Limburg. Im Limburger Prozess wegen veruntreuter Kirchengelder in Millionenhöhe hat die Untergebene und Geliebte des Angeklagten am Dienstag jedes Mitwissen abgestritten ...

Hinweis:
Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei
.

... Die 54 Jahre alte Bilanzbuchhalterin sagte als Zeugin aus, sie habe seit 25 Jahren ein Verhältnis mit dem ehemaligen Leiter des kirchlichen Rentamts in Hadamar gehabt.

Der Mann hat nach eigenem Geständnis mehrmals in der Woche 7500 Euro vom Konto einer katholischen Kindertagesstätte in bar abgehoben. Die Anklage listet von 2004 bis 2009 insgesamt 362 solche Fälle auf, der Schaden für das Bistum Limburg wird auf 2,7 Millionen Euro beziffert. Frühere Fälle sind verjährt, die Kirche hat nach eigener Schätzung etwa 4,8 Millionen Euro verloren. Das Rentamt unterstützt kirchliche Einrichtungen und Gemeinden bei Finanzen und Verwaltung.

«Ich schwöre bei Gott und ich möchte tot umfallen, wenn ich von den unrechtmäßigen Abhebungen gewusst habe», sagte die Frau. Sie habe keine Bedenken gehabt, die Barabhebungen zu verbuchen. Den Nachschub auf dem Konto des Kita-Trägers sicherte der Angeklagte, in dem er vom Rentamt insgesamt 900.000 Euro dorthin überwies. Auch dies verbuchte die Frau - angeblich ohne misstrauisch zu werden.

Ob sie denn Geld vom Angeklagten bekommen habe, wurde die Frau vom Vorsitzenden Josef Bill gefragt. Zunächst wollte die Zeugin die Aussage verweigern, nach Rücksprache mit ihrem Rechtsbeistand gestand sie, Gelder erhalten zu haben. Die Polizei listete schließlich 60.000 Euro auf, die auf ihr Girokonto geflossen waren. «Das kann sein, dass es so ist», sagte die Frau. Das Geld sei jedoch kein Schweigegeld gewesen, sondern es sei geschenkt worden. Der Angeklagte, dessen Aussagen von den rund 100 Zuhörern mehrfach von Missfallenskundgebungen begleitet wurden, entschuldigte sich bei der Frau. «Sie hat von meinen Verfehlungen nichts gewusst», beteuerte er.

Der Rentamtsleiter habe ihr eine gemeinsame Zukunft vorgegaukelt, sagte die Zeugin. Er habe die ganze Belegschaft des Amtes, insgesamt 35 Personen, glauben gemacht, er sei nicht verheiratet, seine Kinder seien nicht von ihm und er wohne im Priesterseminar. Ihr selbst habe er erzählt, seine Ehe sei von der Kirche annulliert worden.

Die Richter haben im Gerichtssaal Platz genommen und werden von Journalisten belagert. Die Richter im Limburger Prozess. (Archivbild)
Die Richter haben im Gerichtssaal Platz genommen und werden von Journalisten belagert. Die Richter im Limburger Prozess. (Archivbild)

[Hier] finden Sie den Original Artikel auf der NNP Seite mit eventuellen Kommentaren unter dem Artikel.

[Hier] im Webauftritt von Lindenholzhausen.de finden Sie unseren Artikel "Untreue-Prozess: Berichte & Ergebnisse" mit der Historie und entsprechenden Links.