| Das Doppelleben des Werner J.D. |
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Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei. Ehefrau und Freundin 25 Jahre lang belogen und betrogen / Chefbuchhalterin ahnungslos? Jetzt fehlt nur noch der Papst. .. Nachdem der Angeklagte am ersten Verhandlungstag den in Limburg überaus beliebten ehemaligen Bezirksdekan Aloys Staudt durch eine vermutlich gefälschte Aktennotiz indirekt in den Finanzskandal verwickelt hat, kam gestern Bischof Franz Kamphaus ins Spiel. Werner Jung-Diefenbach nutzte die Kontakte zum Oberhirten für die Betrügereien in seinem Privatleben. Kamphaus, in der Domstadt inzwischen wie ein Heiliger verehrt, soll seine Beziehung zur Chefbuchhalterin im Hadamarer Rentamt toleriert haben. Ein wichtiger Grund für die 54-Jährige aus einem Dornburger Ortsteil, an die guten Absichten ihres Freundes zu glauben. «Herr Jung-Diefenbach hat in meinem Beisein täglich mit dem Bischof telefoniert und ihm von mir erzählt», sagt die Frau gestern im Zeugenstand. «Sonntags hat er bei mir zu Hause angerufen und gesagt: Hier ist Werner Jung-Diefenbach und Bischof Kamphaus. Er hat dem Bischof Bilder von mir mitgenommen und ich habe einen Adventskalender für den Bischof gebastelt. Was hat er wohl damit gemacht?», fragt die langjährige Geliebte. Die Antwort auf die dubiosen Telefongespräche gibt sie selbst: «Wahrscheinlich hat er in eine tote Leitung geredet.» Wohnung im Priesterseminar Bild links: Werner Jung-Diefenbach auf dem Weg auf die Anklagebank: Der schwergewichtige Mann mit den silbergrauen Haaren und dem silbergrauen Vollbart trägt einen grauen Anzug, ein hellblaues Hemd und eine blaue Krawatte. Foto: HeidersdorfDer Lindenholzhäuser hat in den vergangenen Jahren offensichtlich viel Blabla von sich gegeben – gegenüber seine Freundinnen und auch in Bezug auf seine Familie allerdings in sehr niederträchtiger Form. Die 100 Zuhörer können es nicht fassen. Der Vorsitzende Richter Josef Bill muss das Publikum zwei Mal ermahnen, auf Unmutsäußerungen und dergleichen zu verzichten. Am ersten Verhandlungstag waren 20 Journalisten und rund 50 Besucher gekommen, gestern das umgekehrte Bild: Auf der Pressebank sitzen nur noch vier Vertreter, dafür ist der Zuhörerraum hinter der Glasscheibe proppenvoll. Das zum Prozessauftakt angesprochene Sexleben des 55-jährigen Angeklagten und die angekündigte Vernehmung der Chefbuchhalterin im Rentamt versprechen großes Kino. . . Zu Recht, wie sich nach den Aussagen von zwei Mitarbeitern des Bischöflichen Ordinariats (BO) zur komplizierten Materie des Buchungssystems und der Kontrollen herausstellt. Die Zeugin bittet eingangs um Rücksicht auf ihren «sehr labilen Zustand»; sie sei in psychiatrischer Behandlung. Dann erzählt sie: Vor zirka 25 Jahren hat sich im Rentamt die zunächst freundschaftliche Beziehung entwickelt. Werner Jung-Diefenbach sagt ihr, er ist geschieden, die Ehe auch nach katholischem Kirchenrecht annuliert. Seine Frau hat ihn erst wegen eines anderen Mannes verlassen und ist später mit einem neuen nach Amerika gegangen. Die Zwillingstöchter sind nicht von ihm und zur Adoption freigegeben. Er lebt im Priesterseminar – gemeinsam mit Bischof Franz Kamphaus, mit dem er sich auch privat angefreundet hat. Jung-Diefenbach arbeitet nebenbei für den Bischof und erhält dafür eine zusätzliche Vergütung. Er verspricht der Geliebten, sie bald dem Bischof vorzustellen. Bauplatz in Frickhofen Der Rentamtschef hat angeblich in Frickhofen einen Bauplatz gekauft und will sich dort mit ihr niederlassen. In Hadamar darf nie über sein Privatleben gesprochen werden, Auch die Kommunion der Zwillinge und die Silberhochzeit sind kein Thema, obwohl mehrere Mitarbeiter der Außenstelle des BO aus Lindenholzhausen stammen. Jung-Diefenbach trägt keinen Ehering und sagt der Freundin immer wieder, dass er sie liebt. «Wenn ich die Wahrheit gewusst hätte, hätte ich mich niemals darauf eingelassen», betont die Zeugin. In den vergangenen Jahren hat es keine intimen Kontakte mehr gegeben. Sie hat Vater und Mutter bis zu deren Tod gepflegt und ist deswegen auch tagsüber zwischen Arbeitsplatz in Hadamar und Wohnung in Dornburg gependelt. Die Führungskraft bittet Kolleginnen, für sie abzustempeln oder trägt selbst falsche Arbeitszeiten