutkrügen aus dem nahen "Kannenbäckerland", in denen der Sauerborn immer geholt wurde.

Man kann nur hoffen, dass alles getan wird, damit er wieder sprudelt!

Erste Erwähnung des Sauerborns im Jahr 1380

Bereits 1380-81 ist eine Zelg der Dreifelderwirtschaft in Lindenholzhausen nach dem Sauerbrunnen (Sauerborn) benannt.

Letze Fassung der Quellen im Jahr 1913

Letztmals entschloss man sich 1913, da die Qualität und Menge des Sauerbrunnenwassers auf die Dauer nicht befriedigte, ein Brunnenneubau durchzuführen, nachdem man im Jahre 1905 eine Versuchsbohrung vorgenommen hatte. Im Auftrage der Namedy-Sprudel GmbH wurde Anfang Juni 1913 von der Firma Baltzer, Diez/Lahn, mit der Aushebung einer riesigen Baugrube für eine Quellen-Neufassung begonnen. Die Grube hatte am Ende die Form eines ellipsenförmigen Trichters mit einer Bodenfläche von 9 x 11 m, einer Tiefe von 11 m und einer oberen Öffnung von 28,5 m Durchmesser.

Auf dem Schachtboden (Tonschicht) waren insgesamt 11 einzelne, bedeutendere Quellenauftriebe vorhanden, die folgendermaßen gefasst wurden:  Mehrere kleine Wasseradern eines Einzelauftriebs wurden mit einer 50 cm breiten Glocke aus Stampfbeton überdeckt und der Hohlraum mit grobem Kies ausgefüllt. Von jeder der 11 Glocken gehen senkrechte Steigrohre (glasierte Tonröhren) durch eine 2 m dicke Tonschicht und einen 1 m dicken Betonboden nach oben in das sog. Reservoir, wo Metallrohre mit Probezapfhähnen senkrecht auf den Tonrohren sitzen. (Anmerkung: Diese befinden sich im Geschoss unterhalb der heutigen Zapfstelle).

Die Gesamthöhe des Quellenhaus-Unterbaus (Füllschacht) beträgt bis zur Sohle 11 m. Der Grundriss des Bauwerkes ist ellipsenförmig (6 x 8 m). Als sich kurze Zeit später im Betonboden zwei Quellenauftriebe zeigten, wurden diese auf die gleiche Art gefasst.

Bis vor kurzem war einer dieser 13 Quellauftriebe noch in Betrieb.

Übernahme durch die Stadt Limburg 1972

In dem Grenzänderungs- und Auseinandersetzungsvertrag zwischen der Stadt Limburg und der Gemeinde Lindenholzhausen vom 30.11.1971 verpflichtete sich die Stadt Limburg im § 10, Absatz 3, den Sauerbrunnen im Jahre 1972 zum Preis von 100.000,- DM zu erwerben. Der Gesamtpreis sollte in zwei Jahresraten von je 50.000,- DM in den Jahren 1972 und 1973 gezahlt werden. Die Bürger des Stadtteils Lindenholzhausen dürfen nach diesem Vertrag weiterhin ihren Haustrunk kostenlos holen.

Neue Handpumpe 1983

Im Jahr 1983 versiegte der Sauerborn. Der Grund hierfür war wahrscheinlich das Anbringen von abstellbaren Zapfhähnen. So suchte sich die Quelle einen anderen Weg. Es gab Risse in den Betonwänden des untersten Stockwerkes im Füllschacht.

Um Abhilfe zu schaffen wurde zunächst ein 38 m tiefes Loch neben dem Füllschacht gebohrt, da die Ader angeblich in dieser Tiefe verlaufen soll. Der untere Teil des Loches wurde anschließend mit Tonkügelchen verfüllt. Oben auf das Loch wurde dann eine "Berliner-Handpumpe" aufgesetzt. Der Wunsch, dass man nunmehr wieder den guten alten Sauerborn zapfen kann, zerschlägt sich, da anscheinend Grundwasser beigemischt ist und der so geförderte Sauerborn nicht mehr richtig schmeckt.

Geplante Verfüllung und die erste Rettung 1984

Weil das Wasser aus der Handpumpe nicht richtig schmeckte, wurde 1984 beschlossen, den unteren Teil im Füllschacht mit Beton und den Rest mit Tonerde abzudichten und zu verfüllen. Man hoffte, dass der Sauerborn sich dann den Weg zum neuen Bohrloch suchen würde. Oben auf dem Füllschacht sollte ein Pavillon errichtet werden.
Weil das Wasser aus der Handpumpe nicht richtig schmeckte, wurde 1984 beschlossen, den unteren Teil im Füllschacht mit Spezialbeton und den Rest mit Tonerde abzudichten und das gesamte Brunnenoval zu verfüllen. Man hoffte, dass der Sauerborn sich dann den Weg zum neuen Bohrloch suchen würde. Auf dem verfüllten Brunnenbauwerk sollte anschließend ein Pavillon errichtet werden.

Und nun geschah das 'Wunder'. Nachdem die Betonverfüllung abgebunden hatte, sprudelte auf einmal der Sauerborn in der unteren Etage aus einem der 13 Steigrohre. Werner Uhe und Bernhard Rompel, beide aus der Stiegelstraße, versuchten durch die Anbindung eines neuen Rohres an das betreffende Rohr den Sauerborn wieder an die gewohnte Entnahmestelle neu anzuschließen. Tatsächlich reichte der eigene Druck gerade so aus, damit in alter gewohnter Weise an der Zapfstelle der kostbare Sauerborn geholt werden konnte.

In der Folge wurden viele weiteren Anstrengungen und weitere Rettungen unternommen.

Nun im Dezember 2012 gibt es wieder Probleme und der Sauerborn fließt nicht mehr

Man kann nur hoffen, dass die Stadt nicht auf die Idee kommt nun den Sauerborn endgültig still zu legen. Man sollte das Möglichste versuchen, um ihn zu reaktivieren, um das Wahrzeichen von Lindenholzhausen zu erhalten. Vielleicht findet sich ja auch ein Förderverein, der Sponsoren zur Reaktivierung des Sauerborns sucht und die Maßnahmen sorgfältig plant. Ansonsten würde ein großes Stück "Kulturgut" und "Traditionspflege" und verloren gehen.

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[Hier] können Sie die ganze Geschichte des Sauerborn lesen.