Limburg-Lindenholzhausen. Schon seit Jahrzehnten werden bei den wiederkehrenden Revisionen des Technischen Prüfdienstes (TPD) diverse Mängel im derzeitigen Feuerwehrhaus Lindenholzhausen in der Schulstraße beanstandet ...
Nun scheint es nach langen Planungen und Verzögerungen wirklich Ernst zu werden mit dem Neubau, denn am 22.05.2026 wurde das Gelände für das neue Feuerwehrhaus eingezäumt und am letzten Wochenende wurde das entsprechende Bauschild aufgestellt.
Alle hoffen nun, dass die Baumaßnahmen weiter voranschreiten.
Zusammenstellung der Daten zum Neubau des Feuerwehrhauses Lindenholzhausen
Gründe der Probleme beim bisherigen Feuerwehrhaus und der Beanstandungen durch den Technischen Prüfdienst sind insbesondere:
- Keine separaten Umkleiden mit Dusche, WC (derzeitige Umkleide in der Fahrzeughalle ist schon lange nicht mehr normenkonform)
- Stellplatzgrößen, Torbreiten, Wege innerhalb der Fahrzeughalle sind nicht mehr normenkonform
- Bereich vor den Hallentoren ist zu klein und nicht mehr normenkonform
- Kein Stellplatz für Anhänger, neues Fahrzeug zur Sicherstellung des Brandschutzes im ICE-Gebiet, Einsatzleitwagen (ELW1) etc. vorhanden
- Schulungsraum zu klein
- Fehlen geeigneter Werkstatträume, Büro etc.
- Kein Lagerplatz für Einsatzmittel
- Keine Möglichkeit der Ausweitung (Umkleide, Fahrzeugboxen etc.)
- Keine energieeffiziente Bauweise
- Unzureichende, sehr geringe Parkplatzanzahl für anrückende Kräfte im Alarmfall
- Schlechte Erreichbarkeit innerörtlich
Bild: Das Feuerwehrhaus in Lindenholzhausen ist in die Jahre gekommen und nicht mehr zeitgemäß © Stadt Limburg
2017:
Die bereits seit Anfang der 2000er Jahre angestellten Überlegungen, das bisherige -1975 eingeweihte- Feuerwehrhaus aufgrund der festgestellten Mängel entsprechend umzubauen, werden im Jahr 2017 ad acta gelegt. Es wird klar, dass der mitten im Ort gelegene bisherige Standort viel zu klein für den erforderlichen Umbau ist.
Um erste Planungen der Stadt Limburg zu unterstützen, bildet sich innerhalb der Feuerwehr Lindenholzhausen eine kleine Projektgruppe, die diverse mögliche Standorte aufzeigt und eine entsprechende Priorisierung vornimmt.
Im November 2017 sprechen sich die Mitglieder des Limburger Haupt- und Finanzausschusses für den Bau eines neuen Feuerwehrhauses aus. Für die Planung soll im Haushalt 2018 eine Summe von 30.000 € bereitgestellt werden (Quelle: NNP Artikel vom 12. November 2017).
Danach wird seitens der Stadt Limburg versucht, die benötigten Grundstücke für den am besten bewerteten Standort an der B8 Ortsausgang in Richtung Limburg zu erwerben. Leider sind jedoch nicht alle Grundstückseigentümer bereit zu verkaufen. Daher wird der am zweitbesten geeignete Standort an der Umgehung in Richtung Eschhofen, dessen Grundstück sich im Besitz der Stadt befindet, ins Auge gefasst.
Im weiteren Verlauf erstellt die Projektgruppe der Feuerwehr augrund der entsprechenden normativen Vorgaben eine komplette Beschreibung, eine Raumplanung sowie Grundrisse und Ansichten.
2019:
Der Magistrat der Stadt Limburg empfiehlt Ende März der Stadtverordnetenversammlung eine Fläche am westlichen Ortsrand nördlich der Straße „An den Krautgärten“ als neuen Standort für das Feuerwehrhaus (Quelle: Heike Lachnit https://hl-journal.de vom 29. März 2019).
