Hinweis: Verwendung der Artikel vom Weilburger- bzw. Nassauer Tageblatt mit freundlicher Genehmigung von Mittelhessen.de.
Limburger Verkehrsprobleme: Bürger warten auf eine Lösung durch die Politik
Diese Frage von Martin Zolondek ist am Dienstagabend mit zustimmendem Beifall aufgenommen worden. Ungefähr 80 Personen besuchten im Bürgerhaus in Lindenholzhausen die Debatte zum Thema Verkehr und Umwelt.

Bild: Sie diskutierten Limburger Verkehrsprobleme, v. l. Peter Rompf, Diskussionsleiter Stephan Geller, Hans Dettling, Michael Stanke und Ralph Jung-König. (Foto: Fluck) | mittelhessen.de
Die Ungeduld und das Unverständnis der Bürger waren bei dieser von der SPD organisierten Podiumsdiskussion deutlich zu vernehmen. Die Verkehrs- und Umweltproblematik schwelt in der Kreisstadt seit Jahrzehnten und spitzt sich inzwischen bedrohlich zu.
Die Limburger werfen ihren Mandatsträgern vor, mit immer neuen Gewerbeansiedlungen (zum Beispiel das Einkaufs- und Freizeitzentrum "Werkstadt") mehr Verkehr in die Innenstadt zu ziehen, aber seit Jahrzehnten nichts Gescheites zur Lösung der Verkehrsfragen zustande zu bringen. Die Konzentrationen des giftigen Stickstoffdioxids liege inzwischen erheblich über dem Grenzwert. Ein Anwohner der Diezer Straße redete den Kommunalpolitikern ins Gewissen: "Wir haben nur eine Gesundheit!" und fügte in Bezug auf die stockenden Pläne für die Südumgehung hinzu: "Vogelschutzgehölze kann man auch verlegen, Vögel können fliegen."
Die Diskussion zur Situation von Verkehr und Umwelt trifft einen Nerv
Unter dem Titel "Läuft auf Limburgs Straßen etwas verkehr(t)?" hatte die SPD zu einer Podiumsdiskussion in die Stadthalle eingeladen und traf damit den Nerv zahlreicher Bürger. "Brauchen wir in Limburg ein Gesamtverkehrskonzept?", fragte Diskussionsleiter Stephan Geller (SPD) den neuen Ersten Stadtrat Michael Stanke (CDU).
Stanke listete fünf Konzepte auf, die seit 1970 in Auftrag gegeben wurden, zuletzt 1996 der sozial-ökologische Verkehr, der damals im Rathaus keine Mehrheit fand. "Es ist immer wieder alles mögliche nicht umgesetzt worden", beklagte Stanke und fügte hinzu: "Es reicht nicht aus, alle 15 Jahre ein neues Konzept zu machen, sondern vorhandene Konzepte müssen endlich einmal umgesetzt werden."
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Rompf ist überzeugt: "Unsere enormen Verkehrsprobleme lösen wir nicht mit einer Umgehungsstraße. Wir müssen uns über die Verzahnung mit dem ÖPNV unterhalten. Dafür brauchen wir ein Gesamtverkehrskonzept."
Ralf Jung-König, Vorsitzender des Vereins "Keine Südumgehung Limburg", sieht das so: "Jeder hat ein Verkehrsproblem und eine Lösung für sich, und jeder wurstelt vor sich hin, und da stehen noch die Diezer, die warten, bis Limburg eine Lösung einfällt."
Die Südumgehung, die als überregionale Verbindung vom Flughafen Hahn zur A 3 gedacht sei, werde nichts zur Entlastung Limburgs beitragen. Der "FDP-Variante" fernab von Blumenrod in Richtung des Mensfelder Kopfes gibt Jung-König keine Chance: "Das ist ein EU-juristisch und baurechtlich geschütztes Vogelschutzgebiet. Das Thema hat sich erledigt. Die größte Entlastung hätte eine Westumgehung gebracht, die höchste Punktzahl hätte der sozial-ökologische Verkehr."
Die Diskussion bezog sich immer wieder auf die Nachbarstadt Diez. Ein Teilnehmer warf ein: "Das Diezer Industriegebiet soll doppelt so groß wie jetzt werden, das geht auf unsere Kosten."
Diez und Limburg arbeiten zu wenig daran, Probleme gemeinsam zu lösen
Rompf beklagte, dass der Nachbarschaftsausschuss Limburg-Diez in der zu Ende gehenden fünfjährigen Wahlzeit nur einmal zu Beginn getagt habe, als wenn es keine gemeinsamen Probleme zu besprechen gäbe. Rompf nannte die Industriestraße, die Erweiterung der Firma Schuy an der Stadtgrenze und die Umgehungsstraße.
Die Bürger vermissen fehlende Radwege. In der Innenstadt sei das Radfahren lebensgefährlich. Wo am Straßenrand Parkplätze seien, da könne man keine Radwege bauen, geschweige denn noch Bäume pflanzen, sagte Rompf. Auf dem Podium saß auch Hans Dettling, Leiter des Stadtplanungsamtes Gießen, der sich vergleichsweise mit den Gießener Verhältnissen in die Diskussion einklinkte. Wie sich zeigte, kann der Blick auf Gießen aber nicht helfen.
Befragt nach seinen Wünschen zur Bürgerbeteiligung sagte Jung-König: "Wenn Gutachten fertig sind, muss sie die Kommune im Internet veröffentlichen, damit sie von Interessierten gelesen werden können." Am Beispiel der Bürgerinitiative führte der Vereinsvorsitzende aus: "Es kann nicht sein, dass wir Geld sammeln müssen, um die Stadt zu verklagen, um Gutachten zu bekommen, die mit unseren Steuergeldern angefertigt wurden und auf die wir einen gesetzlichen Informationsanspruch haben."
Der Redner sagte: "Wenn die Stadt nichts zu verbergen hat, warum legt sie diese nicht gleich vor? Stuttgart 21 lässt grüßen" - lebhafter Applaus der Versammlung.
Dokumenten Information
Copyright © mittelhessen.de 2011
Dokument erstellt am 23.02.2011 um 17:18:08 Uhr