ein. Deshalb will ihr Finanzdirektor Althausen im vergangenen Oktober fristlos kündigen; er gibt ihr jedoch die Chance, dies nach 31 Jahren im BO selbst zu tun. «Als ich von den Veruntreuungen und seinen weiteren Verhältnissen gehört habe, wollte ich das nicht glauben. Einer Kollegin, die ebenfalls seine Geliebte war, was ich damals jedoch nicht wusste, hat er sogar eine gefälschte Scheidungsurkunde vorgelegt. Die könnte noch ganz andere unglaubliche Geschichten erzählen. Ich habe ihm blind vertraut. Mir ist in all den Jahren niemals aufgefallen, dass er ein Doppelleben führt», sagt die Frau. Geld für die Stadt Limburg So weit die verlesene Einlassung. Der Vorsitzende Richter fragt, warum sie die regelmäßigen Barabhebungen in Höhe von 7500 Euro – allein im strafrechtlich relevanten Zeitraum seit 2004 insgesamt 2,7 Millionen Euro – stillschweigend gebucht hat. «Ich schwöre bei meinem Leben und allem, was mir heilig ist, dass ich von den Unterschlagungen nichts gewusst habe», sagt die Bilanz-Buchhalerin. Sie korrigiert die bisherige Darstellung, Werner Jung-Diefenbach habe die Barabhebungen damit begründet, Überweisungsgebühren sparen zu wollen. «Ich weiß das auch, dass wir keine Überweisungsgebühren zahlen», sagt die Zeugin. «Herr Jung-Diefenbach hat gesagt, wo die Belege verbucht werden – auf einem Verrechnungskonto, das er am Jahresende abgerechnet hat.» Er leite das Geld für die Rückzahlung eines Darlehens bar an die Stadt Limburg weiter, habe sie erfahren; Dompfarrer und Pfarrsekretärin würden die Geschäfte ebenfalls so abwickeln. Sie habe lediglich die Bankauszüge erhalten, nie die Einzahlungsbelege. «Das ging irgendwann in Routine über», sagt die Frau. «Er war mein Chef.» 900 000 EUR ins Leere gelaufen Josef Bill findet das Prozedere «komisch» und wundert sich unter anderem, dass die Buchhaltungsleiterin neun Mal jeweils 100 000 Euro vom Rentamt auf das Konto des Gesamtverbandes der Katholischen Kirchengemeinden für die Kindertagesstätte am Huttig überwiesen hat, von dem sich Jung-Diefenbach schließlich bediente. «Ist das normal, dass niemand weiß, wo das Geld angekommen ist? Man kann doch Geld nicht einfach ins Leere laufen lassen», sagt der Richter. Und er bringt die Sache auf den Punkt: «Haben Sie von Jung-Diefenbach Geld bekommen?», will er von der Zeugin wissen. Sie möchte dazu keine Angaben machen, nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung und Rücksprache mit ihrem Anwalt tut sie es doch. Zunächst räumt sie die Annahme von 10 000 Euro für Renovierungsarbeiten an ihrem Dach ein, auf Vorhalt des Richters weitere Zahlungen. Teure Geschenke des Chefs Geschenke ihres Chefs, erläutert die 54-Jährige, weil sie aufgrund der Pflege ihrer Eltern weniger gearbeitet und folglich weniger verdient habe. Bill beziffert den ab 2004 nachgewiesenen «Zuschuss» auf 60 000 Euro und wird jetzt noch deutlicher: Ob Jung-Diefenbach die manipulierte Zeitabrechnung als Druckmittel eingesetzt und sie deshalb die Augen verschlossen hat? «Ich will tot umfallen, wenn das so gewesen wäre», sagt die Frau auf dem Zeugenstuhl. «Damit hätte ich nicht leben können.» Der Richter kapiert nicht, dass die Geliebte 25 Jahre lang ihren Verstand ausgeschaltet, sich mit den kuriosen Geschichten ihres Freundes zufriedengegeben und niemand im Rentamt etwas vom Privatleben Jung-Diefenbachs gewusst hat. «Das ist heute wirklich unbegreiflich», sagt die Dornburgerin. «Ich habe immer an eine gemeinsame Zukunft gegalubt. Herr Jung-Diefenbach hat mich tief in meiner Seele verletzt. Er hat mich regelrecht missbraucht.» Der Prozess wird am Freitag, 5. März, um 8.30 Uhr mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt. Nachmittags werden die Plädoyers des Staatsanwalts und des Verteidigers erwartet. hei ![]() [Hier] finden Sie den Original Artikel auf der NNP Seite mit eventuellen Kommentaren unter dem Artikel. [Hier] im Webauftritt von Lindenholzhausen.de finden Sie unseren Artikel "Untreue-Prozess: Berichte & Ergebnisse" mit der Historie und entsprechenden Links. |


Bild links: Werner Jung-Diefenbach auf dem Weg auf die Anklagebank: Der schwergewichtige Mann mit den silbergrauen Haaren und dem silbergrauen Vollbart trägt einen grauen Anzug, ein hellblaues Hemd und eine blaue Krawatte. Foto: Heidersdorf