2020:
Die von der Projektgruppe der Feuerwehr Lindenholzhausen anhand der normativen Vorgaben für Feuerwehrhäuser erstellten detaillierte Beschreibungen, Grundrisse und Ansichten für einen bedarfsgerechten Zweckbau werden der Stadt Limburg Anfang 2020 vorgelegt.
Bild: Planentwurf der Hollesser Projektgruppe "neues Feuerwehrhaus", erstellt mit einer angehenden Bauingenieurin
Daraufhin führt die Stadt Limburg ein Interessebekundungsverfahren zur Abgabe eines Angebots durch. Grundlage sind die von der Projektgruppe der Feuerwehr erstellten Grundrisse und Ansichten. Elf Büros werden zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. Nach Sichtung der eingegangenen Unterlagen werden fünf Büros zur Abgabe eines Angebots für die Planungsleistungen aufgefordert, wovon vier Angebote einreichen. Das wirtschaftlichste Angebot wird vom Magistrat ausgewählt und das Architekturbüro Petry aus Neuwied wird aufgrund der von diesem vorgelegten Entwürfe mit der weiteren Planung beauftragt (Quelle: https://www.limburg.de vom 23. Februar 2020).
Im Juni vergibt der Magistrat den rund 75.000 € umfassenden Auftrag zur Fachplanung für Heizung, Lüftung und Sanitär an ein Planungsbüro.
Im Rahmen eines "Interessebekundungsverfahrens" bewerben sich sechs Büros zur Fachplanung für Heizung, Lüftung und Sanitär an ein Planungsbüro. Fünf von ihnen werden nach Sichtung der Unterlagen aufgefordert, ein Angebot abzugeben. Das wirtschaftlichste Angebot wird vom Magistrat ausgewählt und im Juni für rund 75.000 € vergeben (Quelle: NNP Artikel vom 26. Oktober 2020).
2021:
Schätzungen vom Februar ergeben rund 3,6 Mio. € als Kosten für den Neubau des Feuerwehrhauses. Die Entwurfsplanung sieht ein 1.350 Quadratmeter großes Nutzgebäude, verteilt auf zwei Stockwerke mit Pultdach und einem viergeschossigen Übungsturm, vor. Der größte Raum des Gebäudes wird die rund 400 Quadratmeter große Fahrzeughalle, die Platz für sechs Feuerwehrfahrzeuge bietet. Direkt hinter der Halle sollen Räume für Werkstätten, die Technik und ein Lager für die Einsatzmittel eingerichtet werden. Ebenfalls hinter der Halle werden die Umkleiden und Toiletten liegen. Nach Angaben der Stadtverwaltung ist mit Fördergeldern in Höhe von 471.600 € zu rechnen (Quellen: https://www.limburg.de vom 24. Februar 2021 und NNP Artikel vom 27. Februar 2021).
Bild-Quelle: Öffentliche Drucksache aus dem https://www.limburg.de/Ratsinfosystem/ Drucksache 21/081 (Öffentlich)
2022:
Am Freitag, 26. August, übergibt der Justizminister Professor Dr. Roman Poseck der Kreisstadt Limburg einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 269.600 € für Neubau des Feuerwehrhauses (Quelle: www.limburg.de vom 26. August 2022).
2023:
Der Magistrat gibt eine Vorlage an die Stadtverordnetenversammlung weiter, in der sich die Mehrkosten auf rund 3,4 Mio. € summieren. Die ursprünglichen Baukosten waren mit 3,558 Mio. € errechnet worden, die vom Architekten errechneten Mehrkosten beliefen sich zunächst sogar auf rund 4,6 Mio. € (Anmerkung des Webteams: Bei den 4,6 Mio. € sind die Kosten für die Außenanlage noch nicht beinhaltet, deren Kosten sich auf weitere mind. ca. 1,2 Mio. € beläuft). Nach Darstellung von Magistrat und Verwaltung ergeben sich für die Kostensteigerung verschiedene Gründe, wie insbesondere die aktuelle Inflation und ihre Auswirkungen auf die Baukosten (Steigerung um fast 40 Prozent) sowie die auf Wunsch der Feuerwehr vorgenommenen Umplanungen (geschlossene Garage statt offenes Carport, Beton- statt Stahltreppe). Für eine Steigerung der Kosten sorgen zudem die Umstellung von Flüssiggasheizung auf Wärmepumpe, die Vergrößerung der Photovoltaikanlage auf den Dächern und die Schaffung von E-Ladestationen an jedem dritten Pkw-Stellplatz (gesetzliche Vorgabe). Verwaltung und Magistrat machen sich Gedanken zu Kostenreduzierung um rund eine Mio. € (Quelle: www.limburg.de vom 07. Juli 2023).
