Limburg. Der Bischof hat seine Wallfahrt nach Israel unterbrochen, um über die Konsequenzen des Finanzskandals zu berichten. Im Ordinariat wird es viele Veränderungen geben ...

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Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei
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Bischof reagiert auf Finanzskandal und den damit verbundenen Vertrauensverlust
 
Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst (rechts) und Finanzdirektor Hans-Peter Althausen gestern Mittag in der Michaelskapelle. Foto: Heidersdorf
Bild: Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst (rechts) und Finanzdirektor Hans-Peter Althausen gestern Mittag in der Michaelskapelle. Foto: Heidersdorf
 
Von Joachim Heidersdorf

High noon in der Michaelskapelle: Um punkt zwölf «schießt» Franz-Peter Tebartz-van Elst mit scharfen Worten gegen seine langjährige Führungskraft und kritisiert indirekt die bestehenden Prüfungsmechanismen in seinem Haus. Aber es rollen keine Köpfe im Bistum, wie Beobachter wegen der Anreise des Bischofs aus dem Heiligen Land vermutet hatten.

Er dankt vielmehr Finanzdirektor Hans-Peter Althausen für die «Arbeit, die er hier im Blick auf eine Zeit übernommen hat, in der drei seiner Vorgänger Verantwortung getragen haben». Und er lobt ihn ausdrücklich für seine konsequente Vorgehensweise bei der Aufklärung. Der 60-Jährige wird wohl zu den «altersbedingten Pensionierungen in diesem und im nächsten Jahr» gehören, die nach Angaben des Bischofs mit den umfassenden Strukturveränderungen im Bischöflichen Ordinariat (BO) einher gehen werden.

Die Entscheidung, die Pilgerreise nach Israel zu unterbrechen, will der Bischof als Signal dafür gewertet wissen, wie er Führung im Bistum versteht. «In einer solchen Situation habe ich hier zu sein. Daran ersehen Sie, wie ernst es mir ist, meine Verantwortung für das ganze Bistum wahrzunehmen.»

Tebartz-van Elst äußert sich erschrocken, dass jemand mit so viel krimineller Energie im Namen der Kirche gehandelt hat. «Es bleibt bei aller erfolgten Aufklärung unbegreiflich, wie ein Mensch so grob und vorsätzlich seine gesamte Umgebung getäuscht hat», sagt der Bischof. «Neben dem immensen Geldwert, der uns fehlt, haben die strafbaren Taten zu einem erheblichen Vertrauensverlust des Bistums in der Öffentlichkeit geführt.» Er betont, dass unmittelbar nach der Erhärtung der ersten Verdachtsmomente in seinem Auftrag sofort Strafanzeige gestellt wurde. hei
 
Vergebung

Am kommenden Sonntag beschäftigt sich die Kirche mit dem Evangelium vom verlorenen Sohn. . .

«Fällt es Ihnen schwer, Herrn Jung Diefenbach zu vergeben?», wollten wir vom Bischof wissen. «Als Christ muss ich dem Einzelnen vergeben», sagte Franz-Peter Tebartz-van Elst. «Wir sind aufgerufen, Barmherzigkeit zu üben. Deshalb dürfen wir die Tat jedoch nicht verharmlosen.» hei
 
Dank an Mitarbeiter

In der kirchlichen Verwaltung spielt das Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter nach Angaben des Bischofs eine zentrale Rolle, die Zusammenarbeit werde von einem besonderen Grundvertrauen bestimmt. Dieses Vertrauen sei von Jung-Diefenbach «in besonders niederträchtiger Weise» missbraucht worden. Trotzdem dürfe nicht verkannt werden, so der Bischof, dass die vielen Mitarbeiter im BO und seinen Außenstellen ihren Dienst in großer Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und Einsatzbereitschaft leisteten. All denen danke er ausdrücklich. «Das schwerwiegende Vergehen eines Einzelnen darf – wie auch in anderen derzeit diskutierten Fällen – nicht dazu führen, dass ehrenwerte Mitarbeiter unter Verdacht gestellt werden.» hei
 
Exkommunizierung im Raum

Werner Jung-Diefenbach droht nach seiner Verurteilung wegen Untreue noch ein weiteres Verfahren – ein kirchenrechtliches. Und an dessen Ende könnte die Exkommunizierung, der Ausschluss aus der Katholischen Kirche, stehen. Das machte der Bischof gestern deutlich. «Wir müssen uns ernsthaft fragen, ob jemand Mitglied der sakralen Gemeinschaft der Praktizierenden bleiben kann, wenn er sich so an der Gemeinschaft der Kirche versündigt hat», sagte Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Das gleiche gelte im Zusammenhang mit dem derzeit im Blickpunkt stehenden sexuellen Missbrauch. «Wir geben alle Verfahren sofort nach Rom», so der Bischof. Priestern drohe der Ausschluss aus dem Klerikerbund. hei
 
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