| Die «Wiedergutmachung» |
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Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei. Schuldanerkenntnis über 3,7 Millionen – aber so viel ist fürs Bistum nicht zu holen «Mein Haus!» «Mein Auto!» «Mein Grundstück!» - Alles weg! Ein Boot, der letzte Teil in der legendären Sparkassen-Werbung, hatte Werner Jung-Diefenbach zwar nicht, aber sonst fast alles, was das Dasein verschönert. «Sein Ziel war es, auf Kosten anderer Menschen fürstlich zu leben», sagte Oberstaatsanwalt Hans-Joachim Herrchen in seinem Plädoyer. Das Geld dafür holte sich der Lindenholzhäuser alle paar Tage auf der Kreissparkasse in bar. «Ich weiß, dass ich künftig mit dem Existenzminimum auskommen muss», sagte der Angeklagte später in seinem «letzten Wort» – und gab «zu bedenken, dass ich durch eine finanzielle und psychische Notsituation mit den Unterschlagungen begonnen habe». Von den «Ausuferungen», die ihm leicht gemacht worden seien, sei er heute selbst überrascht. «Ich will versuchen, den Schaden so gut wie möglich wieder gut zu machen», sagte der 55-Jährige. In diesem Punkt scheinen sich die streitenden Parteien nun näher zu kommen. Jung-Diefenbachs Verteidiger Detlev Rörig kündigte an, dass auch das Vermögen der Zwillinge in das Schuldanerkenntnis über 3,79 Millionen Euro einbezogen werden soll. Daran war eine Einigung bis zuletzt gescheitert. Ursprünglich sollte sich nur eine der Töchter mit einem Anteil von 50 000 Euro an den Rückforderungen beteiligen. Ihre nobel ausgestattete Villa in Lindenholzhausen soll jetzt ebenfalls an das Bistum übertragen werden – ebenso wie das Wohnhaus des Angeklagten, das die Eheleute 2008 auf die andere Tochter und deren Mann überschrieben hatten. Töchter ahnungslos? Dass die Kinder erheblich von den Unterschlagungen profitiert haben, war anfangs nicht bekannt. Ohne die schnellen und guten Ermittlungen der Polizei wären die Töchter laut Herrchen bei der Wiedergutmachung mit einem «Almosen ähnelndem Geldanteil» davon gekommen. Eine Kripo-Beamtin präsentierte als erste Zeugin eine beachtliche Liste mit Bareinzahlungen Jung-Diefenbachs auf verschiedene Konten der Familie, die sich allein seit 2004 auf rund 1,96 Millionen Euro summierten. Eine Tochter hat mehr als 600 000 Euro erhalten, die andere rund 470 000 (und die Chef-Buchhalterin im Rentamt 65 000 Euro). Der Vorsitzende Richter Josef Bill fragte sich – und schließlich den Angeklagten, ob die Kinder wirklich geglaubt haben könnten, dass er so viel verdient. «Ja», beteuerte der Vater, «die haben ja von Klein auf mit diesem Geld gelebt und sich deshalb keine Gedanken gemacht, wo es herkommt.» Die eine hätte nicht gewusst, was die andere bekommen hätte, und beiden sei nicht klar gewesen, was er mit dem Verkauf eines Asylantenheims in Hausen und seinen Geschäften verdient habe. Die beiden Firmen (für Immobilien und den Verkauf von Schalungsträgern) hätten tatsächlich jedoch kaum etwas abgeworfen, sagte der Angeklagte. Die Leute im Dorf hätten angenommen, er sei durch einen Lotto-Gewinn oder das Asylantenheim zum Millionär geworden. «Die Leute sind nicht Ihre Kinder», so der Richter. Notar Werner Reingen schilderte als Zeuge den zähen Verlauf der am 6. Oktober 2009 aufgenommenen Verhandlungen um die Wiedergutmachung. Nach seinen Angaben hat das Wohnhaus von Werner Jung-Diefenbach im Auenweg einen Wert von 350 000 bis 400 000 Euro. Auf die gleiche Summe ist auch der Neubau in der Prälat-Stein-Straße taxiert worden, den die Tochter erst vor kurzem zur Hälfte an ihren Mann überschrieben hat. Der Vater erläuterte, dass er rund 90 000 Euro für den Stararchitekten gezahlt hat. Diese Immobilie ist noch mit einer Grundschuld von 250 000 Euro belastet. Zwei weitere Wohnungen in der Frankfurter Straße in Lindenholzhausen haben einen Wert von 300 000 Euro, eine Eigentumswohnung in Dehrn könnte noch 90 000 Euro einbringen. Den Anteil am Grundbesitz bezifferte Reingen auf 15 000 Euro. Danach ist klar, dass das Bistum bei der «Wiedergutmachung» gewaltig in die Röhre schauen wird. . . Aus heutiger Sicht kann das Bistum noch nicht einmal mit einer Million rechnen. In den Zeugenstand musste gestern überraschend auch der ehemalige Bezirksdekan Aloys Staudt, der 1996 Vorsitzender des Gesamtverbandes der Katholischen Kirchengemeiden Limburgs war. Aus diesem Jahr stammt eine ominöse Aktennotiz über die Zahlung von 8 Millionen DM der Stadt Limburg an die Dernbacher Schwestern, die für das Gericht in diesem Verfahren offenbar eine wichtige Rolle spielt. Staudt konnte sich nicht erklären, dass und warum er diesen Vermerk unterschrieben haben sollte. Trotz des Drängens von Josef Bill leugnete Jung-Diefenbach beharrlich, diese Aktennotiz gefälscht zu haben. «Keine Überwachung» Der eigens vom Ammersee angereiste damalige Finanzdirektor Dr. Hans Wendtner konnte diesen Sachverhalt ebenfalls nicht aufklären. Eine schuldrechtliche Verpflichtung über 8 Millionen wäre mit Sicherheit nicht am Bistum vorbei gelaufen, sagte der Zeuge. Verteidiger Detlev Rörig äußerte in dieser Hinsicht erhebliche Zweifel. Er warf den Verantwortlichen im Bischöflichen Ordinariat fehlende bzw. schlampige Kontrollen vor. «Hier gab es keinerlei Überwachung», sagte der Anwalt, «dieser Leichtsinn ist kaum zu überbieten.» In einem Punkt ließ er den Leiter des Zentralen Rechnungswesens im BO schlecht aussehen. Der 58-Jährige hatte als Zeuge angegeben, bis zum Schluss nichts von den Barabhebungen des Rentamtschefs gewusst zu haben. Rörig hielt dem Finanzbuchhalter eine von ihm unterzeichnete Liste vom 12. April 2007 vor – auf den Kontoauszügen war eine Vielzahl von Einbuchungen über 7500 Euro, insgesamt mehr als 100 000 Euro. ![]() [Hier] finden Sie den Original Artikel auf der NNP Seite mit eventuellen Kommentaren unter dem Artikel. [Hier] im Webauftritt von Lindenholzhausen.de finden Sie unseren Artikel "Untreue-Prozess: Berichte & Ergebnisse" mit der Historie und entsprechenden Links. |




