Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
Von Anken Bohnhorst-Vollmer
Mike ist der Mann des Abends. Ihn, den mit Handschlag begrüßten Gast aus der ersten Reihe, macht der charmante und freche Zauberkünstler Nils Lappahn zu Beginn des Abends spontan zum «Special Guest», der in fast jede Pointe von «NervenSegen & Friends» miteinbezogen wird. Und davon gibt es bei diesem Bühnenspektakel reichlich, denn das «NervenSegen»-Trio, Valeska Judisch, Kai Gemeinder und Marcus Gemeinder, hat diesmal mit Nicole Jost und Nils Lappahn zwei außergewöhnliche Künstler dabei. Gemeinsam haben sie am Samstagabend ein Programm zusammengestellt, das eine perfekte Mischung aus Kabarett, Comedy und Musik ist und dessen geistreich-witzige Moderation Nils Lappahn übernommen hatte.
Dieser junge Mann ist ein unterhaltungskünstlerisches Naturtalent, wie er da mit dem Publikum begeisterte Ah-Rufe und entgeisterte Oh-Laute einübt, ein «kollektives Ausrasten für den perfekten Programmstart» fordert, und dann als der Saal tatsächlich bebt, sachlich quittiert: «Das hatte viel Schönes.»
Zwischendurch zaubert er ein wenig mit Bällen und Tüchern und kündigt den gefährlichsten aller Kartentricks an, bei dem er mit verbundenen Augen die durch die Luft schwirrende «Karo Sieben» im Flug mit einem Messer aufspießen will. Das wird so spannend und witzig inszeniert, dass das Ergebnis zur Nebensache wird. Denn natürlich flattern alle Spielkarten irgendwohin, im Konfettischimmer gerät die Szene noch bunter, und das Einzige, was wirklich klappt, ist der dramatische Wirbel auf einer Kleinkindertrommel – veranstaltet selbstverständlich von Mike.
Der hat bei Kai Gemeinder und Valeska Judisch dann eine kurze Verschnaufpause, denn diese beiden laden die Zuschauer ein ins Eheleben von Heinz und Hilde Becker. Da philosophiert Heinz ein wenig über Hildes Parfüm mit der Duftnote von «Handwaschdufttüchelsche» und erklärt, was Angela Merkel mit ihren Altkleidern tut: «Sie zieht sie an!»
Und dann hat Valeska Judisch alias Hilde einen ihrer brillanten Auftritte und singt, wie immer sehr virtous begleitet von Pianist Marcus Gemeinder, «ich wär so gern ein Sex-Appeal – zur Hälfte Sex, zur Hälfte Peal». Da würde sie auch schon aufs Ganze gehen mit «Sieben-Appeal und Acht-Appeal, mir wäre kein Appeal zu viel, im Geigentiel». Das ist ebenso großartig wie Valeska Judischs Gabe, ihren Sprechgesang auf atemberaubende Tempi zu treiben, wenn sie die Männerreize von Neandertalern besingt oder ihr «Lied vom Angucken» vorträgt.
Wundervolle Gesangs- und Tanzeinlagen
Eingeflochten in dieses Programm aus Kabarett und Comedy sind die wundervollen Gesangs- und Tanzeinlagen von Nicole Jost. Besonders beeindruckend gelingt ihr ihre «Big-Spender»-Interpretation, bei der sie sich so gekonnt auf dem Flügel räkelt, dass sich im Saal wahrscheinlich mühelos mehrere Dutzend Männer zum Big Spending bereiterklären würden.
Nicole Jost ist bei diesem Programm gewissermaßen das Zünglein an der Waage: Sie singt und tanzt nicht nur professionell, sondern verbindet den Schwarzhumor von «NervenSegen & Friends» so gekonnt miteinander, dass der gesamte Abend witzig und spritzig bleibt und zu keinem Zeitpunkt in billigen Klamauk abkippt.
«NervenSegen & Friends» im Lindenholzhäuser Bürgerhaus: Nicole Jost singt «Big Spender», begleitet von Marcus Gemeinder am Klavier. Fotos: abv