Limburg-Lindenholzhausen. Das barocke Eichenholzfenster des um 1670 erbauten ehemaligen Pfarrhauses in der Kirchstraße in Lindenholzhausen wurde vor Kurzem liebevoll restauriert …

Das Gebäude zählt zu den ältesten Häusern des Dorfes und liegt direkt gegenüber der alten Kirche. Von 1748 bis zum 31.03.1979 diente es als Pfarrhaus. Nach dem Umzug des Pfarrers Willi Siegmund in das neue Pfarrhaus an der neuen Kirche Am Wingert ging das Haus in privaten Besitz über. Im Oktober 2021 übernahmen die jungen Eheleute Jannik und Nadine Sehr das Anwesen vom Vorbesitzer Hans Albert Bendel.

Bereits 1987 hatte die Familie Bendel im Rahmen der Denkmalpflege und des Dorferneuerungsprogramms eine erste Auffrischung des barocken Fensters vornehmen lassen. Doch im Laufe der Jahrzehnte litten die kunstvollen Schnitzereien zunehmend unter den Witterungseinflüssen.

Die neuen Eigentümer sorgten nun dafür, dass das historische Kunstwerk fachgerecht restauriert wurde und wieder in neuem Glanz erstrahlt.

Bild: Ehemaliges Pfarrhaus in der Kirchstraße in Lindenholzhausen mit dem barocken Fenster aus Eichenholz und der Embleme der Familien Dornuff und Kropp

Restaurierung

Mit der Restaurierung des wurde die Diplom-Restauratorin Janna Goethe aus Schwäbisch Hall beauftragt, die auch beim Weinhaus Schultes in der Limburger Altstadt tätig war. Dank des Engagements der Familie Sehr bleibt das Fenster nun für kommende Generationen erhalten.

Nach Angaben der Familie Sehr beliefen sich die Kosten auf etwas unter 10.000 Euro – ein Betrag, den sie bislang, abgesehen von jeweils 1.000 Euro Unterstützung durch die Stadt Limburg und die hessische Denkmalpflege, selbst tragen mussten.

Dafür gebührt ihnen großer Dank und Anerkennung. Vielleicht finden sich ja noch weitere Unterstützer.

Historie des ehemaligen Pfarrhaus und des barocke Eichenholzfensters

Bauherr des Hauses war der Lindenholzhausener Kirchspiel- und Oberschultheiß Johannes Dornuff (1645–1729), der aus Arfurt stammte. Er ließ in das Fenster die Hausmarken sowie Initialen der Familien Dornuff und seiner Frau Barbara, geb. Kropp einarbeiten:

  • links: 3 Weißdornblüten und Türöffner (Klinke) (= Dorn-uff)
  • rechts: Wolfsangel (= Fam. Kropp) und Türöffner (Hinweis auf Allianz)

Der Sohn Johannes Friedrich Dornuff tauschte 1748 das Haus (Dornuffsche Hof) mit der Kirchengemeinde gegen das bis dahin genutzte ältere Pfarrhaus (Ecke Fallborn-/Kirchstraße). Der Dachstuhl und die zughörigen Ställe und die Scheune wurden beim großen Brand 1801 Opfer der Flammen. 1923 wurde anstatt der Ställe und Scheune der neuere Westtrakt des Pfarrhauses errichtet.

Barockes Fenster aus Eichenholz und der Embleme der Familien Dornuff und Kropp am ehemaliges Pfarrhaus in der Kirchstraße in LindenholzhausenBild: Barockes Fenster aus Eichenholz und der Embleme der Familien Dornuff und Kropp am ehemaliges Pfarrhaus in der Kirchstraße in Lindenholzhausen

Die Familie Dornuff

Der Heimathistoriker Josef J. G. Jung hat bereits vor längerer Zeit die Familiengeschichte des Kirchspiel- und Oberschultheißen Johannes Dornuff erforscht:

Aus den zwei Ehen des Johannes Dornuff ging eine große Kinderschar hervor, die bis heute deutliche Spuren hinterlassen hat. So ließ einer der Söhne, Johann Friedrich Dornuff, 1749 das Innere des Limburger Doms auf eigene Kosten ausmalen, sorgte für die Errichtung der Pfarrei Lindenholzhausen und gründete mehrere Stiftungen. Seinem Bruder Alberich Joseph Dornuff ist es zu verdanken, dass der Vierungsturm des Domes nach dem Brand von 1774 seine heutige, um 6,50 Meter höhere Gestalt erhielt. Alberich stiftete zudem 1740 den Heilig-Kreuz-Altar, der heute in der neuen Pfarrkirche steht. Beide Dornuff-Brüder waren Kanoniker und nacheinander Dechanten des St.-Georgs-Stifts in Limburg.