Bild: Hans Schlaud in der Probestunde des Männerchors der Germania Sindlingen: Seit 48 Jahren ist er der Dirigent dieses Chores, der als der größte gewachsene Chor in Frankfurt gilt. Nachwuchssorgen gibt er hier keine. Foto: Maik Reuß
Der Dirigent zahlreicher Chöre wird heute im Bolongaropalast mit dem Hessenlöwen ausgezeichnet
Wenn Hans Schlaud über seine Leben mit der Musik spricht, gibt es viel zu erzählen: "Mein ganzen Leben lang bin ich der Musik verbunden." Noch als Schüler habe er 1962 die Leitung seines ersten Chores übernommen. Schlaud erinnert sich: "In kurzen Hosen hab ich als 17-Jähriger vor den Sängern gestanden. Das waren größtenteils gestanden ältere Herren. Ich war mit Abstand der Jüngste." Schlaud erinnert sich auch noch an das Stück, das er für seine Bewährungsprobe beim Chor "Frohsinn" aus Wiesbaden-Bierstadt vorgelegt hatte: "Wer recht in Freuden wandern will". Aus vier Anwärtern wurde der 17-Jährige schließlich ausgewählt.
Studium finanziert
Das war der Auftakt für seine weitere musikalische Arbeit. Als Dirigent finanzierte er sich sein Studium in Mainz, Frankfurt und am Salzburger Mozarteum. Als 20-Jähriger übernahm er auch die Leitung des Männergesangsvereins Germania Sindlingen, den er bis heute dirigiert. Nach besonderen Momenten seines Schaffens befragt, zählt Schlaud unter anderem die musikalische Begegnung mit dem großen Komponisten Paul Hindemith auf. Den lernte er während seines Studiums an der Frankfurter Musikhochschule kennen. "Hindemith war damals Gastdozent in Frankfurt und hat dort mehrere Chor-Orchesterstücke aufgeführt." Für den jungen Studenten war es eine "große Ehre", mit dem damals bereits berühmten Komponisten zusammenzuarbeiten. In den Proben saß Schlaud am Klavier und ersetzte die Orchesterpartitur durch sein Klavierspiel.
Im Vatikan zu Gast
Zu den ebenfalls bedeutenden Momenten in seinem musikalischen Leben zählt die Einladung des Vatikans 1980 zum 60. Geburtstag von Papst Johannes Paul II., verbunden mit der Bitte, eine Messe für den Papst zu komponieren. "Der Kontakt zum Vatikan kam über den damaligen Limburger Bischof Franz Kamphaus zustande." Mit dem Chor "Cäcilia" aus Lindenholzhausen führte Schlaud seine Messe für den Papst auf. Er überreichte sein handschriftliches Manuskript, das seitdem im Vatikan aufbewahrt wird. "Das war ein fantastisches Erlebnis", erinnert er sich. Bis heute hat er den Kontakt in den Vatikan nicht abreißen lassen.
Neben diesen herausragenden Erlebnissen glänzte Schlaud mit zahlreichen gewonnen Chorwettbewerben. "Ich sag’s ja ungern, aber mit den Wettbewerben habe ich mir in Deutschland, aber auch international einen Namen machen können." So hat er unter anderem den internationalen Franz-Schubert-Wettbewerb in Wien gewonnen oder konnte sich gegen "unglaubliche Konkurrenz beim Prager Smetana-Wettbewerb" durchsetzen. Zu Hochzeiten hat er bis zu zwölf Chöre gleichzeitig geleitet. "Das konnte ich nur schaffen, in dem ich jeweils zwei Proben hintereinander gelegt habe", erklärt er sein System. An fünf Abenden der Woche war er so mit seinen Chören beschäftigt. Dazu kamen die Konzerte an den Wochenenden. Dem Familienmensch Schlaud blieb trotz allem genügend Zeit für Frau und Kinder. "Durch den Abendjob habe ich sogar ausgesprochen viel von meinen Kindern erlebt."
So wie Schlaud selbst in die musikalischen Fußstapfen seines Vaters trat – der ebenfalls Chorleiter war –, hat er die Freude an der Musik auch an seine Tochter und seinen Sohn weitergeben können. "Beide leiten heute auch Chöre", freut sich der stolze Vater.
Mit mittlerweile 68 Jahren will es Hans Schlaud heute etwas ruhiger angehen lassen. Nicht mehr für zwölf, sondern "nur noch" für fünf Chöre führt er den Taktstock. An Chorwettbewerben will er sich nicht mehr beteiligen. "Den riesigen Stress will ich mir nicht unbedingt länger antun." Konzerte allerdings wird er mit seinen Chören weiterhin geben. Außerdem ist er als Klavier- und Keyboardlehrer in der Musikschule im eigenen Haus in Idstein aktiv. (ehm)
Artikel vom 30. November 2012, 03.22 Uhr (letzte Änderung 30. November 2012, 05.05 Uhr)
Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.