TAZBerlin/Limburg. Die taz Verlags u. Vertriebs GmbH hat in ihrer Serie "Reise nach Hessen" einen sicherlich nicht ganz ernst gemeinten Artikel "Dotterdurst in Limburg" veröffentlicht. Auch Lindenholzhausen kommt darin vor ....


Limburg dürfte die höchste Eierautomatendichte der Welt haben. Ein Protokoll aus der Stadt der Fertilität und des Heiligen Stuhls.

Auszug aus dem Artikel:

13.45 Uhr: Flucht zum Egg-Hotspot Lindenholzhausen. Definitiv ein schönerer Ortsname als der des 3,7 Kilometer mit dem Fahrrad entfernten „Niederbrechen“. Absurde Leere am Bahnhof. Reicher Vorort des reichen Limburg. Woher kommt all der Reichtum?

14.00 Uhr: Auf dem Weg zur Ortsmitte. Wieder geht es stramm bergauf. Die Luft ist geschwängert von Rindenmulch. Zwei japanische Kampfkunstschulen liegen auf dem Weg, dazwischen die Post. Zufall? Fast vergewaltigt mich ein Huhn mit vergrößerten Brüsten. Kampf, Huhn und Ei bestimmen hier das Leben.

14.10 Uhr: Aber, aber, alter, freundlich grüßender Mann! Rase nicht zu schnell den Berg hinunter! Neben den Rasen sauberlecken ist das offenbar der Volkssport der Huhn- und also Freudlosen unter den Einwohnern Lindenholzhausens – die Grenze zum Suizid ist fließend. Wer aber ein Huhn überfährt, wird kastriert. Die beiden Eierautomaten, die ein siamesisches Bauernpaar nach seiner Trennung etwa 200 Meter voneinander entfernt baute, sind der ganze Stolz des Dorfes. Zehn Hühner halten in den Geräten je gleichzeitig ihren Arsch in die kalte Zugluft; für jedes Ei, das auf den Boden klatscht, gibt es einen Minuspunkt. 5.874 Hände mussten seit der Errichtung der Automaten amputiert werden, weil der Münzschlitz blockierte. Aber unzählige Besoffene konnten dank ihnen nachts ihren Dotterdurst stillen. Die Eier aus dem Automaten sind mit denen aus dem Karton absolut gleichwertig und können wie diese problemlos als Türstopper, Feuerstein, Arschpfropfen, Aschenbecher oder Scheibenkleister genutzt werden.

14.35 Uhr: Entbehrungsreich war der Weg hierhin. Und nun? Beide Eierautomaten, die etwa 200 Meter trennt, sind leer. „Wesche dää Hitz‘“, sagt die alte Frau, die aus dem Haus kommt und wohl nicht mehr regelmäßig legt. „Vierzig Joar habbe mer dänn scho, des gibs nur hier, is ä rischtsche Sehennswürrdischgeid worn“, gackert sie begeistert. Der Bauer hat offenbar gut in sie investiert.

Quelle: taz Verlags u. Vertriebs GmbH

[Hier] findet man den ganzen Artikel.

[Hier] findet man mehr über die berühmten Eierautomaten aus Hollesse.