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Lothar Preßler hat in seinem Leben viele Schicksalsschläge erlitten
Von Bernd Bude
Lothar Preßler sagt, er fühle sich zurzeit, nach sechs Operationen, "recht gut". Aber wenn er zwei Mal im Jahr zu den Nachsorgeuntersuchungen in die Zahn-, Mund- und Kieferklinik in Mainz geht, habe er immer wieder ein "mulmiges Gefühl". Die dortigen Ärzte hätten ihn dazu ermutigt, über seine Erkrankung in der Öffentlichkeit zu berichten, sagt der 58-Jährige. "Ich möchte Leuten, denen Ähnliches passiert ist wie mir, Hoffnung machen", sagt Preßler.
Seit 20 Jahren weiß Lothar Preßler, dass er Krebs hat, schlecht geht es ihm schon länger. Lothar Preßler, im Berufsleben Mitarbeiter des Limburger Bauhofes und Nebenerwerbslandwirt, war mit seinem Kollegen Alois an einem schwülen Tag im August 1990 auf dem Feld mit dem Mähdrescher unterwegs. Weil es am Himmel zusehends dunkler wurde, beschloss Preßler den Häcksler von der Maschine abzubauen, um schneller unterwegs sein zu können. Dabei rutschte er ab und fiel zu Boden. Beim Abtasten mit dem Finger im Gesicht fühlte er eine zirka zwei Zentimeter tiefe Platzwunde am Unterkiefer, die er mit einem Pflaster überklebte.
"Simulant"
In der Folgezeit hatte Lothar Preßler nur noch Schmerzen im Unterkiefer. Schmerzen, die unerträglich wurden. Der Zahnarzt stellte auch bei Röntgenaufnahmen nichts fest und verschrieb im Dezember 1990 starke Schmerzmittel. Wegen der nun ständigen psychischen Hochs und Tiefs ging Preßler zu einem Psychiater, der ihm nach drei Sitzungen attestierte, er sei ein "Simulant." "Ich habe seinen Schreibtisch angehoben und alles auf den Boden geworfen. Ich war in Rage."
Die Schmerzen wurden immer schlimmer. Erst im Juli 1991, ein Limburger Arzt hatte gerade seine neue Praxis eröffnet, sollte sich dieser Mediziner, wie Lothar Preßler es heute rückblickend bezeichnet, als Lebensretter erweisen. Der Arzt schickte seinen Patienten zu einem Nuklearmediziner, der überwies Preßler an die Zahn-, Mund- und Kieferklinik nach Mainz. Nach einer Gewebeprobe kam der Tiefschlag und die Diagnose: Ein Osteosarkom, einer der gefährlichsten Knochenkrebse, wurde fest gestellt. "Wenn wir Sie durchbringen sollten, wird es ein sehr langer, schmerzreicher Weg mit vielen Entbehrungen", hätten ihm die Ärzte damals gesagt.
Es folgten Operationen, das Gesicht war entstellt und nur der Gedanke an seinen zehnjährigen Sohn Manuel ließen Lothar Preßler die Hoffnung nicht aufgeben. Nach der zweiten Operation kam die gute Nachricht vom Professor: "Sie schaffen es. Von unserer Seite ist alles getan. Nun liegt es an Ihnen. Denken Sie positiv!" "Ich heulte vor Glück", sagt Lothar Preßler. Dann hätten ihm die Ärzte gesagt, dass der Krebs durch den Stoß an seinem Mähdrescher ausgelöst worden war.
Das Martyrium war jedoch noch nicht vorbei. Der Unterkiefer musste neu aufgebaut werden, die Ärzte entschieden sich, Knochen des Beckenkamms in den Mund zu implantieren. 13 Stunden dauerte die OP. 1994 wurde die neue Prothese eingesetzt. "Ich habe wieder geweint. Denn es war ein großes Gefühl nach eineinhalb Jahren wieder zubeißen zu können, ohne alles klein zu schneiden."
Dann der große Schicksalsschlag 1997: Preßlers einziges Kind wurde Opfer eines Autounfalls. "Warum hatte alles in der Welt sich gegen mich verschworen? Diesen Schicksalsschlag habe ich bis heute nicht überwunden." Im Jahr 2000 verließ ihn dann seine Frau. "Finanziell so gut wie am Boden, musste ich außer dem Krebs und dem Tod meines Buben auch noch diese Sache zu stemmen versuchen. Ich habe es mit der Hilfe meiner Familie geschafft." Der Krebs war besiegt, und irgendwann kam auch in Lothar Preßlers Leben wieder Licht am Ende des Horizonts. In einem Baumarkt lernte er eine junge Frau kennen und heiratete sie am 6. Juni 2006.
Artikel vom 26. Mai 2011, 18.51 Uhr (letzte Änderung 27. Mai 2011, 04.15 Uhr)
Die Versammlung wählte jeweils einstimmig mit einer Enthaltung Barbara Bäcker (CDU) zur neuen Ortsvorsteherin und Kurt Weyhrauch (SPD) zu ihrem Stellvertreter.