Hinweis: Verwendung der Artikel der Nasauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
Von Sabine Rauch
... Nirgendwo sonst sitzen so viele Menschen im Publikum, die leise mitsingen. Nirgendwo sonst gibt es so viele Kenner, die begeistert applaudieren -- auch für die Konkurrenz. Sicher kommen die Chöre aus ganz Deutschland, um sich zu messen, zu erfahren, wie gut sie sind, ob sie vielleicht besser sind als die anderen. Aber das Dabeisein ist bestimmt genauso wichtig. Für die Zuhörer ist die Sache noch einfacher. Sie kommen, um Chören zu lauschen, für die sie sonst weit fahren müssten und die in der Fülle und Qualität sonst selten zu hören sind.
57 Chöre waren in diesem Jahr nach Lindenholzhausen gereist, um beim Chorwettbewerb Cantemus mitzumachen, Frauenchöre, Männerchöre, Kinderchöre, Pop-Ensembles. Der Hamburger Kinderchor Cantemus nahm die weite Reise auf sich, um im Wettbewerb zu singen, sich ein bisschen auszuruhen und dann wieder nach Hause zu fahren. Manche blieben länger, der Frauenchor Concordia aus Kiel zu Beispiel sah sich noch ein bisschen in Limburg um. Und natürlich blieben die Frauen, um die anderen zu hören. Um sich eine Gänsehaut zu holen oder auch mal lachen zu können, wie bei den Urwaldgeräuschen zu «The Lion sleeps tonight» vom Kemper Werkschor Olpe, oder um mit dem Pop- und Jazzchor «VocAlive» von «Brown Eyes» zu schwärmen.
Natürlich ist auch Chormusik Geschmackssache, aber auch die Anhänger des romantischen Liedguts gerieten beim Wettbewerb in der Kategorie «Jazz/Pop» in Entzücken – genau wie die Jury. Gleich von zwei Ensembles waren Linda Horowitz, Peter Habermann, Werner Jung und Michael Schmoll einhellig begeistert: «VocAlive» unter der Leitung von Stephanie Miceli und «Key West», Leitung: Alberto Mompellio bekamen die volle Punktzahl und damit ein Diplom in Gold. Und «VocAlife» noch einen Sonderpreis: «für die überwältigende A-capella-Performance».
Viel Bewegung auf der Bühne
Überhaupt, die Performance: Kaum noch ein Chor steht einfach nur da und singt so sauber und innig er kann: Alles ist in Bewegung – auch beim Chorgesang. Da wird getanzt, die Sänger gehen in die Knie, wenn es sein muss oder bewegen zumindest ihre Arme, und das gilt auch für die großen eher traditionellen Chöre, wie den Chorkreis Deggendorf. Wenn er sein «Sesi we», ein Volkslied aus Südafrika, singt, dann kommt Schwung ins Dorfgemeinschaftshaus.
Und noch etwas ist in Bewegung: Die Mode auf der Bühne. Nur noch wenige Männerchöre kamen im Anzug, nur noch wenige Frauenchöre mit buntem Schal. Es darf auch mal die Jeans sein oder die elegante Abendrobe. Alles ist erlaubt, Hauptsache, es macht Freude. Schließlich gilt es, auch die jungen Leute für den Chorgesang zu begeistern, und das gelingt den wunderbaren Kinder- und Jugendchören und den Pop- und Jazzchören sicher am besten.
Den einen (dem Mädchenchor «La Capella» Friedrichsdorf) zum Beispiel, weil sie Claude Debussys «Les Angelus» genauso wahrhaftig interpretieren wie das «Mädchenlied» im Satz von Augustin Kubizek. Die anderen, weil sie auch mal «Rammstein» singen dürfen – wenn auch voller Poesie. Das Lied von den Nachteilen des Engel-Daseins gab es an diesem Abend gleich drei mal zu hören -- mal zart und verhalten, mal laut und schrill. Besser lassen sich die Möglichkeiten der Chormusik nicht vergleichen.
Und trotzdem kamen nicht nur die meisten Chöre von weit her, sondern auch die Zuhörer. Und viele, die zwar von nahem kamen und gerne alles gehört hätten, hatten keine Gelegenheit. Weil sie an beiden Wettbewerbstagen in der Küche gearbeitet haben, sich um die Chöre gekümmert oder am Info-Stand gestanden haben. «Ohne den Einsatz der fördernden Cäcilia-Mitglieder wäre das Ganze hier überhaupt nicht möglich», sagt Andrea Schupp, die Erste Vorsitzende die Frauenchores der Cäcilia. Nur eines fehlte, sagt Andrea Schupp: «Nächstes Mal werden wir auch einen Baby-Wickeltisch aufbauen. Dann sind wir wirklich für alle Fälle gerüstet.»
Andrea Hermes von «VocAlive» ist auch jetzt schon sehr zufrieden mit dem Chorwettbewerb. «Mir gefällt der kleine, intime Rahmen», sagt sie. Auch ihre Kollegin Britta Joh lobt die Atmosphäre: «Für so einen großen Wettbewerb ist die Stimmung hier sehr freundschaftlich.» Noch mehr Lob kommt von Nicole Wrobel von KeyWest»: «Wir kommen immer wieder gerne. Auf den anderen Wettbewerben ist alles so steif. Hier ist die Stimmung einfach toll. Hier kann man mit den anderen Chören feiern.» Und man kann ihnen zuhören.
Die Ergebnisse des Chorwettbewerbes finden Sie im Internet unter www.caecilia.de.