Die Gründe für den Anstieg der Kosten sollen im Auftrag der Stadt durch einen Gutachter geprüft werden. Daraufhin wird am 05.09.2023 die BAUWERT Projektmanagement GmbH & Co. KG mit der Durchführung einer Projektanalyse für den Neubau des Feuerwehrhauses beauftragt. Der Beschluss basiert auf der Vorlage der Kostenberechnung von 11/2022 durch die freiberuflich Tätigen (FbT), die Projektkosten in Höhe von 8,114 Mio. € brutto ausweist. Demgegenüber steht ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 01.03.2021 über die vorläufige Kostenschätzung in Höhe von 3,558 Mio. € brutto.
Es wird festgestellt, dass aufgrund einer erheblichen Baupreissteigerung im Zeitraum zwischen den beiden Kostenermittlungen von einer Kostensteigerung ausgegangen werden muss, jedoch eine Steigerung um 138% einer Aufklärung und der Realisierung von Einsparungen bedarf (Quelle: Projektanalyse der BAUWERT Projektmanagement GmbH & Co. KG vom 22.10.2023).
Zusammenfassung der Kosten im Laufe der Jahre:
- Schätzung (Stadt) 2021: 3,6 Mio. € (ohne Außenanlage)
- Vorlage (Architekt) 2023: 4,6 Mio. € (ohne Außenanlage) + Außenanlage (mind. 1,2 Mio. €) => 5,8 Mio. €
- Rechnerisch ergeben sich durch Preissteigerungen in der Zwischenzeit: +40 % = 2,32 Mio. € => insgesamt somit 8,12 Mio. €
- Kostenberechnung 2022 (freiberuflich Tätige): 8,114 Mio. €
- Vorlage (Magistrat) 2023 in Folge des Gutachtens ergibt: 4,6 Mio. € + 3,4 Mio. € => 8,0 Mio. €
Anmerkung Webteam:
- Vergleicht man die derzeit geschätzten Kosten gemäß Vorlage, Gutachten und Kostenberechnung mit den vorstehenden sich rechnerisch ergebenden Kosten, ergibt sich keinen großen Unterschied.
- Nimmt man die Baukosten entsprechender anderer Feuerwehrhäuser aus der Umgebung mit 5-7 Stellplätzen, ergeben sich derzeit Kosten pro Stellplatz von ca. 1,3-1,4 Mio. € (vor den Preissteigerungen lagen diese bei ca. 1 Mio. €). Somit ergäbe sich für das Feuerwehrhaus Lindenholzhausen ein Kostenrahmen von 7,8 bis 8,4 Mio. €.
- Die Kosten dürften somit im Rahmen liegen.
2024:
Die Stadtverordnetenversammlung beschließt den Verzicht des ursprünglich geplanten 1. OG und des Übungsturms. Zusätzlich wird eine räumliche Optimierung des EG mit einer Bruttogrundfläche von rd. 1.450 qm geplant. Es wird eine Kostenvorgabe von 7,7 Mio. € brutto (Kostengruppen 200 bis 700 nach DIN 276) festgelegt (Quelle: Protokoll der 26. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 01.07.2024).
Dies hat eine Verschiebung des Baubeginns zu Folge, da eine größere Umplanung stattfinden muss und neue Kostenberechnungen erstellt werden müssen.
2026:
Bei der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Lindenholzhausen am 06.03.2026 informiert Stadtrat Michael Stanke die anwesenden Vereinsmitglieder, dass der Baubeginn für das neue Feuerwehrhaus für Mai/Juni diesen Jahres geplant sei.
Am 22.05.2026 wird das Gelände für das neue Feuerwehrhaus eingezäumt. In der KW 25 wird das entsprechende Bauschild aufgestellt:
