Hinweis: Verwendung der Artikel der Nasauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.
Von Anette in Concas
Weitere Brunnenbauten wird es bei mir nicht geben», sagte der ehemalige Bürgermeister von Limburg, Dr. Wolfgang Rüdiger (SPD), kurz nach seinem Amtsantritt, im Januar 1986, mit der Begründung, er wolle keine Prestigeobjekte mehr verwirklichen. Was er damals als Prestigeobjekte ansah, war und ist – nicht nur in Limburg – ein wichtiger Teil des Stadtlebens.
Beliebte Treffpunkte, besseres Klima
Gerade die Limburger Brunnen sind beliebte Treffpunkte, haben soziale Funktionen, auch wenn sie nach der Einführung des Leitungswassers nicht mehr der Wasserversorgung oder als Waschplatz dienen. Durch die Verdunstung im Sommer kühlt ihr Wasser und trägt zur Verbesserung des Kleinklimas bei – große Einkaufszentren haben sich dieses Prinzip längst zunutze gemacht und bauen in die Gebäude attraktive Zierbrunnen ein. Brunnen schreiben Stadtgeschichte, sie sind Sehenswürdigkeiten, Symbolträger, Erinnerungsstücke, ja, und natürlich Geschichtenerzähler, wie wir im Laufe der nächsten Zeit in unserer Brunnenserie verfolgen können.
In Limburg gibt es rund 20 Brunnenanlagen in der Gesamtstadt. Sie alle müssen gewartet und unterhalten werden. Vier der historischen aber eher unauffälligen Trinkwasserbrunnen, an denen sich die Bürger mit dem Eimer Wasser holen konnten, sind erhalten. Sie wurden umgebaut, so dass sie jetzt ein Selbstschluss-Ventil haben. Die gußeisernen Brunnen stehen in der Westerwaldstraße, an der Rütsche, am Roßmarkt und am Dom. Die beiden letzten sind zurzeit in Betrieb und können genutzt werden. Auch vier Handschwengelpumpen sind erhalten: Zwei stehen in Offheim, einer in Eschhofen an der Burg und einer in Ahlbach an der Kirche.
Es gibt natürlich noch die Hingucker, also die Zierbrunnen, und über die gibt es richtig viel zu erzählen: der Georgsbrunnen auf dem Neumarkt, die Pusteblume auf dem Serenadenhof und der Ritter-Hattstein-Brunnen auf der Plötze; dann der Stadtteile-Brunnen am Bahnhof, der Werner-Senger-Brunnen am Europaplatz, der Samson-Brunnen am Diözesanmuseum, der Brunnen mit der Schale und Blume im bischhöflichen Garten und in der Brückengasse 2, im Hof der ehemaligen Posthalterei von Thurn und Taxis, die Brunnenschale aus Sandstein, die einst als Ehrenmal den Neumarkt zierte.
1985 war das Limburger Brunnenjahr
Und in den Ortsteilen? In Lindenholzhausen gibt es den berühmten Lubentiusbrunnen (Sauerborn) und den Wendelinusbrunnen, in Dietkirchen den Brunnen am Reckenforst und in Ahlbach den an der Dehrner Straße in Form von Basaltsäulen mit einer kleinen Fontäne. Einst existierte auch ein Froschbrunnen (beim Friedhof auf dem Schafsberg), und in alten Schriften wird viel über den Hausbrunnen der Pallottiner berichtet.
Die Stadt lässt sich ihre Schmuckstücke einiges kosten. Rund 120 000 Euro fallen Jahr für Jahr als Kosten an: Chemikalien, Strom, Wasser, Reparaturen, Wartung und Unterhaltung sorgen dafür, dass die Limburger und ihre Gäste sich an den Brunnen wohl fühlen.
Wenn es in Limburg je ein Brunnenjahr gab, dann war es das Jahr 1985. Damals, noch unter Bürgermeister Josef Kohlmaier, wurden vier Brunnen, drei städtische und und der Brunnen des Diözesanmuseums, aufgebaut – oder zumindest geplant. Nachdem der letzte von ihnen im Sommer 1986 enthüllt wurde, war Schluss mit den «Prestigeobjekten» – seit der Amtszeit von Bürgermeister Rüdiger wurde wirklich kein Brunnen mehr gebaut.
Hans-im-Glück-Brunnen in der Schublade
Aber ein Brunnenplan samt fertigem Modell wartet noch in der Schublade im Limburger Rathaus auf seinen großen Auftritt: Ein Hans-im-Glück-Brunnen, der, ähnlich wie ein Bachlauf, einst vom Limburger Bildhauer Karl Matthäus Winter geplant wurde und eigentlich den Kornmarkt zieren sollte. Ob es irgendwann doch noch einen neuen Brunnen für Limburg geben wird?
Lesen Sie im nächsten Teil die Geschichte des Georgsbrunnens.
Anmerkung: [Hier ] können Sie die Geschichtes des Lindenholzhäuser Sauerborn nachlesen.